Das hatte damals Sprengkraft: Gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versammelten sich an der Oberen Brücke vertriebene Deutsche aus Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien und beteten an der Statue des heiligen Johannes von Nepomuk für die vom kommunistischen Regime unterdrückten Landsleute. Das "Vater unser" ertönte in tschechischer Sprache. Und das nach allem, was sich Deutsche und Tschechen in unseligen Jahren angetan hatten. Die Ackermann-Gemeinde vollbrachte dieses "Wunder": eine Gemeinschaft von heimatvertriebenen Katholiken, die sich die Versöhnung mit dem osteuropäischen Nachbarn auf die Fahnen geschrieben hatte.

67 Jahre nach Kriegsende gibt es die Ackermann-Gemeinde mit dieser Ausrichtung noch immer. Und für den Bamberger Diözesanvorsitzenden Horst Schleß ist ihre Arbeit aktuell wie eh und je. Das soll auch die Nepomukfeier zeigen, zu der die Gemeinschaft am morgigen Sonntag einlädt. Johannes von Nepomuk, Schutzheiliger von Böhmen und Bayern, war Generalvikar des Erzbischofs von Prag und wurde am 20. März 1393 gefoltert von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestürzt, weil er König Wenzel gegenüber unnachgiebig die kirchlichen Rechte vertrat. Horst Schleß: "Durch sein Martyrium wurde er zum Symbol der Solidarität mit allen Opfern von Gewalt und des Kampfes gegen jede Macht und jeden Staat, der - ganz gleich zu welcher Zeit - einen Totalanspruch erhebt." So gelte Nepomuk auch heute noch als Fürsprecher, um Brücken des Friedens und der Versöhnung zwischen den Völkern Europas zu bauen: "Europa endet nicht an der Grenze Deutschlands", fügt Diözesanvorsitzender Schleß hinzu. Außerdem könne der heilige Johannes von Nepomuk dazu mahnen, "die bequeme Sicherheit des jetzigen Lebens zu hinterfragen, unerschrocken für die Freiheit des Gewissens und die Würde des Menschen einzutreten", rückt Schleß den Priester Nepomuk in den Vordergrund.

So ist die Nepomukfeier nicht nur für die rührige Ackermann-Gemeinde einerseits eine bewährte Tradition und andererseits ein Fingerzeig gegen Fehlentwicklungen in Gesellschaft und Kirche. Gerade zwischen Bamberg und Tschechien verläuft eine tragfähige Brücke: Bamberg und Prag sind Partnerstädte mit historischen Anknüpfungspunkten. Beide Städte gehören zu dem Netz, das der Jakobsweg über Europa breitet. Die Baumeister Dientzenhofer gestalteten im 17. und 18. Jahrhundert Prag und Bamberg als barocke Städte und schufen so die Grundlagen des böhmisch-fränkischen Barock. 1946 gründeten ehemalige Mitglieder der Deutschen Philharmonie in Prag, ein böhmisches Orchester also, die Bamberger Symphoniker. Die Prager Karls-Universität gehört zu den Partneruniversitäten der Bamberger Hochschule. Vieles mehr an kulturellem, sportlichem Austausch läuft hin und her, spricht von grenzüberschreitender Solidarität und gemeinsamen Wertvorstellungen.

Natürlich pflegt die Ackermann-Gemeinde besonders das christliche Erbe beider Länder. Die Nepomukfeier beginnt um 19.15 Uhr mit einer Eucharistiefeier in der Institutskirche am Holzmarkt. Hauptzelebrant ist Monsignore Karl Wuchterl, Bamberger Diözesanpriester und im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz Visitator für die Seelsorge an den Sudeten- und Karpatendeutschen auf Bundesebene. Nach dem Gottesdienst geht es in Prozession zur Oberen Brücke an die Nepomukstatue, wo eine kurze Andacht gehalten wird. Auch der alte böhmische Brauch des Lichterschwimmens auf dem Alten Kanal kommt zum Zuge. Dieser Brauch erinnert daran, dass der Leichnam des heiligen Johannes von Nepomuk von Lichtern umstrahlt in der Moldau gefunden worden sein soll. Bei der Feier nicht fehlen darf Anton Maser. Der überaus rüstige 91-Jährige wirkt mit seinem Bläserquartett seit Jahrzehnten an der Nepomukfeier mit. Genauso wie der fast gleichaltrige Baptist Kropf, der in seinem Schelch die Lichter an der Unteren Brücke wieder einsammelt.