Die derzeitige Baustelle vor dem Caritas-Beratungshaus in der Geyerswörthstraße steht förmlich als Symbol für viele Lebenssituationen: Vertrautes bricht weg, Unerwartetes macht Angst, die Krise zieht den Boden unter den Füßen weg. Und wer es aus eigener Kraft nicht mehr schafft, an Land zu kommen, findet im Caritas-Beratungshaus Perspektiven für einen Neuanfang. Denn darin arbeiten Menschen, die mit Sachkenntnis, Empathie und Verschwiegenheit Wege aus der Not aufzeigen.

Und die ist auch und gerade in Corona-Zeiten groß: "Wir sind persönlich da!", versichern die Gesprächspartner unserer Zeitung. Es sind Martina Nowak, Leiterin der Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Stephanie Roth, Leiterin der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, sowie Klaus Will, Leiter der Allgemeinen Sozialen Beratung.

Die Pandemie mit all ihren Beschränkungen und Auswirkungen auf die Familien oder wirtschaftlichen Gegebenheiten "haben die Verhältnisse verschlechtert und werden sich weiter verschlechtern, das werden wir zu spüren bekommen", wissen die drei Fachkräfte nur zu gut. Wer zu ihnen kommt in höchster Not, ist in seiner Existenz bedroht. Oder Konflikte, die schon vor Corona schwelten, brechen jetzt erst richtig hervor. "Es ist unser Kerngeschäft, Lösungen zu finden, Hilfen zur Selbsthilfe zu geben", sagt Sozialpädagoge Klaus Will und fügt hinzu: "Wir sind keine Beratungsmaschinen, sondern versuchen, unserem Gegenüber Orientierung zu vermitteln." Und dabei die Balance zwischen gebotener Distanz und Mitgefühl zu halten.

Die Beratungssuchenden packen einen prall gefüllten Rucksack an Problemen aus, die sie allein nicht mehr bewältigen können. Da ist die alleinstehende Frau, die mit ihrer ungeplanten Schwangerschaft nicht klar kommt. Da sind die Eltern, die das aggressive Trotzverhalten ihres Kindes völlig überfordert. Da ist das Ehepaar, das die Scheidung will, und das gemeinsame Kind ist darüber verzweifelt. Da ist der Inhaber eines kleinen Geschäftes, das schon vor Corona in eine finanzielle Schieflage geraten ist und bei dem sich jetzt die Schulden nur so häufen. Da ist die völlig erschöpfte Mutter, die zur Erholung eine Kur braucht und nicht weiß, wie das Bewilligungsverfahren läuft. "Es wird niemand weggeschickt, wir hören zu, wir begleiten kostenlos, unabhängig von Herkunft, Religion, Familienstand", macht Sozialpädagogin Martina Nowak klar. Die Klienten sind ein Spiegelbild der Bamberger Gesellschaft - ohne und mit Migrationshintergrund, Ungelernte wie Akademiker. Manchen kann schon in einem Beratungstermin geholfen werden, andere müssen je nach Anlass über einen längeren Zeitraum unterstützt werden. Dabei geht es auch darum zu motivieren, die Krise offensiv anzugehen: "Wir reparieren keine Kinder, Veränderungen bereits bei den Eltern, in der Familie sind nötig", erklärt etwa Diplom-Psychologin Stephanie Roth für ihren Fachbereich.

Vernetzung der Stellen

Die Intention, Veränderungen als Chance für eine Verbesserung der Lage aufzuzeigen, eint die Tätigkeit der drei Berater. Darüber hinaus knüpfen sie die notwendigen Kontakte zu Behörden, füllen Anträge für finanzielle Sozialleistungen aus und informieren über weitere Hilfsangebote in einer konkreten Notsituation. Oftmals braucht ein Klient dafür nur ins nächste Stockwerk des Caritas-Beratungshauses zu gehen: "Das Schöne bei uns ist die Vernetzung der verschiedenen Beratungsstellen, wir sind ein interdisziplinäres Team", freut sich Stephanie Roth über die fachübergreifende Zusammenarbeit. Im Haus in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim e.V. sind noch weitere Beratungsstellen wie die für Schuldner oder Flüchtlinge angesiedelt.

"Wir stehen in der Tradition der christlichen Urgemeinden, für die der Bruderdienst ein wichtiges Element des Glaubenslebens war", beleuchtet Klaus Will den diakonischen Auftrag der Caritas, für die Armen und Schwachen da zu sein. Das bedeute auch, "die Finger in die Wunden zu legen", fügt er hinzu. Beispielsweise darauf aufmerksam zu machen, dass es in Bamberg an bezahlbarem Wohnraum für Familien und an Kinderbetreuungsplätzen fehlt. Dass das Home-Schooling in Corona-Zeiten Kinder aus sozial schwächeren Familien "abhängt, stigmatisiert und diskriminiert, weil sie gar nicht die technische Ausstattung haben".

Ständig konfrontiert mit menschlichen Schicksalen ist es für die Berater der schönste Lohn, wenn sich Klienten wieder fangen. Wenn die Rückmeldung kommt: "Danke für die Hilfe!" Diese wird in akuten Situationen innerhalb von zwei Tagen oder früher ermöglicht. Die normale Wartezeit auf einen Beratungstermin liegt bei etwa zwei Wochen.

Kontakt Adresse Das Caritas-Beratungshaus befindet sich in der Geyerswörthstraße 2, 96047 Bamberg.

Telefon Die im Artikel genannten Beratungsstellen sind unter folgenden Telefonnummern erreichbar: Allgemeine soziale Beratung: 0951-2995720; Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche u. Eltern: 0951-2995730; Kath. Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen: 0951-2995750