Der einzige verkaufsoffene Sonntag steht seit einer Aufsichtsbeschwerde der Gewerkschaft Verdi bei der Regierung von Oberfranken auf der Kippe. Die Stadt will aber die Sonntagsladenöffnung unbedingt erhalten und fasst jetzt einen neuen Termin ins Auge.

Wie Sozialreferent Ralf Haupt am Mittwoch auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, will die Verwaltung dem Stadtrat für die Sitzung am 26. Juli einen Beschlussvorschlag unterbreiten, der den verkaufsoffenen Sonntag für das Blues- und Jazzfestival, erstmals bereits am 12. August, vorsieht.
Die Verordnung dazu soll enger gefasst werden als bisher: Da laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2015 nur diejenigen Geschäfte an einem Sonntag öffnen dürfen, die einen direkten örtlichen Bezug zur Veranstaltung haben, soll das Verkaufsgebiet begrenzt werden. Der genaue Rahmen dieses Gebiets muss laut Haupt aber noch abgesteckt werden.


Kein Beleg für Besucherresonanz

"Im Gegenzug wird die weitergehende Verordnung aufgehoben", erklärt der Sozialreferent. Diese Verordnung hatte bisher vorgesehen, sämtliche Läden in der Innenstadt während des Herbstmarktes offen zu halten. Der Markt findet immer im Oktober auf dem Maxplatz statt. Aus Sicht der "Allianz für den freien Sonntag" war die alte Verordnung rechtlich nicht in Ordnung.
Bemängelt hatte die Allianz, dass der Beleg für eine überregionale Veranstaltung mit so großer Besucherresonanz fehle, die eine Ladenöffnung am Sonntag rechtfertige. Prognosen über den Besucherstrom lägen nicht vor, auch fehle der Nachweis, dass der Herbstmarkt und nicht der verkaufsoffene Sonntag im Vordergrund stehe.


Fast 20 000 Besucher

Dem widerspricht allerdings der Vorsitzende der Bamberger Marktkaufleute und Schausteller, Georg Fischer. Einem Schreiben Fischers an die Redaktion ist zu entnehmen, dass eine Zählung am Herbstmarkt vom 14. bis 28. Oktober 2017 ein Aufkommen von fast 20 000 Besuchern auf dem Maxplatz ergeben habe. "Was beweist, dass deutlich mehr Besucher den Bamberger Herbstmarkt besuchten, als den verkaufsoffenen Sonntag". Seit Anfang an habe die Veranstaltung im Vordergrund der Werbung sowie der Besucherakzeptanz gestanden.

Doch scheint auch aus Sicht der Stadt der Besucherstrom nicht auszureichen, um einen verkaufsoffenen Sonntag zu rechtfertigen. Dem Blues- und Jazzfestival wird eine größere Anziehungskraft zugesprochen als dem traditionellen Herbstmarkt, der laut Fischer eine über 100 Jahre alte Versorgungsfunktion für die Stadt Bamberg und den Landkreis darstellt.

In dem Brief an die Redaktion äußert sich Fischer "mit großer Sorge", wenn der verkaufsoffene Sonntag zum Herbstmarkt tatsächlich abgeschafft werden sollte. Schließlich sei der zu Beginn der Veranstaltung stattfindende Sonntagsverkauf ein wichtiger Bestandteil für den Markt und dessen Umsatzentwicklung. "Ein Verlust des verkaufsoffenen Sonntags am Herbstmarkt ist der Tod der Veranstaltung", warnt Fischer.


Minimum für Allianz

Die Lösung mit dem Blues- und Jazzfestival hat die Verwaltung auch mit Vertretern von Verdi, der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) und des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) besprochen.

"Generell ist unsere Position klar: Wir sind gegen jegliche Form von verkaufsoffenen Sonntagen", sagt Ralph Korschinsky, Sprecher der "Allianz für den freien Sonntag" und KAB-Geschäftsführer, zum neuen Termin. Das Minimum dessen, was der Allianz wichtig sei, sei aber die Einhaltung des rechtlichen Rahmens, der durch das Bundesverwaltungsgericht vorgegeben wurde. Diesen Rahmen sieht die Allianz offenkundig beim Vorschlag der Stadt eingehalten.

Ob der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung zustimmen wird, wird sich in der Sitzung Ende Juli zeigen.