Allen Fan-Protesten zum Trotz - die Ära von Erfolgstrainer Chris Fleming beim noch amtierenden deutschen Basketball-Meister Brose Baskets neigt sich unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die offizielle Bestätigung des Brose-Aufsichtsrat mit seinem Vorsitzenden Michael Stoschek lässt weiter auf sich warten. Doch ist es ist kein Geheimnis mehr, dass das Gremium bereits seine Entscheidung getroffen hat. Auch die Tatsache, dass kein adäquater Ersatz für den viermaligen Meistermacher in Sicht ist, wird wohl keinen Sinneswandel bewirken.

Bei der emotionalen Abschieds-Party am Dienstagabend sprach sich der Großteil der Freaks für einen Verbleib des Meistertrainers aus. Der (Noch)-Trainer bedankte sich bei den Fans für die großartige Unterstützung der Mannschaft in einer schwierigen Saison und auch seiner Person: "Das macht Bamberg und Freak City aus." Auch bei der Abschlussveranstaltung mit den Sponsoren am Tag darauf wurde Fleming für seine erfolgreiche Arbeit mit Lob überschüttet. "Die netten Worte haben uns in einer schwierigen Zeit sehr gut getan", freute sich Fleming über die Wertschätzung seiner Arbeit, obwohl die Saisonziele nach vier Meisterschaften in Folge in der abgelaufenen Serie komplett verfehlt wurden.

Gedanken über die Zukunft

Bei den Brose Baskets geht aber nicht nur die Ära Fleming zu Ende. Mit Casey Jacobsen und John Goldsberry, die beide ihre Karriere beenden und deren Trikots mit der Nummer 5 und 23 künftig unter dem Hallendach hängen werden, verlassen zwei Erfolgsgaranten den Serienmeister. Mit Anton Gavel ("Es war eine wunderschöne Zeit") wird wohl auch das "Herz der Mannschaft" folgen. Casey Jacobsen meinte, dass man auch für "Tonos" Trikot einen Platz in der Halle freihalten sollte.

Ebenso wie sein Kumpel Karsten Tadda will sich Gavel in Ruhe Gedanken über die Zukunft machen. Ausschlaggebend für deren Entscheidung, aber auch für die potenzieller Neuzugänge, ist sicher auch, wer in Bamberg künftig auf der Trainerbank sitzt. Kapitän Jacobsen brach in der Stunde des Abschieds eine Lanze für den Trainer: "Ich war zwölf Jahre Profi - Chris war mit Abstand der beste Coach."

Kommentar von Klaus Groh: "Von langer Hand geplant"

Nicht einmal zwei Stunden nach dem Viertelfinal-Aus in Quakenbrück war die Wachablösung, die sich seit Monaten abzeichnete, bei der erfolgreichsten Basketball-Mannschaft des letzten Jahrzehnts perfekt. Trainer Chris Fleming wusste bei seinem Interview am Sonntagabend genau, was kommen wird - die Zeichen standen seit langem auf Trennung.

Die fadenscheinige Erklärung der Klubführung nach der Qualifikation für das Top Four Anfang Februar, die sportliche Führung solle mit den Planungen für die neue Saison beginnen, war nur ein Lippenbekenntnis. In Wahrheit wurde jeden Tag ein bisschen mehr an Flemings Stuhl gesägt. Der Erfolgstrainer, der mit den Brose Baskets zuvor sieben von acht möglichen nationalen Titeln geholt hatte, stand bei Brose-Chef Michael Stoschek und seinen Beratern längst auf der Abschussliste. Nach jeder Niederlage musste Fleming um seinen Job zittern.

Dem Druck nicht gewachsen

Sicherlich hat auch der 44-Jährige in dieser Saison Fehler gemacht, erreichte mit seiner von ihm zusammengestellten Mannschaft keines der hochgesteckten Ziele. Doch die ständige Ungewissheit, wie es morgen oder übermorgen weitergeht, war der Umsetzung der ehrgeizigen Ansprüche des sechsmaligen deutschen Meisters sicher nicht förderlich. Das regelmäßige Versagen in den entscheidenden Spielen, sei es auf internationalem Parkett, im Pokal oder jetzt im Play-off-Viertelfinale, zeigt, dass alle Beteiligten dem Druck nicht gewachsen waren.

Fehler bei der Zusammenstellung des Kaders, ständige Personalwechsel, spät nach oben korrigierte Ziele und nicht zuletzt Verletzungen bei Leistungsträgern sorgten dafür, dass in dieser Saison zwar exzellente Einzelkönner, aber selten eine funktionierende Einheit auf dem Parkett stand.

Nach dem Ende einer Ära ist der komplette Umbruch vollkommen nachzuvollziehen, dringend erforderlich, um gegen die immer stärker werdende Konkurrenz in die Erfolgsspur zurückzufinden. Finanzieller Aufwand und Ertrag standen in keinem Verhältnis. Allein die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wurde, ist fragwürdig - andererseits im heutigen Business an der Tagesordnung.

Für einen Sinneswandel ist es wohl zu spät, nachdem schon viel Porzellan zerschlagen wurde. Wenn aber Manager Wolfgang Heyder, der zusammen mit Fleming maßgeblich für den Höhenflug verantwortlich zeichnet, seinen Hut nimmt, steht das in jahrelanger, mühsamer Arbeit aufgebaute Imperium vor dem Einsturz.