Der Wald auf dem Grundstück von Richard Schmitt im Schmerber Grund birgt stolze Buchen, die so dick sind, dass sie kein gestandener Mann umarmen kann. Auf dem 15 Hektar großen Gelände bei Ebrach sind bereits vor 80 Jahren große Schneisen ins Dickicht geschlagen worden. Zylinder so groß wie Gebäude lugen aus den Kuhlen zwischen dem Grün der Bäume Richtung Himmel. Schmitt rückt sich den weißen Helm zurecht und blickt am Rand einer Kuhle auf einen der zehn Meter hohen Riesen. "600 Kubikmeter können darin gelagert werden", sagt Schmitt sichtlich begeistert.


Staatsreserven für 90 Tage lagern im Kreis Bamberg

Der 60-Jährige ist Herr über die acht überdimensionierten Fässer, die aus robustem Schiffsstahl bestehen, in denen 20 Lkw-Ladungen Treibstoff Platz haben. Hier ist alles groß: Die Gebäude, die Tanks, das Gelände, die Bäume. Kein Wunder: Insgesamt können auf dem Gelände sechs Millionen Liter an Flüssigkeiten lagern. Unter anderem befinden sich dort die Staatsreserven für die Region: "Der Staat muss für 90 Tage Diesel vorhalten", erklärt Schmitt. Dem Burgwindheimer gehört nur das Gelände, der Inhalt größtenteils dem Erdölbevorratungsverband.

Schmitt öffnet schwere Stahltore am Boden und steigt in die unterirdische Pumpstation: Es ist das Herzstück der Anlage, ähnlich dem Maschinenraum eines U-Boots. "80 Jahre alt - funktioniert aber alles", sagt Schmitt, grinst und klopft an die Pumpen, zeigt auf die Ventile und alten Rohre. "Das ist das einzige Lager dieser Art in Europa, das bei Stromausfall funktioniert", versichert Schmitt. Wenn Stromausfall sein sollte, kann Schmitt noch ausliefern, denn die Tanks liegen alle erhöht, die Abfüllstation am Fuß des kleinen Hügels. Früher gab es sogar eine Eisenbahn, heute sind es Lkw, die über das umzäunte Gelände rollen.

 




Fast wie im Museum In den alten, museumsreifen Hallen, wo früher Kanister lagerten, vermietet Schmitt heute Stellflächen für Privatleute oder Firmen, die ihre Sachen einlagern. Ebenso stehen Paletten voller Holzpellets und -briketts, mit denen der Geschäftsmann handelt. In den Bunkeranlagen schräg gegenüber, vorbei an Schmitts kleiner Schafherde und dem Teich mit den Fischen, wurde sogar schon Wein aufbewahrt. Alte Hinweisschilder warnen vor falschem Verhalten: "Beachte die Unfallverhütungsvorschriften!"

Einige Baumreihen weiter, im Wald ganz oben liegt ein Tank, der keine Flüssigkeiten mehr aufbewahren kann: Er wurde bei den Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das gesamte Areal mit eigener Trafostation und Trinkwasserversorgung war schließlich ursprünglich von den Nazis in den 1930er und 40er Jahren für Kriegszwecke betrieben worden.

In einem zerstörten Tank steht Schmitt jetzt. Wie eine kaputte Kathedrale wirkt die löchrige Hülse, durch die fahl das Licht ins Dunkel der Stahlkonstruktion fällt.

Ab und zu führt Schmitt Schulklassen oder Bekannte über das Areal. Er spaziert nun allein zurück Richtung der Bürogebäude, begleitet von seiner Hündin. In einer kleinen Halle steht ein Modell, das Schüler gebastelt haben. Silber angemalte Coladosen zwischen Miniaturbäumchen stellen sein Tanklager nach. Schmitts offene Art hat dazu beigetragen, dass das einst geheime Lager in Ebrach längst bekannt ist.



Entstehung: Erbaut wurde das Tanklager durch die Nationalsozialisten 1935, die hier Rohstoffe für ihre Kriegspläne unter einer Tarnfirma mit Namen Wirtschaftliche Forschungsorganisation (Wifo) lagerten. Das Lager wurde versteckt im Wald gebaut und war für Unbefugte nicht zugänglich. Durch Luftangriffe wurden einige Tanks im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Weiternutzung: Nach dem Krieg ging die Anlage in die Vereinigte Tanklager Gesellschaft (VTG) über. Später übernahm Richard Schmitt die Anlage. Sie ist größtenteils original erhalten.