• Rekord-Spritpreise: Autofahrer lassen ihren Zorn an Tankstellen-Mitarbeitern aus
  • Tankstellen-Pächterin aus Lichtenfels berichtet von unschönen Erlebnissen mit Kunden
  • Pächterin setzen wütende Reaktionen zu - "das ist deprimierend"
  • Tankstelle im Kreis Bamberg: Mitarbeiterin erklärt - so ist die Situation dort

Die Spritpreise in Deutschland haben infolge des Ukraine-Kriegs bislang ungeahnte Dimensionen erreicht. Täglich gibt es neue Rekordmeldungen. Die horrenden Preise für Benzin und Diesel setzen jedoch nicht nur den Autofahrern zu. Auch für Tankstellen-Beschäftigte ist die aktuelle Situation alles andere als angenehm. Viele Angestellte bekommen derzeit den Zorn der wütenden Kundschaft unmittelbar zu spüren. "Es macht wirklich keinen Spaß mehr, 300 Mal am Tag dieselben Sprüche zu hören oder nur noch beleidigt, beschimpft und angemault zu werden", erklärt Melanie Pförtsch von der Walther-Tankstelle in Lichtenfels in einem emotionalen Facebook-Post. Im Gespräch mit inFranken.de berichtet die langjährige Pächterin von teils unfassbaren Reaktionen auf Kundenseite. 

"So was habe ich noch nie erlebt": Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin leidet unter wütender Kundschaft 

"Ich bin jetzt seit 20 Jahren im Tankstellen-Geschäft und seit acht Jahren selbstständig", sagt Pförtsch. "Aber so was wie jetzt habe ich noch nie erlebt." Sie als Pächterin habe "absolut keinen Einfluss" auf die aktuellen Preise an ihrer Tankstelle, betont sie. Sie selbst bekomme keine Informationen darüber, wie hoch die Spritpreise noch steigen werden. "Wir bekommen immer den gleichen Cent-Betrag pro verkauften Liter", erklärt die Betreiberin inFranken.de. Sie und ihre sieben Angestellten (davon sechs 450-Euro-Kräfte) lebten vom Umsatz und nicht von den Preisen. Im Klartext: "Je günstiger der Sprit, desto mehr wird getankt. Und um so mehr bleibt auch bei uns hängen." Diese Preispolitik verständen jedoch nicht viele, bedauert Pförtsch. "Wir sind das schwächste Glied in der Kette. Aber wir sind vor Ort, wir sind das Druckventil." Dem Staat schreibe dagegen niemand eine E-Mail. 

Obwohl Pförtsch und ihr Team nicht im Geringsten etwas für die gegenwärtige Situation könnten, ließen viele Tankstellen-Kunden ihren Unmut und Ärger an ihnen aus. "Manche denken vielleicht, wir haben einen Knopf, mit dem wir die Preise selbst nach Belieben steuern können." Dabei müsse sie selbst beim Tanken genauso viel wie alle anderen zahlen. Die Lichtenfelser Tankstellen-Pächterin schildert gleich mehrere unschöne Erlebnisse mit unzufriedenen Autofahrern. "Manche reißen einfach die Tür auf und brüllen: 'Seid ihr bescheuert?!'", erzählt Pförtsch. Andere wiederum fragten die Tankstellen-Mitarbeiter, warum diese keine Kleider oder Anzüge trügen. "Wo wir doch jetzt Luxusgüter verkaufen." Pförtsch und ihre Mitstreiter müssen demnach im Augenblick einiges einstecken. "Da sind teilweise richtig dumme Sprüche dabei", hält die Pächterin fest. Was man ganz oft höre, sei etwa die Frage nach einem Taschentuch. "Damit sich die Kunden ihre Tränen wegwischen können."

Manche Autofahrer lehnten zudem eine Quittung ab. "Sie sagen dann: 'Nein, das Elend will ich mir nicht länger anschauen'", berichtet Pförtsch. Ein anderer Fahrer habe wiederum gefragt, ob er gerade Champagner oder Benzin getankt habe. Auch wenn die Sprüche der Kundschaft vermeintlich harmlos daherkommen, an den Tankstellen-Angestellten gehen sie keineswegs spurlos vorbei. "Das ist irgendwann einfach nicht mehr lustig. Bei der Schichtübergabe gibt es momentan gar kein anderes Thema mehr", sagt die Chefin der Walther-Tankstelle. Selbst am Feierabend ließen sie ihre negativen Erlebnisse nicht los. "Das ist deprimierend." Das Gejammere und Gemaule von außen gehe über kurz oder lang an die Substanz. Die ungewisse betriebliche Zukunft erschwere die Lage zusätzlich. "Was passiert, wenn der Spritpreis auf drei Euro hochgeht?", gibt Pförtsch zu bedenken. "Zu diesen Existenzängsten kommt jetzt auch noch die Wut der Kunden hinzu." 

Situation an Tankstelle in Breitengüßbach deutlich entspannter - "ab und zu schimpft mal ein Kunde"

Im Vergleich zur Lichtenfelser Walther-Tankstelle ist die Situation in der Freien Tankstelle Anton Großkopf in Breitengüßbach (Landkreis Bamberg) vergleichsweise entspannt. "Ab und zu schimpft mal ein Kunde", berichtet Margit Großkopf. Alles in allem sei der Familienbetrieb bislang jedoch von wütenden Reaktionen infolge der hohen Spritpreise verschont geblieben. "Wir hoffen, das bleibt auch so", betont Großkopf. "Toi, toi, toi!" Augenzwinkernd ergänzt sie: "Falls es doch einmal vorkommen sollte, sperren wir unsere Tankstelle schnell zu."

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