Die Kommune entwickelt sich immer mehr zum Gesundheitshotspot im nordöstlichen Teil des Bamberger Lands. Da kann man als Bürgermeister eines anderen Ortes auch schon mal auf den "Kollegen in Scheßlitz etwas neidisch" werden - so die Worte von Bruno Kellner (FW-ÜWG), Erster Bürgermeister des Marktes Rattelsdorf, an seinen Amtskollegen Roland Kauper (CSU) in Scheßlitz. Kellner war in seiner Funktion als Vertreter von Landrat Johann Kalb (CSU) zum Spatenstich der Jura-Schwestern am nach Scheßlitz gekommen.

Entsprechend stolz verwies Kauper auf den für Scheßlitz selbst glücklichen Umstand, dass die Platzverhältnisse in Windischletten für ein Projekt dieser Größenordnung nicht mehr ausgereicht hätten und man deshalb auf die Stadt zugekommen sei. Zudem steht außer Frage, dass Scheßlitz für dieses spezielle Projekt einfach die bessere Verkehrslage und -anbindung hat.

Größe als Vorteil

Geplant ist die Erweiterung des bestehenden ambulanten Pflegedienstes um eine Tagespflege. Dazu wird im Gewerbegebiet Brandäcker ein neues Gebäude errichtet, das auf über 800 Qudratmeter Fläche bei voller Auslastung bis zu 75 Senioren für den täglichen Aufenthalt Platz bietet.

Andrea Dotterweich ist die Chefin des ambulanten Pflegedienstes der Jura-Schwestern, die das neue Projekt in Angriff genommen hat. In der neuen Tagesstätte sieht sie eine sinnvolle Erweiterung ihres Leistungsspektrums, um pflegende Angehörige noch mehr als bisher entlasten zu können. Aber weit mehr geht es ihr um die Patienten selbst. Den möglichen Einwand in Bezug auf die Größe der Einrichtung und daraus gefolgerter Unpersönlichkeit sowie Anonymität in der Einrichtung lässt sie nicht gelten. Im Gegenteil, sieht sie gerade in der Größe einen entscheidenden Vorteil. Denn da, wo mehr Menschen zusammen kommen, können sich auch viel mehr Interessensgruppen bilden als bei kleineren Einheiten mit bis zu 15 Personen, von denen unter Umständen sogar noch einige dement sind, also einer besonderen Pflege bedürfen.

Noch 325 Quadratmeter frei

Klar, dass damit auch ein erheblicher personeller wie organisatorischer Mehraufwand verbunden ist, den es zu stemmen gilt. Aber an Tatkraft mangelt es der Unternehmerin nach eigenem Bekunden nicht. Das bestätigte auch MdB Andreas Schwarz (SPD). Er kennt sie noch aus seiner Zeit als Bürgermeister von Strullendorf. Dort hat er sie bereits als Person zu schätzen gelernt, die Liebe zu ihrem Beruf hat, "Menschen gerne hat und Menschen liebt". MdL Holger Dremel (CSU) schloss sich den Worten von Schwarz an und sieht das auch in der geplanten Einrichtung, die "Menschen glücklich" machen wird.

Nach dem symbolischen Spatenstich im Gewerbegebiet Brandäcker soll das neue Gebäude noch im kommenden Jahr bezogen werden. Ebenfalls noch 2021 soll das neue Ärztehaus, das zurzeit gegenüber im Bau ist, in Betrieb gehen. Dort werden künftig sprichwörtlich unter einem Dach die Ärzte Dr. Wolfgang Steinbach, Dr. Harald Tzschentke, Dr. Christoph Schumm und Dr. Klaus Lebert zu finden sein. Dazu ein Hörstudio und eine Praxis für Logopädie. Aktuell sind noch rund 325 Quadratmeter vermietbar, wie Thomas Neumer von der Gewobau Bamberg auf Nachfrage mitteilte.

Eine Apotheke ist schon in unmittelbarer Nähe. Eine weitere befindet sich auf der anderen Seite der Stadt. Ebenfalls auf der Seite zur Autobahn hin hat sich die Juraklinik angesiedelt. Dazu gibt es weitere Mediziner vor Ort, auch Fachmediziner sowie Gesundheitseinrichtungen und Unternehmen, die sich diesem Schwerpunkt verschrieben haben. Scheßlitz ist also gesundheitlich in Form und bestens aufgestellt, um sich künftig nicht nur als Schulstadt, sondern auch als Gesundheitsstadt einen Namen in der Region zu machen.