Das blaue Licht der Polizeiautos lässt die Zollnerstraße in Bamberg kurz vor 22 Uhr hell erleuchten. An jeder Ecke stehen Streifenwagen, dumpfe Motorgeräusche sind zu hören. Autofahrer, die in Richtung Bahnhof unterwegs sind, wenden hektisch ihre Fahrzeuge. Passanten bleiben verwundert stehen, Anwohner strecken ihre Hälse aus den geöffneten Fenstern. An Schlafen ist an diesem Abend erst einmal nicht zu denken.

Alle Zuschauer blicken gebannt in Richtung Bahnhof. Die Motorgeräusche werden lauter, die Polizei versperrt mit ihren Autos die Kreuzung. Dann rollt er langsam an, der Schwertransport. Beladen ist er mit einem 261 Tonnen schweren Transformator, den der Netzbetreiber Tennet zur Erweiterung seines Umspannwerks nach Würgau bringt.

Das Gesamtgewicht des kompletten Koloss übertrifft alles. Ganze 490 Tonnen, getragen von 48 Achsen und insgesamt 96 Zwillingsreifen, rollen langsam durch den Bamberger Osten.

"So etwas sieht man wohl nur alle 20 Jahre in Bamberg" , sagt Bernhard Morper, stellvertretender Dienststellenleiter der Verkehrspolizeiinspektion Bamberg, der einen Transport in solch einer Gewichtsklasse selbst noch nicht mitgemacht hat.


Transport durch das Konversionsgelände
Der Trafo wurde in Nürnberg bei Siemens produziert und wurde auf den Schienen nach Bamberg gebracht. noch bevor der Güterverkehr streikte. Am Dienstag gegen 22 Uhr am Bamberger Bahnhof, auf Höhe des Aldi, von den Gleisen auf die Straße gegangen.  Der Schwertransporter bewegte sich mit etwa 15 km/h dann über die Brenner- und Zollnerstraße Richtung A73. Um auf die Autobahn zu kommen, durfte der Konvoi über das Konversionsgelände fahren.

Der Transporter nutzte die ehemalige Ausfahrt der US-Armee und überquerte einmal die komplette Fahrbahnseite, die Richtung Nürnberg führt. Aus dem Grund müsse die A73 kurzzeitig komplett gesperrt werden.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten den Konvoi fast bis zum Schluss. Die Autobahnbrücke zwischen Bamberg und Memmelsdorf glich fast einer Zuschauertribüne als der Koloss die Autobahn überquerte.

"Es ist immer etwas Neues, Routine gibt es da nicht", sagte Kilian Karl, der den 54 Meter langen Schwertransport schon seit acht Jahren steuert.

Zwischenziel für diese Nacht war Scheßlitz. Dafür planten die Fachmänner vier Stunden ein. Alles lief nach Plan. Eigentlich auf die Minute genau war der Koloss gegen 2 Uhr in Scheßlitz angekommen.

Geschafft ist es allerdings noch nicht. Eine Hürde muss noch bewältigt werden. Am Mittwoch geht es dann noch den Würgauer Berg hoch. "Zuvor muss aber umgerüstet werden für den Bergtransport", erklärt Alexander Greß, Pressesprecher für Projekte bei Tennet. Der Berg stellt mit seinem Serpentinen eine Herausforderung dar, deshalb wird der Transport auch bei Tageslicht abgewickelt.