Im oberfränkischen Ludwag (Landkreis Bamberg) konnten Archäologen im Zuge der Sanierung der Dorfkirche eine "kleine Sensation" entdecken. Seit Mitte April ist das Büro "Archäologische Ausgrabungen Andreas Pross" gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern der Kirchengemeinde dort beschäftigt. 

Der Neubau der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer stammt aus dem Jahr 1923. "Bei Kirchensanierungen kommt es oft vor, dass Vorgängerbauten gefunden werden. Deswegen waren wir da von Anfang an dabei", erklärt Archäologe Andreas Pross inFranken.de. Dies hat sich offenbar auch gelohnt, den gefunden haben Pross und seine Mitstreiter die vollständig erhaltenen Fundamente von zwei steinernen Vorgängerkirchen. 

"Bedeutsamer Fund": Archäologe stößt auf Vorgängerbauten aus dem 11. Jahrhundert

Die ältere der beiden Vorgängerkirchen ist aller Wahrscheinlichkeit nach die Kirche aus der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1061. Damals wurde sie dem gut 50 Jahre zuvor gegründeten Hochstift Bamberg übergeben. Zuvor befand sie sich im Besitz des Würzburger Bistums. "Vermutlich gehörte Ludwag zu den von Karl dem Großen gegründeten Slawenkirchen", erklärt Archäologe Pross. Auch der Name "Ludwag" ist ihm zufolge slawisch. Er setze sich aus den Worten "Lud" (= Leute) und "Wag" (= Wacht) zusammen.

"Für die Region ist das ein sehr bedeutender Fund", betont Pross. "Ludwag ist ja eine relativ kleine Gemeinde und trotzdem gab es dort schon vor knapp 1000 Jahren eine recht große Steinkirche. Das ist wirklich erstaunlich", zeigt sich Pross begeistert von der Entdeckung. Im 13. Jahrhundert, also in der Gotik, wurde die Kirche dann demnach erweitert, indem das Langhaus im Westen vergrößert wurde. 

"Eine kleine Sensation stellte eine Säulenbasis dar, an der noch die originale farbige Bemalung erhalten ist", erklärt Pross den Fund weiter. Das sei deshalb so interessant, weil solche Teile oft nochmal weiter verwendet wurden. "Das ist hier auch zweitverwendeter Stein. Aber er hat noch die Bemalung der ersten Kirche", sagt Pross. 

Ausgrabungsfund soll unter neuem Fußboden verschwinden

Laut dem Grabungsleiter sind in der Dorfkirche auch Münzen gefunden worden. Diese waren Gottesdienstbesuchern womöglich bei der Kollekte heruntergefallen. Auch wenn die entdeckten Münzen erst noch genau datiert werden müssen, stammen sie wahrscheinlich aus dem 15. bis 16. Jahrhundert. 

Die Mauern sollen indes in den kommenden Wochen dokumentiert und gezeichnet werden. Danach werden sie "vorsichtig mit Sand überdeckt" und verschwinden anschließend unter dem neuen Kirchenfußboden.

Auch in Hirschaid gelang Andreas Pross und seinem Archäologen-Team unlängst ein historischer Fund: Dort stießen sie auf eine bislang unentdeckte Siedlung aus der späten Bronzezeit. Ihr Alter beträgt rund 3000 Jahre.