Selbst für alteingesessene Bamberger waren die verschiedenen Museen im Stadtgebiet bisher eher ein unbekanntes Terrain. Doch am g sonntäglichen Museumstag zogen die reich gefüllten Schatzkammern an. Lag der Besucherzulauf am freien Eintritt? Oder haben mehr die Kinder ihre Mamas am Muttertag zu einem besonderen Ausflug eingeladen? "Sonst geht man ja nicht ins Museum, das muss man heute ausnutzen", bekannte etwa Heidemarie Dippold, die mit ihrem Bekannten Werner Röckelein erstmals das Diözesanmuseum betreten hatte.

Umso faszinierter standen die Beiden vor dem Stickrahmen, an dem Textilrestauratorin Sibylle Ruß goldene Fäden auf Seide zu Buchstaben legte. Sie demonstrierte damit, wie der berühmte Sternenmantel Kaiser Heinrichs II. seine Goldstickerei erhalten hatte. Und bei der kniffligen Arbeit mit Nadel und rotem Haltefaden erzählte Sibylle Ruß über all die Kaisermäntel im Diözesanmuseum, die weltweit einzigartig sind. Selbstredend, dass ihre Zuhörer diese kostbaren Textilien einen Stockwerk höher auch selbst in Augenschein nehmen wollten.

Währenddessen stand Maren Rieder staunend vor dem Neuzugang dieses musealen Hauses am Domberg: eine Bronzeskulptur namens "Cavaliere" (Reiter), inspiriert vom "Bamberger Reiter", wie auf der Infotafel zu lesen ist: "Der hat was, der erinnert mich an den Apoll von Lüpertz!", lachte Maren Rieder. Der "Cavaliere" ist eine Schenkung aus dem Nachlass des italienischen Künstlers Marino Marini (1901 bis 1980) - aus Verehrung von Bamberg dem Diözesanmuseum übereignet.

Im Historischen Museum hatte Museumspädagogin Christina Wendenburg die jüngsten Schatzsucher im Visier. Kindgerechte Rätsel schickten die Buben und Mädchen kreuz und quer durch das Museum: Eine Rallye auf der Jagd nach Tieren auf Gemälden, an der auch die Eltern ihre Freude hatten. Nachhaltig dürfte sich die Mutter des zehnjährigen Nikita über sein Geschenk zu ihrem Ehrentag freuen, das er ihr aus der Staatsbibliothek mitbringen wollte: Wie zu alter Zeit hat der Junge mit Feder und Tinte ein Brieflein an die Mama geschrieben, es zum Kuvert gefaltet und mit rotem Siegelwachs verschlossen. Die Studierenden Alexander Pelz und Yvonne Spindler vom Projekt "MimaSch - Mittealter macht Schule" der Universität Bamberg hatten alle Hände voll zu tun, weitere kleine Schreiberlinge im richtigen Gebrauch der Utensilien anzuleiten.

Bettina Wagner, Direktorin der Staatsbibliothek, übernahm höchstpersönlich Führungen durch die exquisite Sonderausstellung von Unesco-Handschriften und anderen Buchraritäten. Überhaupt fanden die geführten Rundgänge durch alle Domberg-Museen regen Zulauf. Einheimische wie Touristen erlebten die Geschichte Bambergs im Spiegel ihrer Kunstschätze.

Doch auch das Naturkundemuseum in der Innenstadt lockte Groß und Klein mit Mitmachaktionen wie Fossilien selbst präparieren, mit Federn basteln oder winzige Fliegenlarven unter dem Mikroskop betrachten. Vor allem der Vogelsaal aus dem 18. Jahrhundert wollte erkundet werden mit seinen
exotischen gefiederten Exponaten und sogar den historischen Präparaten von Menschenaffen.

Wer aber nun gehofft hatte, endlich einmal einen Blick in das Universitätsmuseum "Islamische Kunst - Bumiller Collection" in der Austraße werfen zu können, musste enttäuscht wieder abziehen. Denn trotz Plakat zum Museumstag mit den Öffnungszeiten - 10 bis 18 Uhr - blieb die Eingangstür fest verschlossen und auf Klingeln reagierte niemand. Zumindest nicht zwischen 11.30 und 13 Uhr.