Es war ein Auftritt mit viel Symbolik, als Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einigen Tagen demonstrativ ein Kreuz in der Staatskanzlei aufhängte. Ein "Bekenntnis zur Identität" und zur "kulturellen Prägung" solle es sein, kein religiöses Symbol. Das hat für unterschiedliche Reaktionen gesorgt.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zeigte sich in einem Interview mit dem Domradio zwar grundsätzlich von der Idee angetan, aber von der Begründung irritiert: "Wenn das Kreuz aufgehängt wird, ist das für einen Christen immer ein schönes Zeichen und natürlich zu befürworten", sagt Schick. Aber: "Das Kreuz ist kein Identitätszeichen irgendeines Landes oder Staates. Es ist Zeichen Gottes für uns, damit wir im Blick auf das Kreuz Liebe und Solidarität lernen."

Die jungen Katholiken im Bistum Bamberg bezeichnen sich in einer Pressemitteilung gar als "verärgert, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder anscheinend das Kreuz für Wahlkampfzwecke missbraucht". Diözesanjugendpfarrer Norbert Förster sagt stellvertretend für den Vorstand des Bamberger Diözesanverbandes des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): "Wenn Ministerpräsident Markus Söder das Kreuz als ,grundlegendes Symbol bayerischer Identität und Lebensart‘ bezeichnet, entwertet er es. Das Kreuz ist viel mehr als Lebensart. Es steht für das Heilsversprechen Gottes an alle Menschen."


Bambergs Behörden betroffen

Auch, wenn Empörung und Spott als Reaktion auf Söders Forderung groß waren: Konkrete Folgen hat der Beschluss nur für die bayerischen Behörden - auch in Bamberg. Nora-Eugenie Gomringer leitet das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia, das im Auftrag des Freistaats betrieben wird. Sie äußerte sich erst in einem Kommentar auf Facebook und später in einem Meinungsbeitrag auf welt.de: "Es stört so sehr, ein Kreuz in die Behörden und Dienststellen zu hängen? Ich leite eine und finde das nicht problematisch." Dadurch sei ja nicht kategorisch ausgeschlossen, auch Symbole anderer Religionen zu zeigen - wie sie im Künstlerhaus zu finden sind. Nur der Zwang dahinter missfällt ihr. Noch ist der Eingangsbereich der Villa frei von solcher Symbolik.

So ist es auch im Bamberger Finanzamt: "Es hängt hier zwar tatsächlich eines", sagt Amtsleiter Heribert Zankel, "aber in meinem Zimmer." Ein Kreuz im Eingangsbereich aufzuhängen sieht er problematisch. Nicht wegen persönlicher Bedenken oder möglichem Konfliktpotenzial, sondern aus bautechnischer Sicht: "Der Eingangsbereich steht unter Denkmalschutz", sagt Zankel. "Das Gebäude ist etwa 60 Jahre alt und wir haben dort eine mosaikartige Bemalung, die es sonst in Bamberg nirgendwo gibt." Einen Nagel in die Wand zu schlagen fällt somit weg. Es ist also wohl Kreativität gefragt, wenn Söders Ankündigung amtlich wird.


Offizielle Änderung steht aus

Und das ist sie noch nicht. Darauf weist die Pressestelle des Bamberger Oberlandesgerichts hin: "Die von der Bayerischen Staatsregierung geplante Änderung der Allgemeinen Geschäftsordnung bezüglich des Anbringens von Kreuzen im Eingangsbereich bayerischer Behörden ist noch nicht erfolgt", heißt es da. "Sobald eine solche Änderung beschlossen wird, wird diese im Zentraljustizgebäude Bamberg zeitnah umgesetzt werden."

Denn auch hier findet sich am Eingang noch kein Kreuz: "Aber in jedem unserer Sitzungssäle hängt eines", sagt Behördenleiter Clemens Lückemann.