Vierzig Kleinplastiken des Berganza-Preisträgers Adelbert Heil sind noch bis zum 22. Juli im Kunstraum Kesselhaus am Leinritt zu sehen. Die Ausstellung wurde jetzt von der Kunstvereinsvorsitzenden Barbara Kahle im Beisein von über 150 Gästen eröffnet.
Das klingt nüchtern und unspektakulär. Denn noch immer müssen Künstler zuerst durch Ausstellungen auf ihre Arbeit aufmerksam machen. Und doch ist Adelbert Heils Werkschau weit mehr als wieder nur eine profane Kunstausstellung. Ein ganz erstaunlicher Kosmos von Ideen und ihren Realisationen begegnet dem Besucher in dieser Ausstellung. Man kann sich als Publikum daruntermischen, mit seinen Gedanken und Assoziationen einmischen und am Ende zu neuen Welt davon treiben oder einfach nur zu sich selbst führen lassen.
Barbara Kahle, die selbst ja auch immer wieder als Ausstellungskuratorin agiert und sich dabei gerne Skulptur und Plastik angelegen sein lässt, erklärte in ihrer kurzen Laudatio auf Adelbert Heil, dass es die klassische, figurative Skulptur nicht erst heutigentags schwer habe, ihren Platz im öffentlichen Raum, aber auch in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu finden. Noch viel mehr gelte dies für die Kleinplastik, wie sie das Metier Adelbert Heils sei.


Urschöpfungen der Menschheit

Viele kunstinteressierte Menschen assoziierten zum Begriff Kleinplastik doch ganz schnell Wohndekor, Nippes oder redundantes Beiwerk. Aber Vorsicht, so Kahle: "Kleine Kunstwerke sind nicht automatisch hübsch und harmlos. Ein Niedlichkeitsfaktor wird der Kleinplastik zwar gerne angehängt, aber bei genauerem Hinsehen tun sich da oft genug auch Abgründe und Abstürze auf". Kleinplastiken gehören zu den Urschöpfungen der Menschheit, verdeutlichte Kahle schließlich den Zusammenhang dieser bisweilen als schmückendes Beiwerk abgetanen Schöpfungen mit der Geschichte menschlicher Kulturleistungen.
Archetypen erschaffe der Bildhauer Adelbert Heil auch im 21. Jahrhundert immer wieder neu. Dieser Ideenreichtum, diese Schöpferkraft, so die Erkenntnis der Kunsthistorikerin wie der Vernissage-Gäste, mache Heils Kleinplastiken zu ganz großen Würfen. Tatsächlich erlauben seine gusseiserne Figurengruppen und Statuetten Einblicke in einen anderen Kosmos. Ein Kosmos ist das, in dem der Künstler zum Beispiel die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzt. Konkrete Alltagssituationen werden surreal überdreht, Begriffe der Alltagssprache werden ernst genommen und entblößen so nicht nur ihren wahren Kern, sondern auch den baren Unsinn oder den grotesken Widersinn, der oft genug darin versteckt ist.


Mehr als ein Hingucker

Diese Ausstellung im Kunstraum Kesselhaus ist demnach nicht nur ein Hingucker, weil es erstaunen mag, was Adelbert Heil mit seinen "heilenden" Künstlerhänden alles aus plumpem Eisenerz herausholt und in Kunst verwandelt. Es ist eine Ausstellung, die mit jedem Werk den Betrachter zu sich selbst führen kann. Und schließlich ist diese Werkschau ein Schule der gusseisernen Philosophen, die den Kern ihrer Weisheitslehren in konkreten Bildern vor aller Augen vollendet haben. Weil das aber den Kunstschöpfungen von Adelbert Heil so mühelos und unwiderstehlich gelingt, deshalb sind seine Kleinplastiken ganz große Kunst. Alle Sinne der Betrachter werden angesprochen. Weshalb die Botschaft, erkenne Dich selbst, auch verfängt.