Nach vier bitteren Niederlagen in Folge haben die Bundesliga-Basketballer von Medi Bayreuth mit einem Knall das Jahr 2020 beendet. Das Oberfrankenderby am Silvestervorabend in der Bamberger Brose-Arena ging mit 73:67 (38:39) an die Mannschaft von Trainer Raoul Korner. Das Brose-Team um Coach Johan Roijakkers kassierte mit der fünften Niederlage im neunten Spiel einen herben Dämpfer im Kampf um die Play-off-Plätze. Und am Sonntag (15 Uhr) kommt mit Oldenburg ein Spitzenteam (Platz 4) in die Brose-Arena. In dieser Partie sind die Gastgeber in dieser Form nur Außenseiter.

Die Bayreuther nehmen die Euphorie des Derbysieges mit ins Heimspiel am Samstag (20.30 Uhr) gegen Spitzenreiter Ludwigsburg und hoffen auf den nächsten Coup.

Bundesliga

Brose Bamberg - Medi Bayreuth 67:73

(22:18, 17:20, 15:18, 13:17)

Warum Bayreuth derzeit in der Defensive seine Probleme hat, zeigte sich in den ersten Minuten. Die Bamberger konnten schalten und walten, wie sie wollten. Dominic Lockhart, der als Point Guard für Bennet Hundt in der Brose-Startformation stand, versenkte in den ersten knapp fünf Minuten drei Dreier. Daneben waren noch Christian Sengfelder und Devon Hall aus der Distanz erfolgreich. Beim 18:6 reichte es Gästecoach Korner. Er rief sein Team zur Auszeit. Was er dort sagte? "Ich bin schon zu alt, um mir das zu merken", sagte er nach dem Spiel. Nach nicht einmal 30 Sekunden war er fertig, Es muss das richtige gewesen sein.

Medi kommt mit Zone ins Spiel

Danach operierten die Bayreuther zeitweise in der Abwehr mit einer 2-1-2-Zone, die nach dem 22:8 durch den stark beginnenden Sengfelder Wirkung zeigte. Bayreuth beendete über Osvaldas Olisevicius und Andreas Seiferth das erste Viertel mit einem 10:0-Lauf (22:18).

Von da an waren die Gäste im Spiel und nach einem Drei-Punkte-Spiel von Philip Jalapoor auf einen Zähler dran (22:21), ehe Chase Fieler die fünfeinhalbminütige Punkteflaute der Bamberger beendete. Das Medi-Team war nun gleichwertig, kämpfte aufopferungsvoll in der Verteidigung und hielt die Partie offen. Folgerichtig zog es auch in der 18. Minute durch Seiferth erstmals in Front (35:36). Frank Bartley attackierte mehrmals den Bamberger Korb und war entweder direkt oder per Freiwürfen erfolgreich. Auf Seiten der Gastgeber hielt nun Center David Kravish mit Punkten und Assists dagegen, da aus der Distanz die Trefferquote seines Teams in den Keller ging. So hatte die Brose-Truppe zur Pause knapp die Nase vorn hatte (39:38).

Kampf pur im Derby

Das Derby entwickelte sich nun zum puren Kampf. Michele Vitali schoss nach seinem ersten Dreier drei Fahrkarten, aber auch bei Medi blieb vieles Stückwerk. Als Kapitän Bastian Doreth schnell fünf Punkte erzielte, glaubten die Bayreuther endgültig an die Überraschung. Bei jedem erkämpften Ball standen die Spieler auf der Gästebank, während die Gesichter auf der Gegenseite immer länger wurden. Roijakkers wirkte auf der Bank sitzend konsterniert. "Nach der Partie in Karsiyaka fehlte uns die Energie", meinte der Niederländer, der zurzeit nur mit acht Spielern rotiert. "Wir haben sonst die beste Trefferquote der Liga, doch hat man gemerkt, dass uns die Kraft fehlt."

Nach dem Beginn des Schlussviertels (54:56) schwammen den müden Bambergern die Felle davon. Im Angriff sank die Trefferquote der Gastgeber ins Bodenlose (am Ende 33 Prozent aus dem Feld), während bei Bayreuth David Walker per Dreier seine ersten Punkte markierte sowie Doreth und Olisevicius ebenfalls aus der Distanz zur 65:54-Gästeführung trafen.

Hundt und Vitali mit Treffern von der 6,75-Meter-Linie ließen die Brose-Fans an den heimischen Geräten noch hoffen. Bamberg kämpfte, doch als Kravish 100 Sekunden vor Schluss allein unter dem Brett daneben warf - die symptomatischste Szene der Partie - , war die Überraschung perfekt. Die Bayreuther gewannen verdient, da sie den Kampf früher annahmen und nach zuletzt 99 Gegenpunkten im Schnitt ihren Gegner diesmal bei 67 Punkten hielten.

"Am Ende müssen wir zufrieden sein, dass wir nur mit sechs Punkten verloren haben", traf Roijakkers den Nagel auf dem Kopf.

Spieler des Spiels

Der Bayreuther Center Andreas Seiferth war der Mann des Derbys, erzielte 14 Punkte bei nur vier Fehlwürfen und fischte sich acht Rebounds von den Brettern. Dazu zwang er den Bamberger David Kravish zu ungewöhnlich vielen Fehlwürfen. Zwei Assists runden die Leistung des Medi-Centers ab.

Die Statistik

Bamberg: Lockhart (14 Punkte/4 Dreier), Sengfelder (11/1), Fieler (10/1), Kravish (10), Hall (9/2), Vitali (6/2), Ogbe (4), Hundt (3/1), Odiase, Grüttner Bacoul

Bayreuth: Bartley (15/1), Seiferth (14), Olisevicius (11/1), Doreth (8/2), Tiby (8/2), Pardon (6), Walker (5/1), Jalalpoor (3), Bruhnke (3/1)

Schiedsrichter: Reiter, Straube, Loder

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 33 Prozent (25 Treffer/77 Versuche), Bayreuth 46 (26/57)

Dreierquote: Bamberg 26 (11/43), Bayreuth 33 (8/24)

Freiwurfquote: Bamberg 67 (6/9), Bayreuth 100 (13/13)

Rebounds: Bamberg 41 (20 defensiv/21 offensiv), Bayreuth 40 (30/10)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 9/13, Bayreuth 4/19

Assists: Bamberg 19 / Bayreuth 15

Fouls: Bamberg 19 / Bayreuth 17