Es ist ein lauer Sommerabend, langsam dämmert es. Rund 100 Gäste sitzen auf einem leeren Grundstück mitten im Bamberger Gärtnerviertel und plaudern munter. Dann wird es leise und ein Film wird auf die große Leinwand geworfen, doch kein Ton ist zu hören. Stattdessen ziehen die Besucher Funk-Kopfhörer über ihre Ohren, denn beim Silent-Open-Air-Kino bekommt jeder ganz individuell seinen Ton auf die Ohren.

Es ist der zweite Kinoabend aus der Silent-Open-Air-Reihe von Odeon, Lichtspielkino und der IG Aktive Mitte. Heute soll der neue Film "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" ausgestrahlt werden. Noch ist der Platz in der Färbergasse fast leer und die Veranstalter wuseln über das rund 4000 Quadratmeter große Feld. "In eineinhalb Wochen um die Zeit werden hier schon die Bauarbeiten für einen Spielplatz begonnen haben, aber solange nutzen wir das Gelände noch fürs Kino", sagt Diana Linz, Geschäftsführerin von Lichtspiel und Odeon.

Dass es überhaupt zu einem solchen Projekt kam, sei eine Gemeinschaftsidee von ihr und Sandra Trunk von der Aktiven Mitte gewesen. "Unsere Büros sind direkt nebeneinander und in einer gemeinsamen Mittagspause kam uns dann die Idee, den Hinterhof des Odeons vielleicht mal für so ein stilles Open-Air-Kino zu nutzen", erzählt Linz. Aufgrund der Corona-Krise gewann die Idee schnell an Form und mit Unterstützung der Sparkasse Bamberg wurden schließlich 99 Funkkopfhörer angeschafft. "Jetzt können wir solche Projekte auch mal nach Corona machen, das Equipment haben wir jetzt ja", sagt Linz.

Alle helfen zusammen

Sandra Trunk ist bei der Aktiven Mitte für das Straßenmanagement, also unter anderem für kulturelle Veranstaltungen, verantwortlich. Auch sie freut sich, dass das Projekt so schnell in die Tat umgesetzt werden konnte: "Das hätte nicht geklappt, wenn da mehr Widerstand von den Anwohnern oder der Stadt gekommen wäre, aber alle haben an einem Strang gezogen."

Rund eineinhalb Stunden nach dem Einlass um 20 Uhr wird es langsam dunkel und die letzten Kinogäste nehmen ihre Plätze in Form von Strandliegen für die vorderen oder Gartenstühle für die hinteren Reihen ein. Unter ihnen sind auch Marlene und Arber, die erst spontan auf das Kinoprojekt aufmerksam wurden. "Erst heute früh habe ich davon gehört und direkt zwei Karten für uns reserviert, ich bin echt gespannt", sagt Marlene.

Auch Studentin Hannah ist neugierig auf das, was sie erwartet. "Normalerweise hat man im Kino ja ein Gemeinschaftserlebnis, ich bin gespannt, ob das mit den Kopfhörern und Outdoor dann noch genauso ist", sagt sie. Dann wird es still und einer der Helfer erklärt, wie man die Kopfhörer einstellen kann. Und schon geht es los - mit etwas Werbung, Filmtrailern und schließlich dem Hauptfilm.

Während des Films ist es tatsächlich still, hin und wieder gibt es eine kollektive Reaktion auf eine Szene und Lachen oder Murmeln erfüllen den Hof. Trotz ernster Thematik gelingt es dem Streifen, dem Publikum einige Lacher abzuringen. Meistens bleibt es allerdings ruhig, so dass die Anwohner nicht gestört werden.

Bequemere Stühle

Schließlich endet der Film und die Zuschauer geben ihre Kopfhörer wieder am Ausgang ab. "Ich bin positiv überrascht vom Film, aber auch vom Kinoerlebnis allgemein, die Stühle zum Beispiel waren bequemer als erwartet", erzählt Kinogast Alena. Und auch der Kulmbacher Heiko ist zufrieden: "Es ist natürlich gerade eine harte Zeit aber auch gleichzeitig sehr spannend, dass solche Ideen wie dieses Kino so ganz schnell auf die Beine gestellt werden, wirklich toll."

Auch Hannah zieht ein positives Fazit. "Nach meinem Geschmack hätte das Bild noch ein bisschen größer sein können, aber die Kopfhörer haben super funktioniert und trotzdem hat man noch die Reaktionen der anderen mitbekommen und die Gemeinschaft gespürt", sagt die Studentin. Das Pilotprojekt Silent-Open-Air Kino scheint also gut anzukommen. Eine Fortsetzung der Reihe, dann auf einem anderen Grundstück, schließen die Veranstalter nicht aus.

Weitere Termine und Filme

Donnerstag, 23. Juli: Enkel für Anfänger

Freitag, 24. Juli: Besser Welt als nie

Samstag, 25. Juli: Bamberger Gärtnerfilmabend: Kurzfilme zur Bamberger Gärtnerkultur "Nicht nur Süßholzraspler und Zwiebeltreter - Gelebte Gärtnertradition im Welterbe Bamberg" und "Ernten was man sät"

Sonntag, 26. Juli: Jokertag für eventuell verregnete Vorstellung (Tel. 0951/26785)

Weitere Infos gibt es hier.