Wer in Indien ein fränkisches Kellerbier bestellt, wird entweder einen verständnislosen Blick ernten oder vielleicht ein Seidla "St. Erhard" kredenzt bekommen. Unter diesem Namen vertreiben der Bamberger Christian Klemenz und seine drei Mitstreiter nämlich seit einem guten Jahr ihren Gerstensaft auf dem Subkontinent.

Damit haben sie offensichtlich das Interesse indischer Wirtschaftsvertreter geweckt, denn 25 von ihnen besuchten vor Kurzem gemeinsam mit dem deutschen Botschafter in Delhi, Michael Steiner, das Startup-Unternehmen im Bamberger Innovations- und Gründerzentrum (IGZ). Die Deutsch-Indische Handelskammer - immerhin die größte Außenhandelskammer der Welt - hatte sich bei ihrem diesjährigen Deutschland-Besuch die Bamberger als Zwischenstopp auf der Reise zu einem Termin mit Angela Merkel und Peer Steinbrück in Berlin genommen, heißt es in einer Pressemitteilung.

"Einen Botschafter hatte ich noch nie in meiner Brauerei", berichtet Braumeister Georg Rittmayer aus Hallerndorf. Bei ihm wird das Kellerbier für Indien gebraut, und deswegen bekam er ebenfalls Besuch von der Wirtschaftsdelegation.

Zum ersten Mal in einer Brauerei

Für viele der Inder war es die erste Brauereibesichtigung in ihrem Leben, viele hatten auch zum ersten Mal die Rohstoffe - Hopfen und Malz - in der Hand, unter der Nase oder im Mund.

Ein besonderes Highlight war der Besuch für Botschafter Michael Steiner sogar in zweierlei Hinsicht. Einerseits hat er bereits für sein jährliches "Oktoberfest" auf dem Botschaftsgelände in Delhi das St.-Erhard-Bier geordert, andererseits trinkt er seit vielen Jahren keinen Alkohol. Dem Bier von Georg Rittmayer konnte er allerdings nicht widerstehen und gestand: "Das ist mein erstes Bier seit mehr als sieben Jahren, und es hat richtig gut geschmeckt."

Und so verabschiedeten Klemenz und Rittmayer nach insgesamt fünf Stunden die indische Delegation nach Berlin. Zurück blieben auf beiden Seite viele Eindrücke und zwei Päckchen erlesenen indischen Tees, die der Präsident der Handelskammer als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Die Gäste wiederum verließen Franken ausgestattet mit je einem Bierkrug, einem Holzbierdeckel und einer Flasche Hallerndorfer Jahrgangsbier, mit dem sie demnächst nochmal auf ihren ersten Brauereibesuch anstoßen wollen.