Big Data, Datenjournalismus - diese Begriffe hört und liest man oft in diesen Tagen, wenn es um modernen Journalismus geht. An groß angelegten, international renommierten Projekten, wie etwa des "Guardian" aus Großbritannien, mangelt es nicht. Gelingt solch ein Projekt aus eigener Kraft und ohne bestehende Datenmengen?

Diese Fragen stellten sich die Mediengruppe Oberfranken und die Bamberger Kommunikationswissenschaft, als 2013 die ersten Ideen für ein gemeinsames datenjournalistisches Experiment gewälzt wurden. Vieles wurde erwogen, vieles wieder verworfen. Schließlich entschied man sich für ein Projekt, das die realen Umstände in Frankens Mobilfunknetzen abbilden soll: die Funklochjäger.

Funklochjäger Ein Projekt zum Mitmachen
Wichtig dabei: Die

Nutzer selbst tragen die Daten zusammen, die dann journalistisch ausgewertet werden. "Partizipativer Journalismus" nennt sich das im Fachjargon. Die Nutzer ernst nehmen und ins Zentrum stellen ist hierbei der Ansatz.

Diese Form des Datenjournalismus ist ein recht ungewöhnlicher Ansatz, wie auch Dr. André Haller vom Institut für Kommunikationswissenschaft in Bamberg bestätigen kann: Lokaljournalismus, der aus eigener Anstrengung zunächst Daten erhebt, ohne auf vorhandene zurückzugreifen, um sie dann für den Leser auszuwerten, ist dem Wissenschaftler auf Konferenzen in Dresden, London und Thessaloniki nicht begegnet. Entsprechend interessiert waren Besucher dieser Tagungen am "Funklochjäger"-Projekt. Auch bei Bamberger Studenten stößt lokaler Datenjournalismus auf Interesse, berichtet Holger Müller, der bereits im Wintersemester in einer Übung die Funklochjäger-Anwendung einem Praxistest hat unterziehen lassen.

Die Kommunikationswissenschaftler, die sich theoretisch mit Datenjournalismus beschäftigen, waren gespannt auf die praktischen Erfahrungen, die Medienhaus und Universität nun sammeln. Für Professor Markus Behmer war darüber hinaus interessant, wie das Thema in der Zeitungsredaktion aufgenommen werden würde. Sowohl von der Akzeptanz unter Nutzern wie auch bei den Lokalredaktionen ist er positiv angetan.

Viele rote Punkte: Hier ist in Franken die Mobilfunkabdeckung schlecht
Beim Besuch in seinem Büro beugen sich die drei Wissenschaftler über eine interaktive Karte und betrachten die bisher gesammelten Ergebnisse.
 

 


Neben den thematischen Anregungen für die Redaktionen ergibt sich langsam ein Bild von der tatsächlichen Lage im fränkischen Mobilfunk. Bei der Draufsicht erkennt man bereits auf den ersten Blick einige Ortschaften, in denen der Schuh offenbar besonders drückt.

Für die größeren Städte muss man schon genauer hinsehen, hier offenbart erst ein Drehen am Scrollrad, in welchen Straßen die Nutzer besonders gut oder besonders schlecht mobil surfen und telefonieren. Je mehr Nutzer die Funkqualität an ihrem Standort melden, desto zuverlässiger und dichter wird das Informationsnetz.

 




Doch das ist nur eine Ebene der Auswertung. Holger Müller, der zum Thema Datenjournalismus promoviert, erhofft sich etwa von dem Projekt auch Auskunft darüber, wer die Nutzer sind und warum sie teilnehmen.

 

 


Gratwanderung Datenschutz
Datenjournalismus sei oft eine Gratwanderung in Sachen Datenschutz, wie Professor Behmer anmerkt, doch da sei der lokale Ansatz ein Vorteil: Die Nutzer können sich bei einer vertrauenswürdigen, lokalen Instanz melden: "Zur Not geht man eben persönlich ins Verlagshaus in der Gutenbergstraße", bringt es Behmer auf den Punkt.

Was das Projekt in Zukunft noch zu Tage fördert, haben die Nutzer mit in der Hand - Ideen gibt es in Redaktion und Universität viele. So wäre denkbar, die gemeldeten Daten mit den offiziellen Abdeckungskarten der Anbieter zu vergleichen und diese dann kritisch zu hinterfragen. Auch weitere Projekte neben dem Mobilfunk, mit denen sich Franken für die Nutzer kartographieren lässt, sind im Gespräch.
In den nächsten Monaten dürfen die Leser also noch viele Texte und visuelle Umsetzungen dieses Themas erwarten.