• Oberfränkische Kliniken müssen enorme Patientenzahlen bewältigen - Regierung erlässt kurzerhand Verbot
  • "Covid-19-Schwerpunkt-Krankenhäuser": Aufschiebbare stationäre Behandlungen in 13 Kliniken untersagt
  • Verpflichtung tritt bereits am Freitag (1. April 2022) in Kraft - Anordnung gilt zunächst bis Monatsende
  • "Erhebliche Personalausfälle": Kliniken arbeiten "seit rund zwei Jahren an der Belastungsgrenze"

Die Regierung von Oberfranken hat angesichts der immensen Corona-Infektionszahlen kurzerhand die Reißleine gezogen: Von Freitag (1. April 2022) an dürfen in 13 oberfränkischen Krankenhäusern bis auf Weiteres keine "aufschiebbaren stationären Behandlungen" mehr durchgeführt werden. Betroffen sind die sogenannten Covid-19-Schwerpunkt-Krankenhäuser des Regierungsbezirks. Die Kapazitäten sollen laut Regierungsangaben für Corona-Patienten, Notfallpatienten sowie Patienten, deren Behandlung aus medizinischen Gründen nicht verschoben werden kann, reserviert werden. 

Corona-Lage in Oberfranken seit Wochen angespannt: Kreis Bamberg mit dritthöchstem Inzidenzwert Deutschlands

Die Corona-Lage in Oberfranken ist seit vielen Wochen äußerst angespannt. In etlichen oberfränkischen Regionen hat die jeweilige 7-Tage-Inzidenz astronomische Höhen erreicht. So weist der Landkreis Bamberg etwa am Donnerstag (31. März 2022) laut Robert-Koch-Institut einen Inzidenzwert von 3322,1 auf - der dritthöchste Wert in ganz Deutschland (Stand: 31.03.2022; Quelle: RKI). Im Landkreis Kulmbach liegt die Inzidenz bei 3011,4 (Platz 7 in Deutschland). Auf Rang 8 folgt der Landkreis Lichtenfels mit einem Corona-Wert von 2978,0. Die Stadt Coburg weist am Donnerstag eine 7-Tage-Inzidenz von 2935,7 auf (Platz 9 in Deutschland).

Um die Patientenversorgung in den Kliniken weiter sicherzustellen, hat die Regierung von Oberfranken die Covid-19-Schwerpunkt-Krankenhäuser aller oberfränkischen Rettungszweckverbände verpflichtet, ab 1. April 2022 sämtliche "unter medizinischen Aspekten aufschiebbaren stationären Behandlungen" zu unterlassen. Die Anordnung gelte zunächst bis 30. April 2022 und werde Mitte des Monats überprüft, wie die Regierung von Oberfranken mitteilt. 

Von der Regierungsanordnung betroffen sind folgende 13 oberfränkische Krankenhäuser:

Zweckverband Bamberg-Forchheim

  • Klinikum Bamberg (Sozialstiftung Bamberg)
  • Klinikum Forchheim - Fränkische Schweiz (mit der Betriebsstätte Forchheim)
  • Juraklinik Scheßlitz
  • Steigerwaldklinik Burgebrach

Zweckverband Bayreuth-Kulmbach

  • Klinikum Bayreuth (mit dem Klinikum Bayreuth und der Klinik Hohe Warte Bayreuth)
  • Klinikum Kulmbach
  • Sana Klinik Pegnitz

Zweckverband Coburg

  • Regiomed Klinikum Coburg
  • HELIOS Frankenwaldklinik Kronach
  • Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels

Zweckverband Hochfranken

  • Sana Klinikum Hof
  • Kliniken HochFranken (mit den Betriebsstätten Münchberg und Naila)
  • Klinikum Fichtelgebirge gGmbH (mit den Betriebsstätten Marktredwitz und Selb)

"Das Personal in den Kliniken arbeitet seit rund zwei Jahren an der Belastungsgrenze"

"Leider führt das aktuell sehr hohe Infektionsgeschehen zu erheblichen Personalausfällen in den Krankenhäusern, vor allem auch im Bereich der Pflege", betont Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz. Dies wirke sich stark auf die Kapazitäten in den Kliniken aus. "Es ist uns bewusst, dass durch die nun erneut notwendige Verschiebung von aufschiebbaren stationären Behandlungen den betroffenen Patientinnen und Patienten viel abverlangt wird. Das Personal in den Kliniken arbeitet seit rund zwei Jahren an der Belastungsgrenze."

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Nur durch entschiedenes Handeln könne die Behandlung von Notfallpatienten, Corona-Patienten sowie solcher Patienten, deren elektive Behandlung aus medizinischen Gründen nicht verschoben werden kann, gesichert werden. "Den Ärztlichen Leitern Krankenhauskoordinierung, allen Ärztinnen und Ärzten sowie den Pflegekräften bin ich für ihren unermüdlichen Einsatz im Interesse der Patientinnen und Patienten sehr dankbar", erklärte Piwernetz. "Dieses Engagement verdient höchste Anerkennung und Wertschätzung."

Wie die Regierung von Oberfranken in ihrer Pressemitteilung weiter berichtet, wurde eine entsprechende Anordnung bereits im November 2021(zuletzt mit Geltungsdauer bis 31. Januar 2022) erlassen. Eine Verlängerung sei damals nicht mehr nötig gewesen, weil keine Überlastung der Krankenhäuser mehr gedroht habe. "Seitdem hat sich die Situation in den oberfränkischen Krankenhäusern insgesamt deutlich verschärft", konstatiert die Regierungspräsidentin gleichwohl. 

Situation in oberfränkischen Krankenhäusern seit Januar "deutlich verschärft" - "erhebliche Personalausfälle"

Besonders betroffen seien die Normalstationen. Diese seien an vielen Tagen zu 85 bis 90 Prozent ausgelastet. Die Anzahl der auf den Normalstationen versorgten Patienten mit Covid-19 sei seit Ende Januar von unter 100 auf 614 (Stand 28. März 2022) angestiegen. "Auch bei den Intensivkapazitäten droht eine Überlastung", heißt es vonseiten der oberfränkischen Regierung. Die Anzahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen sei von acht Patienten Ende Januar 2022 stetig auf aktuell mehr als 30 Patienten angestiegen. "Gleichzeitig sind aufgrund des hohen Infektionsgeschehens erhebliche Personalausfälle zu verzeichnen, so dass weniger Betten betrieben werden können."

Die Verpflichtung, unter medizinischen Aspekten aufschiebbare stationäre Behandlungen vorübergehend zu unterlassen, betreffe Eingriffe, "die ohne dauerhaften Schaden für die Patienten" aufgeschoben werden könnten. Dazu gehörten beispielsweise orthopädische Eingriffe wie Knie- oder Hüftoperationen bei Gelenkverschleiß, nicht aber zeitkritische Operationen wie Herz- oder Tumor-Operationen. Über die medizinische Dringlichkeit entscheiden der Regierung zufolge die behandelnden Ärzte. Die Ärztlichen Leiter Krankenhauskoordinierung könnten Ausnahmen zur Behandlung sonstiger Patienten zulassen.

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