Der Andrang bei der ersten Klimasondersitzung eines bayerischen Stadtrates am Dienstag in Bamberg war hoch. So hoch, dass in der Lobby der Konzerthalle eine Live-Übertragung für 20 Interessierte eingerichtet wurde, die keinen der 50 Zuschauerplätze im Sitzungssaal mehr ergattern konnten. Hoch waren auch die Erwartungen derjenigen, die sich teils seit vielen Jahren für Klimaschutz einsetzen, freitags für ihre Zukunft auf die Straße gehen oder in Zelten vor dem Rathaus am Maxplatz campieren.

Zu Beginn der Sitzung kamen drei von ihnen zu Wort. Alle Fraktionen dankten den Aktiven, auf deren Druck die Sitzung letztendlich zustande kam. Alle Parteien betonten die Wichtigkeit des Klimaschutzes. Selbst Daniela Reinfelder (BuB) - die allerdings den Einzelnen und nicht die Kommune in der Verantwortung sieht. Sie fragte, ob nicht derzeit eine Wirtschaftssondersitzung wichtiger wäre und stimmte gegen jeden Beschlussvorschlag. Doch trotz der Widerständen auch von anderen Räten des bürgerlich-liberalen Lagers wurde letztlich eine Reihe von Maßnahmen mit meist großer Mehrheit beschlossen.

Aber wie bewerten die Klimaschützer die Ergebnisse? "Ein Anfang ist gemacht", bilanziert Erich Spranger vom Bund Naturschutz Bamberg. Er wünscht sich jedoch bald konkretere Beschlüsse. Er werde genau beobachten, wie sich der Stadtrat weiter positioniert. Riccardo Schreck vom Bamberger Klimaschutzbündnis bezeichnet die Beschlüsse als wichtigen ersten Schritt mit Symbolkraft. "Ob es bei Lippenbekenntnissen bleibt oder Klimaschutz daraus wird, zeigt sich in den Fachsenaten." Denn die werden letztlich über konkrete Maßnahmen entscheiden.

Positiv überrascht sei Schreck von der Unterstützung von ungewohnter Seite gewesen. So hat etwa Ursula Redler (BA) beim Beschluss zu Photovoltaik-Anlagen den Zusatz initiiert, dass die Verwaltung nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Bestandsgebäuden auf die Anbringung von Photovoltaik-Anlagen "hinwirken" soll. Lieber wäre Schreck zwar eine Verpflichtung gewesen, wie sie Grünen-Stadtrat Andreas Eichenseher in der Sitzung forderte. Dafür gab es aber keine Mehrheit.

Ein Grund für Skepsis - nicht nur bei Schreck - ist die Tatsache, dass der Stadtrat bereits vor zehn Jahren eine -Bilanz beschlossen hatte. Durchgeführt wurde diese nur ein einziges Mal. Auch findet Schreck es enttäuschend, dass manche, die sich zuvor mit großen Worten zum Klimaschutz bekannten, alles in Frage stellten, sobald es um kleinste Geldbeträge ging. Etwa um die Frage, ob ein Klimaschutzmanager nach der geförderten Zeit von zwei Jahren weiterbeschäftigt werden könne - was etwa 3500 Euro im Monat kosten würde. Oder die Diskussion darüber, ob die ohnehin bereits für heuer eingeplanten 20 000 Euro für eine -Bilanz, die coronabedingt gesperrt wurden, in den Haushalt 2021 einfließen sollen. Dabei sei die Bilanz Voraussetzung für zielgerichtete Maßnahmen. Stephan Kettner (BaLi) und Hans-Günter Brünker (Volt) setzten sich mit Unterstützung von Fabian Dörner (Die Partei) und einzelnen Grünen dafür ein, die Mittel sofort freizugeben - was keine Mehrheit fand.

Auch die 17-jährige Lotta Fröhlich zeigte sich ob dieser Diskussionen skeptisch. Zunächst war sie optimistisch, weil die Räte bekräftigten, mehr für den Klimaschutz unternehmen zu wollen. Doch durch den Streit um kleine Beträge und um Formulierungen wie "Klimakrise" oder "Klimanotstand" werde nur politischer Unwille kaschiert, meint die bei Fridays for Future aktive Schülerin.

In ihrer Sitzungsrede wies Fröhlich auf wissenschaftlich belegte Kipppunkte hin, die sich - einmal erreicht - nicht mehr rückgängig machen ließen. Die Schülerin führte aus, wie viel Angst sie sich um ihre Zukunft mache, ob der immer häufiger werdenden Nachrichten über schmelzendes Eis, Überschwemmungen, Dürren und Hitzewellen. Seit Jahrzehnten weise die Wissenschaft auf die Gefahren und auch Kosten der Klimakrise hin, geschehen sei kaum etwas. Mittlerweile sind die Auswirkungen auch in der Welterbestadt deutlich zu spüren, etwa das Absterben vieler Bäume im Hain.

Die drastischsten Auswirkungen würde der Großteil der Räte wie auch er selbst wohl nicht mehr erleben, sagte dazu Volt-Stadtrat Brünker. Mit der "Aufgabe des Jahrhunderts", der Eindämmung des Klimawandels, habe man aber eine Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen - wie der von Fröhlich. Die freut sich zumindest, dass sie mit ihrem Engagement etwas bewirken konnte. Die Schülerin wolle weiter auf die Straße gehen, bis konkrete Handlungen folgen. Und die Entwicklung im Stadtrat beobachten.

Dabei hilft ihr der Antrag von Partei-Stadtrat Dörner auf namentliche Abstimmung, den er auch bei weiteren Sitzungen fordern will. Auf der Homepage der Stadt können Interessierte so nun auch das Abstimmungsverhalten bei der Klimasondersitzung einsehen. Dörner ist noch skeptischer als die Klimaschutzaktiven: Er glaubt nicht, dass aus den "schwammigen Formulierungen und Lippenbekenntnissen" auch Taten folgen. Besonders stört auch er sich an der Diskussion "um die lächerliche Summe" von 20 000 Euro für die -Bilanz. Er schlug vor, selbst 500 Euro zu spenden - wenn der Rest des Stadtrates sich anschließt.