Die Tendenz der jüngsten Informationsveranstaltung der Stadt über die Unterbringung von Asylbewerbern in Bamberg zeigte deutlich, dass viele Ängste und Befürchtungen der Bürger, wie sie noch vor einem halben Jahr im Pfarrheim von St. Heinrich geäußert wurden, scheinbar genommen worden sind. So sprachen sich viele Anwesende - das Vereinsheim des TSV Eintracht Bamberg war bis auf den allerletzten Platz gefüllt - für eine Unterbringung und Integration von Flüchtlingen aus. Die meisten erklärten, sie sähen in ihnen sogar Chancen für die Stadt: Denn zahlreiche Flüchtlinge seien Ärzte und hochqualifiziert und damit eine Bereicherung für die Gesellschaft. Aber auch die jungen Flüchtlinge, so wurde vielfach argumentiert, könnten bald in vielen freien Ausbildungsplätzen die Lücken füllen.


Gekündigte Mieter sind sauer

Unmut gab es lediglich in Bezug auf die Unterbringung von Asylbewerbern in der Neuerbstraße. Allerdings erhoben sich die Stimmen - wenn man von ein, zwei absieht, die eine zu hohe Konzentration an einem Ort bzw. eine Übervölkerung des Spielplatzes dort befürchteten - nicht gegen eine Unterbringung an sich. Sondern vielmehr waren zahlreiche der Anwesenden über das Vorgehen der früheren Eigentümer der drei Gebäudeblocks erzürnt. Einige beschwerten sich darüber, dass langjährigen Mietern der Auszug nahegelegt worden sei. Als Grund habe man den Abriss bzw. eine Komplettsanierung genannt - was nun doch nicht der Fall sei. Andere verwehrten sich dagegen, dass die Wohnungen alle in einen renovierungsbedürftigen Zustand seien. "Ich kenne viele der Wohnungen, und diese alle hatten Bäder, Heizung und sind teils für teures Geld von den Bewohnern hergerichtet worden. Die alten Mieter dann aber unter falschen Tatsachen rauszuwerfen, finde ich nicht in Ordnung", klagte einer der Anwesenden.


25 Euro täglich pro Bewohner für die neuen Eigentümer

Sauer ist den Besuchern der Informationsveranstaltung zudem aufgestoßen, dass der neue Eigentümer seinen Namen zumindest gegenüber der Zeitung bisher geheim hält. Der Oberbürgermeister hierzu: "Wir haben keine Geheimnisse. Der neue Eigentümer, der uns die drei Wohnblocks in der Neuerbstraße vermietet, ist die Bayerische Gesellschaft für Wohneigentum mbH." Gegenüber dem FT bekräftigte einer der Geschäftsführer, dass sein Unternehmen mit Kündigungen nichts zu tun habe.
Andere Wortmeldungen wollten bestätigt wissen, ob jene Wohnungsbaugesellschaft tatsächlich 25 Euro pro Kopf und pro Tag an "Miete" von der Stadt bzw. vom Freistaat bekäme. "Wenn man das hochrechnet, ist dies bei rund 120 Asylbewerbern eine Jahresmiete von fast einer Million Euro. Das erscheint mir doch sehr hoch", sagte ein Teilnehmer. Sozial- und Umweltreferent Ralf Haupt versicherte, dass dies die üblichen Sätze seien, die auch in anderen Städten gezahlt werden.
Und Richard Reiser vom Amt für soziale Angelegenheiten ergänzte, dass der Vermieter dafür aber auch verpflichtet sei, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, dass alle Wohnungen saniert werden und eine Grundausstattung aufweisen müssen. "Zudem stellt er Sozialräume zur Verfügung und zwei Hausmeister auf Teilzeit sollen nach abwechselnd schauen, ob alles in Ordnung ist", berichtete Reiser.


"Keine Unterbringung in Zelten"

Die ersten Flüchtlinge werden übrigens am kommenden Dienstag in die Neuerbstraße 45 einziehen. Aus welchen Herkunftsländern sie kommen werden, ist bislang noch nicht bekannt.
Aktuell sind laut Ralf Haupt in Bamberg 471 Asylbewerber untergebracht. Ende letzten Jahres waren es noch 361 Flüchtlinge. "Wir müssen derzeit mit rund zehn Asylbewerbern pro Woche rechnen, die uns zugeteilt werden. So werden wir nach ersten, vorsichtigen Hochrechnungen bis zum Jahresende rund 500 Asylbewerber unterbringen müssen", schilderte Haupt.
Allerdings, so betonten Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke und Stefan Krug von der Regierung von Oberfranken, wolle man keinesfalls Asylbewerber in Zelten oder Turnhallen unterbringen. "Wir stehen daher in enger Verhandlung mit der Regierung und der Bima und sind uns einig, dass wir einige Wohnblocks auf dem Kasernengelände zur Verfügung stellen, ehe wir Menschen in Turnhallen unterbringen", betonte Starke.
Schon bald könnten die ersten 72 Flüchtlinge in die Flynn Housing Area einziehen. Allerdings müssen hierzu erst noch infrastrukturelle Voraussetzungen wie die Versorgung der Häuser mit Strom und Wasser geschaffen werden.