Wenn Krystian Kaluza "Herr Pfarrer" ruft, kommt nicht etwa Günter Höfer angelaufen, der Pfarrer von St. Heinrich. "Herr Pfarrer" heißt der Kanarienvogel von Kaluza, "weil der so schön und so gut singt wie Pfarrer Höfer", lacht der Pfarrvikar. Seinen Sinn für Humor beweist der 39-Jährige auch damit, dass er einen weiteren Vogel "Herr Kardinal" genannt hat, "wegen seiner roten Federn".

Kaluzas Liebe zu seinen gefiederten Genossen ist das eine. Das andere und ausschlaggebende ist seine Leidenschaft für die Theologie: "Mein Hobby seit dem Gymnasium", erklärt der Priester. So ist er froh, jetzt das tun zu können, was er sich immer gewünscht hat: wissenschaftlich arbeiten, lehren, forschen. Krystian Kaluza übernimmt am 1. Oktober den Lehrstuhl "Theologie der Religionen" am Institut Fundamentaltheologie der Katholischen Universität Lublin Johannes Paul II., der "polnischen Gregoriana", wie er auf die berühmte Päpstliche Universität in Rom anspielt.

Bei aller Vorfreude auf die neue Aufgabe fällt ihm der Abschied von Bamberg schwer: "Ich habe hier meine zweite Heimat gefunden", sagt Kaluza. Elf Jahre hat er in der Domstadt gelebt, sich hier wohl gefühlt und Freunde gefunden. Vor allem Pfarrer Höfer werde ihm fehlen: "Von ihm habe ich viel gelernt, er war für mich ein Vorbild, wie er sich um drei Pfarreien kümmert", erklärt Kaluza. Zum Seelsorgebereich Bamberg-Ost gehören die Pfarreien St. Heinrich, St. Kunigund und St. Anna. Pfarrvikar Kaluza unterstützte Leitenden Pfarrer Höfer in der Seelsorge und feierte Gottesdienste in den drei Kirchen.

Zwei Staatsbürgerschaften


Doch es war zunächst nicht die seelsorgliche Mithilfe, die den im polnischen Zabrze geborenen Kaluza nach Bamberg führte. Sein Bischof von Gliwice (Gleiwitz) schickte ihn zum Promotionsstudium nach Deutschland. So begann Kaluza an der Theologischen Fakultät der Otto-Friedrich-Universität Bamberg seine Studien und promovierte 2005 bei Professor Wolfgang Klausnitzer zum Thema: "Der absolute Heilbringer - Karl Rahners fundamentaltheologische Christologie". Zugleich hielt Kaluza regelmäßig Gottesdienste in der Kapelle der Taubstummenanstalt am Oberen Stephansberg, wo er auch wohnte. Noch heute pflegt er Kontakte mit älteren Bewohnern des Stephansberges, zumeist Heimatvertriebene aus Schlesien. Kein Wunder, dass Krystian Kaluza einen guten Draht zu ihnen gefunden hat: "Ich bin zwar mit polnischer Sprache aufgewachsen, aber meine Eltern haben immer gesagt, dass sie Deutsche sind", erzählt der Schlesier Kaluza und fügt hinzu: "Ich habe zwei Herzen: ein deutsches und ein polnisches". So habe er nach der Wende auch beide Staatsbürgerschaften erhalten.

Nach dem Doktortitel ging für Kaluza das Studium weiter: Er habilitierte sich über das Thema "Ein Mittler und viele Vermittlungen. Die Bedeutung des Religionsbegriffs für die christliche Theologie der Religionen". Zwischenzeitlich war er auch in die Pfarrei St. Heinrich umgesiedelt, "in eine lebendige Pfarrei mit Menschen, die mich ohne Vorurteile angenommen haben", erklärt Kaluza. Zusätzlich zur Pfarrseelsorge lehrte er an den Universitäten Bamberg und Würzburg als Privatdozent.

Professor Kaluza freut sich darauf, seine Eltern und beiden Schwestern nun öfter sehen zu können. Er sieht gespannt der Herausforderung entgegen, "mich als Professor an der Uni Lublin durchzusetzen, wo es allein vier Lehrstühle für Fundamentaltheologie gibt". Seine Disziplin "Theologie der Religionen" sei immerhin einzigartig in Polen, eine relativ neue Fachrichtung, die sich erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil herausgebildet hat.
Kaluza nimmt Erinnerungen an eine "bestens organisierte und finanziell gut ausgestattete deutsche Kirche" mit. An eine Kirche mit "Säkularisierungstendenzen", die es inzwischen auch im "katholischen Polen" gebe. Und der "Herr Pfarrer" wird die Heimreise mit antreten, der Kanarienvogel, mit dem Kaluza seinem Freund Günter Höfer verbunden bleibt.

Gottesdienst: Professor Krystian Kaluza wird am Sonntag, 8. Juli, im Gottesdienst um 18 Uhr in der Pfarrkirche St. Heinrich verabschiedet. Es singt der Kirchenchor die Kleine Orgelsolomesse in B-Dur von Joseph Haydn in Begleitung von Orgeln und Streichern. Nach dem Gottesdienst besteht bei Speis und Trank vor der Kirche die Möglichkeit, sich persönlich von Pfarrvikar Kaluza zu verabschieden.