Für Kai Fischbach ist die Otto-Friedrich-Universität Bamberg ein vertrauter Ort. Bereits 2012 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Soziale Netzwerke, an. Nach acht Jahren wird er nun zum 1. Oktober das Amt des Präsidenten von Godehard Ruppert übernehmen. Im Interview verrät der 47-Jährige, wie sich die Universität weiterentwickeln soll und warum die Stadt Bamberg davon profitiert.

Was macht für Sie die Universität Bamberg aus?

Fischbach: Für mich ist sie ein ganz besonderer Ort, der sich durch eine freundliche und kollegiale Atmosphäre auszeichnet. Gleichzeitig findet hier weltweit anerkannte, exzellente und bemerkenswert interdisziplinäre Forschung statt. Die Universität steht für eine weltoffene und vielfältige Gesellschaft, hat ein klares, eigenständiges Profil und verfügt über ein spannendes, vielfältiges Lehrangebot.

Wie wird sich die Universität unter Ihnen als Präsident verändern?

Die Uni Bamberg ist sehr gut aufgestellt und hat viele Alleinstellungsmerkmale. Wir wollen sie in ihrem Kern und Wesen erhalten und auf diesem Fundament ein starkes, tragfähiges Konzept für künftige Herausforderungen entwickeln. Damit dies gelingen kann, wird es Mut zu Veränderung und Erneuerung brauchen.

In den kommenden Jahren werden der demografische Wandel, die Globalisierung sowie die zunehmende Konkurrenzsituation der Universitäten untereinander den Wettbewerb um Mittel, Studierende und Personal deutlich erhöhen. Darüber hinaus ist wichtig, dass wir auch in Zukunft einen gesellschaftlichen Beitrag leisten, etwa wenn es um Lehrerbildung, Digitalisierung, die Zukunft der Arbeit oder Bildungsforschung geht. Nicht zuletzt geht es mir darum, die Diversität der Fächer aufrechtzuerhalten. Gerade in den sogenannten "kleinen Fächern" wird exzellente Forschung betrieben, die unser Angebot einzigartig macht.

Ihr Büro befindet sich auf der Erba-Insel, die Universität verteilt sich aber auf viele Gebäude, quer durchs Stadtgebiet. Hätten Sie das lieber auf einem großen Campus zusammengefasst?

Ich hätte kein Interesse an einer Campus-Uni. Es ist sehr gut, eine Universität in der Stadt zu haben. Das sorgt für Lebensqualität und schafft Verbindungen. Unsere Studierenden machen Bamberg zu einer jungen Stadt. Zugleich werden viele denkmalgeschützte Gebäude durch die Universität erhalten. Damit leistet sie einen Beitrag zum Erhalt des Weltkulturerbes, den wir durch unsere Forschung und Expertise im Bereich der Denkmalwissenschaften zusätzlich verstärken können.

Nimmt man Mitarbeiter, Beamte und Studenten zusammen, gehören in Bamberg 14 500 Menschen zur Universität. Sind damit die Grenzen des Wachstums erreicht?

Was räumlich noch möglich ist, muss man natürlich sehen. Die Uni selbst kann sicher noch wachsen. Eine große Chance bietet hier unter anderem die bevorstehende Erweiterung der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik (WIAI). Dank des Erfolges im KI-Wettbewerb und einem zusätzlichen Programm zum Ausbau der Studienplätze rechnen wir in den kommenden Jahren mit 19 neuen Professuren, von denen nicht nur die Fakultät, sondern das Studienangebot der gesamten Universität erheblich profitieren wird. Darüber hinaus haben wir im CHE-Ranking wieder Spitzenpositionen erreicht, was die Attraktivität des Standorts für Studierende weiter erhöhen wird.

Wie stehen aus Ihrer Erfahrung heraus die Bamberger zur Uni?

Ich denke, sie sind sehr stolz auf ihre Universität. Das haben in den beiden Bürgerbefragungen der Stadt jeweils über 80 Prozent der Bamberger zum Ausdruck gebracht.

Wie profitiert die Stadt?

Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierenden bleiben hier und gründen Familien, weil sie sich hier wohlfühlen. Damit bleiben Fachkräfte in der Region, manche starten mit Hilfe der Universität auch ihr eigenes Unternehmen.

Auch auf den Bamberger Wohnungsmarkt wirkt sich diese große Bevölkerungsgruppe stark aus. Regelmäßig klagen aber auch Studenten, dass sie keine bezahlbare Wohnung finden.

Dieses Problem stellt sich aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht in der sonst üblichen Weise. Ansonsten arbeiten wir aber sehr konstruktiv und verantwortungsvoll mit Stadt und Studentenwerk zusammen, um bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können.

In Corona-Zeiten ist auch die Universität noch weit vom Normalbetrieb entfernt. Wann wird es wieder reguläre Vorlesungen geben?

Das kann derzeit niemand seriös beantworten, weil nicht klar ist, wie sich die Pandemie entwickelt. Wir sind aber bestrebt, im Wintersemester 20/21 wieder mehr Präsenzveranstaltungen abzuhalten, die durch ein Online-Angebot ergänzt werden. Das Ministerium hat hierfür jüngst einen hilfreichen Rahmen geschaffen. Wir sind auf jede Situation bestens vorbereitet. Die Kolleginnen und Kollegen sehen die neue Situation als Chance zur Entwicklung moderner Lehr- und Lernkonzepte und das Rechenzentrum leistet bei der Bereitstellung der Infrastruktur hervorragende Arbeit.

Die Uni ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern liefert auch viele kulturelle Impulse. Wird das so bleiben?

Diese besondere Stärke der Universität wollen wir beibehalten und weiter fördern, unter anderem durch die Schaffung weiterer Begegnungsorte, wie etwa einem "Haus der Wissenschaft". Wir wollen den Bambergerinnen und Bambergern auf vielen Wegen begegnen, sei es über die Hegelwochen mit ihrer 30-jährigen Tradition oder die zahlreichen Kooperationen mit den Schulen der Region.

Die Fragen stellte Stefan Fößel.

Informatiker und Netzwerker

Kai Fischbachs sechsjährige Amtszeit als Präsident der Otto-Friedrich-Universität beginnt am 1. Oktober 2020. Er hat den Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Soziale Netzwerke, seit acht Jahren inne. In Bamberg übernahm er vielfältige Aufgaben in der universitären Selbstverwaltung: als Dekan und Vorsitzender des Promotionsausschusses der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik, Senatsvorsitzender, stellvertretender Universitätsratsvorsitzender oder auch Mitglied im Akademischen Beirat des Sprachenzentrums. Er ist Vertrauensdozent der Bayerischen Eliteakademie und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung.

Kai Fischbach studierte Mathematik und Sozialwissenschaften an der Universität Siegen und wurde an der Otto Beisheim Graduate School (WHU) promoviert. An beiden Universitäten sowie an der Universität zu Köln arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Zweimal war er als Gastwissenschaftler in den USA.