Es ist alles noch ganz neu für Dackel Jünni in der Scheßlitzer Geschäftsstelle der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken (FVO). Aufgeregt huscht er durch den Flur, schnuppert mal hier und mal dort. Erst zum April hat Herrchen Jörg Ermert hier den Posten als Geschäftsführer übernommen und Jünni seinen Platz neben dem Schreibtisch bezogen. Den hat er nun fluchtartig verlassen - zu viel Trubel beim Pressetermin.

Gleichzeitig mit Ermerts Amtsantritt hat die FVO ihre neuen Räumlichkeiten im Gebäude des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bezogen. Bis dahin war die Geschäftsstelle beim Bauernverband in Bamberg untergebracht. In Scheßlitz soll nun ein zentraler Anlaufpunkt für alle Fragen und Vorgänge rund um das Thema Wald entstehen.


Bessere Zusammenarbeit

Der Teilbereich Forsten des AELF hat seinen Sitz schon lange in Scheßlitz. Auch die Waldbesitzer Vereinigung (WBV) Bamberg ist im selben Gebäude untergebracht. Nun kam also noch die FVO hinzu, die die Dachorganisation der insgesamt 15 oberfränkischen Waldbesitzervereinigungen ist. Von dieser Konstellation unter einem Dach erhoffen sich alle Beteiligten Vorteile: "Wir versprechen uns davon eine bessere Zusammenarbeit", sagt Hans Schmittnägel, Leiter des AELF Bamberg. "Das bedeutet auch den Austausch von Informationen auf möglichst kurzem Wege. Das ist hier bestens gegeben." Wolfgang Schultheiß, erster Vorsitzender der FVO, pflichtet bei: "Wir möchten ja wissen, was bei der Behörde los ist und umgekehrt."

Für die FVO ist der Umzug auch das Ende einer Phase des Umbruchs: "Wir waren anderthalb Jahre ohne festen Geschäftsführer. Wir wollten aber auch nichts übers Knie brechen. Unser neuer Geschäftsführer hat ganz andere Kompetenzen, als zuvor", sagt Wolfgang Schultheiß. Auslöser sei schon die Forstreform von 2005 gewesen. "Wie die FVO vor 20 Jahren strukturiert war, war nicht falsch. Aber man muss sich auch anpassen." Das Resultat: Jörg Ermert. Er vertritt nun die Interessen von rund 20 000 oberfränkischen Waldbesitzern und vermarktet deren Holz: "Eine große Aufgabe, aber ich freue mich darauf."


Verband wird folgen

Mit dem Einzug der FVO ist es aber noch nicht getan. Ab August wird auch der Bayerische Waldbesitzer Verband eine Zweigstelle in Scheßlitz einrichten. Das freut besonders Angelika Morgenroth, erste Vorsitzende der Bamberger Waldbesitzer Vereinigung: "Das ist dann die einzige Dependance des Verbands in ganz Bayern. Eine tolle Würdigung der Arbeit hier in Oberfranken." Sitz des Verbands ist in München. "Ich bin stolz, dass wir hier so ein Kompetenzzentrum bekommen."

Dieses Zentrum soll auch eine bessere gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit des Amts und der Forst-Vereinigungen ermöglichen und für mehr Aufklärung und Akzeptanz sorgen: "Die Holzfällung hat einen schlechten Ruf", sagt Wolfgang Schultheiß, "aber trotzdem will ja jeder auf einem Stuhl sitzen". Erster Ansatz ist ein öffentlicher "Tag des Waldes" am Sonntag, 10. Juni.


WBV, FVO, AELF - wer macht was?

Beratung Viele der rund 700 000 Waldbesitzer in Bayern betreiben nicht mehr selbst Forstwirschaft oder haben kaum forstwirtschaftliches Wissen. Diese Menschen können sich beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Beratung durch einen staatlichen Förster holen. Auch die Bamberger Waldbesitzer Vereinigung (WBV) bietet das an.

Zertifizierung Die nachhaltige und möglichst klimafreundliche Bewirtschaftung der Wälder ist ein großes Thema in der Forstwirtschaft. Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Zertifizierungssysteme, ohne die der Verkauf des Holzes auf dem Markt kaum möglich ist. Die Waldbesitzervereinigungen unterstützen ihre Mitglieder dabei, ein solches Zertifikat zu erhalten.

Vermarktung Für einen Waldbesitzer mit nur geringen Holzernteerträgen kann es schwer werden, das Holz an ein Sägewerk zu verkaufen. Über die Waldbesitzervereinigungen bündelt die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken (FVO) deshalb die gesamte Ernte aus dem Bezirk Oberfranken und handelt Verträge mit der Sägeindustrie aus.