Schon der Titel der Ausstellung "Seelenschatten" spielt auf psychische Befindlichkeiten an. Auf die des Betrachters dieser Eisenkolosse. Vielleicht aber auch auf die des portugiesischen Bildhauers Rui Chafes, der dem Urtümlichen des schwarz patinierten Eisens zeitlose Leichtigkeit verleiht. "Seelenschatten erhellen sich", sagte denn auch Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz in ihrem Grußwort zu dieser zeitgenössischen Kunst, "die den Staub des Alltags von der Seele wäscht". So zitierte Piwernetz ein Wort von Pablo Picasso.


"Vielen, vielen Dank"

Seit Samstag ist nun die Großplastikenausstellung von Rui Chafes offiziell eröffnet. Der Festakt im Foyer der Konzert- und Kongresshalle war für alle drei Bürgermeister der Stadt Bamberg Anlass genug, sich einzufinden und dem anwesenden Künstler bei seinem Eintrag in das Goldene Buch über die Schultern zu schauen. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD), Christian Lange (CSU) und Wolfgang Metzner (SPD) freuten sich über Chafes‘ lesbare Handschrift: "Vielen vielen Dank!" hatte der gebürtige Lissabonner notiert.

Zuvor hatte er bekannt, dass er sich "in dieser Stadt zu Hause fühlt" und mit ihr "eine Liebesgeschichte entwickelt hat". Schon 1989 sei er zum ersten Mal in Bamberg gewesen, um das von Tilman Riemenschneider geschaffene Hochgrab des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde im Dom zu sehen. "Das hat meine Arbeit verändert", so Rui Chafes.


Zwischen Architektur und Natur

Dem renommierten Kunsthistoriker Armin Zweite (München) oblag es, die versammelten Vernissagegäste auf das Oeuvre des international anerkannten Bildhauers einzustimmen - ohne auch nur ein einziges Anschauungsobjekt direkt vor Augen zu haben. Denn Chafes‘ Skulpturen finden sich in der gebauten Stadt und in Parkanlagen, im Zusammenhang von Architektur und Natur: "In einem sorgfältig gewählten Ambiente können seine räumlich-plastischen Gebilde in eine Art Dialog mit dem Umfeld treten und dabei ihre inhärente Botschaft zur Anschauung bringen", erklärte Professor Zweite.

Der Kunsthistoriker beschrieb die Skulpturen an 17 Orten in der Stadt als "variationsreich", als "ästhetische Erfahrung", als "gelungene Evokation von poetischen Wirkungen, stimulierenden Assoziationen und ambivalenten Gefühlen". Armin Zweite bescheinigte den Eisenskulpturen eine "eminente Qualität", einen "leichthändigen und eleganten Charakter" bei aller Schwere des Materials Eisen: "gewissermaßen ein dunkles Echo des Genius Loci Bambergs". Denn man sehe den Künstler Chafes nicht ins Ornamentale und Dekorative abgleiten, "auch wenn manchmal die wellenförmigen Bewegungen und geschmeidigen Kurven sowie das Aus- und Einstülpen entfernt etwas mit dem Barock zu tun haben".


Ausstellung mit Tradition

Die spektakuläre Schau dieser Großplastiken findet just im 25. Jahr der Verleihung des Weltkulturerbestatus‘ durch die Unesco statt, und zwar in guter Tradition: Seit 1998 zeigt Bamberg zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum, ein Projekt, aus dem ein "einzigartiger Skulpturenweg entstanden ist". So würdigte OB Starke die von Sponsoren und Stiftungen angekauften Figuren von Fernando Botero, Joannis Avramidis, Igor Mitoraj, Erwin Wortelkamp, Bernhard Luginbühl und Markus Lüpertz.

"Seelenschatten ist ein weiterer Höhepunkt in Bamberg und eine großartige Bereicherung", sagte Regierungspräsidentin Piwernetz, die auch Vorsitzende des Stiftungsrates der Oberfrankenstiftung ist. Sie gehe davon aus, "dass wir von dieser Ausstellung in der Oberfrankenstiftung hören werden, wenn wieder eine Skulptur in der Stadt bleiben soll". Der Beifall war ihr sicher. Ebenso erntete Professor Bernd Goldmann Applaus und von den Rednern freundliche Dankesworte. Dem ehemaligen Leiter des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia war es gelungen, die gesamte Ausstellungsreihe der Großplastiken nach Bamberg zu holen, also auch die aktuelle Präsentation der Werke von Rui Chafes.


Angebot der Stadtwerke: Kunstbus

Am Samstag, 9. Juni, ab 11 Uhr startet der "Kunstbus" der Stadtwerke Bamberg: Bei der einmaligen Aktion spürt Kurator Bernd Goldmann nicht nur die Exponate auf, sondern hat auch vieles über den Künstler, seine Werke und die Schau zu berichten. "Rui Chafes Figuren sind im Stadtbild nicht immer sofort zu sehen, sondern wollen gesucht und gefunden werden", sagt Dr. Michael Fiedeldey, Geschäftsführer der Stadtwerke Bamberg.

Die Mitfahrt ist kostenlos, aber das Sitzplatzkontingent ist begrenzt. Deshalb werden die Plätze im Kunstbus unter allen Interessierten verlost, die sich bis Ende Mai unter www.stadtwerke-bamberg.de/ruichafes bewerben.

Gemeinsam mit der Stadt Bamberg loben die Stadtwerke Bamberg auch einen Fotowettbewerb aus - die drei schönsten Aufnahmen der Großplastiken werden im Kundenmagazin der Stadtwerke Mitte September veröffentlicht. Das von der Jury unter dem Vorsitz des Bamberger Kulturbürgermeisters Christian Lange ausgewählte Siegermotiv erhält einen Ehrenplatz im Stadtwerke-Familienkalender 2019 - und der Fotograf zusätzlich 500 Euro Siegprämie. Alle Informationen zum Fotowettbewerb gibt es ebenfalls unter www.stadtwerke-bamberg.de/ruichafes.

Eine Sonderedition von Kunstpostkarten zeigt zudem zwei der besonders beliebten Werke von Rui Chafes - neben der Skulptur "Ich gehöre mir nicht selbst" auf dem Domplatz auch "Ich will alles von Dir" am Alten Rathaus. Die Aufnahmen des Bamberger Fotografen Jan Stehli sind dem Katalog zur Ausstellung entnommen, die Postkarten sind kostenlos - so lange der Vorrat reicht - im Servicezentrum der Stadtwerke Bamberg am ZOB, in vielen städtischen Museen und der Stadtbücherei erhältlich.