Wie wird der neue Bamberger Osten dereinst aussehen? Wie kann es gelingen, den neuen Stadtteil mit seinem qualitativ hochwertigen Altbestand an Häusern und dem heute schon bemerkenswerten Anteil an Grünflächen so abzurunden, dass Bamberg seine ehrgeizigen Ziele erreichen kann, auf 75.000 Einwohner zu wachsen? Antwort auf diese Fragen soll schon bald durch die Einbindung international renommierter Planerbüros gegeben werden.

Den Weg dorthin hat der Stadtrat gegen die Stimmen der GAL beschlossen. Ein so genanntes Gutachterverfahren soll die Grundlage für Bambergs Zukunftspläne liefern. Warum lehnten die Grünen ab, die stets lautstark für eine Internationale Bauaustellung plädiert hatten: Sie wollten mit ihrer Zustimmung keinen Blankoscheck für die Überplanung des Muna-Geländes erteilen. Auf diesem Areal hofft die Stadtspitze mehrere größere Gewerbegebiete etablieren zu können, ein Vorhaben, das bei Naturschützern und anderen auf Ablehnung stößt.

Für Bamberg ist ein Gutachterverfahren, wie es der Planer des städtebaulichen Entwicklungskonzepts Kunibert Wachten, vorgeschlagen hat, neu. Es unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Architektenwettbewerb laut Stadt dadurch, dass sechs konversionserfahrene Wettbewerbsteams gleichzeitig beauftragt werden, um in Planerteams quartiersbezogene Vorstellungen zu den Disziplinen Architektur, Städtebau, Landschaftsarchitektur, Mobilität, Immobilienwirtschaft und Verkehr zu entwickeln.

Anregungen der Bürger

Neu ist auch, dass der Bürgerbeteiligungsprozess im Gutachterverfahren dadurch seine Fortsetzung finden soll, dass die Planerteams in offenen Werkstätten möglichst bereits im September die Anregungen der Bürger einholen und berücksichtigen sollen. Wachten und der Stadtrat hoffen damit, für die Konversionsflächen die stadtgesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen, die angesichts ihrer Dimensionen und auch der unvermeidlichen Konflikte als notwendig gilt.

In der Diskussion im Stadtrat wurde die Idee eines "kooperativen Gutachterverfahrens" allgemein als sehr gut beurteilt, auch wenn damit hohe Kosten von rund 450.000 Euro verbunden sind. Zum Vergleich: Für den landschaftsplanerischen Wettbewerb der Landesgartenschau wandte die Stadt Bamberg nur 205.000 Euro auf.
CSU-Stadtrat Peter Neller lobte den Ansatz des Planers, die renommiertesten Büros nach Bamberg zu holen. "Die besten Planer sind gerade gut genug", sagte Neller. Klaus Stieringer (SPD) verknüpfte mit dem Ja der SPD die Hoffnung, dass es nach den Enttäuschungen bei der Entwicklung des Maxplatzes, der Unteren Mühlen oder auch der Citypassage nun endlich gelingt, ein akzeptiertes und vor allem auch schnelles Verfahren in Gang zu setzen.

"Wenn wir mit der gleichen Geschwindigkeit arbeiten wie bei der Citypassage, dann werden unsere Nachfolger noch 2300 mit der Konversion beschäftigt sein."

Wie wichtig der nun beginnende Planungsprozess ist, machte in Ansätzen Harald Lang vom Konversionsamt der Stadt deutlich. Denn auf der Basis des Gutachterergebnisses sollen insbesondere der Businessplan und ein "Ankaufplan" der Stadt Bamberg an die Bundesrepublik erstellt werden. Dieser Plan, der möglicherweise bereits Ende 2014 vorliegen soll, wiederum ist die Grundlage für eine dann folgende Wertermittlung der Grundstücke und Liegenschaften auf dem US-Gelände.

Unbestätigten Aussagen zufolge besitzt der Immobilienbestand der US-Kaserne einen sehr hohen Wert, selbst die Summe von einer Milliarde Euro wurde in Expertenkreisen bereits genannt. Doch freilich ist es vor allem die zukünftige Nutzung, die über den Wert des 450 Hektar großen Areals entscheidet - und die wird durch die Stadt Bamberg festgelegt.

Es steht viel auf dem Spiel

Da die Stadt bekanntlich den Plan verfolgt, das ehemalige Militärgelände zur Gänze zu übernehmen, hängt vom Ergebnis des Gutachterverfahrens und letztlich des Übernahmeplans sehr viel ab, unter anderem auch die Zukunft der nun bereits leer stehenden 2300 Wohneinheiten auf dem Kasernengelände. Denn anders als allgemein angenommen wird, bedarf es gar keines Abrissbeschlusses durch den Stadtrat, um das Schicksal der Häuser zu besiegeln. Es reicht schon, zuzuwarten und kein Geld für den Unterhalt der Häuser in die Hand zu nehmen.

Zwar hängen die umstrittenen Wohnungen an der Pödeldorfer Straße derzeit noch am Netz. Doch schon sehr bald, möglicherweise bereits im Herbst, spätestens aber zum Winter 2015/2016 könnte sich die Frage stellen, wer die hohen Kosten für Heizung, Wasser und Strom bezahlt, in der Stadt wird immerhin die Zahl von 2,5 Millionen Euro im Jahr genannt. - Geschieht nichts, was Kritiker befürchten, dann stünde der Wert vieler Wohnungen bald nur noch auf dem Papier. Denn ist erst einmal das Leitungsnetz beschädigt, dann kann man wohl davon ausgehen, dass die Übernahmekosten rapide ansteigen und Investoren dankend ablehnen würden. Dann bliebe am Ende tatsächlich nur der Abriss ...