Bis heute ist nicht geklärt, wer das Geschoss mit einer Waffe abgefeuert hat, das zum Jahreswechsel Gegenstände vor einem Wohnhaus getroffen hat. Möglicherweise hat jemand aus sehr großer Entfernung in die Luft geschossen, und das Projektil hat dann den Sichtschutzzaun vor dem Haus in Mürsbach durchbohrt. Ein Zeuge oder gar der verantwortliche Schütze haben sich bislang nicht bei der Polizei gemeldet. Die Polizei hat mittlerweile herausgefunden, dass das Projektil aus einer Jagdwaffe abgefeuert wurde.

Zwei Tage nach Silvester hatte im Rattelsdorfer Ortsteil Mürsbach ein Anwohner ein Einschussloch an seinem Zaun entdeckt und auch das Projektil gefunden. Am 2. Januar hatte der Anwohner hinter seinem Carport an einem Holz-Sichtschutz und an einer davor stehenden Regentonne große Einschusslöcher entdeckt. Nachdem er zusammen mit seiner Frau den Graben hinter der Garage abgelaufen war, fanden sie das Projektil auf dem Rückweg in der Nähe der Tonne. Ein großkalibriges Projektil, das etwa drei Zentimeter lang ist.

Anwohnern Angst eingejagt

Wenngleich der materielle Schaden gering blieb, steckte der Familie zunächst schon die Angst in den Knochen. "Vor allem im Sommer sitzen wir hinten, wo geschossen worden ist. Mein Enkelkind läuft auch da rum. Ich hoffe, dass sie denjenigen finden, der das abgeschossen hat. Nachts traue ich mich nicht mehr raus", sagte die Anwohnerin.

Bislang konnte der Schütze nicht ausfindig gemacht werden. Wie die Polizei auf FT-Nachfrage mitteilt, handelt es sich bei dem Projektil um ein in der Jagd übliches Geschoss einer Langwaffe. Derartige Projektile können bis zu vier Kilometer weit fliegen. Polizei-Sprecher Alexander Krapp: "Das Geschoss war beim Auftreffen bereits seit längerer Zeit in einer Abwärtsbewegung, und auch die Eigenrotation war nicht mehr vollständig vorhanden. Das Geschoss traf hinsichtlich des Trefferbildes nicht in üblicher Weise mit der Spitze voraus auf den hölzernen Sichtschutz, sondern lag bereits quer in der Luft beziehungsweise taumelte."

Das Spurenbild (Trefferbild) und das verwendete Projektil deuteten darauf hin, dass der Schuss aus sehr großer Entfernung abgegeben wurde und der Schütze das getroffene Ziel nicht sehen konnte bzw. nicht gezielt dorthin schoss. "Die Flugrichtung ist durch die Auftreffpunkte an der Holzwand und in der Regentonne sehr gut nachvollziehbar", sagt der Leiter der Ermittlungsgruppe, Günter Kiesewetter. Das Projektil sei deutlich im Fallen gewesen, "und somit ist die Schussabgabe sehr weit entfernt gewesen", erläutert Kiesewetter. Der Schütze habe sein Ziel gar nicht sehen können, weil dazwischen ein kleines Waldstück und andere Wohnhäuser liegen.

Kugel womöglich abgefälscht

Infrage kommen laut Polizei ein unbeabsichtigter Weitschuss oder möglicherweise auch ein Schuss, der von einer festen Oberfläche nach oben abgefälscht wurde - das Projektil war deformiert. Da auch ein Abpraller in Betracht kommt, lassen sich die Entfernung und der genaue Schusswinkel nicht exakt bestimmen.tst