Der Mann, der am frühen Nachmittag den Feuerwehrposten umfahren und zu einer Werkstatt in der Mittelgrundstraße möchte, hat Pech. Die Werkstatt ist zerstört, hier tropft nur noch ein ausgebrannter Wagen auf der Hebebühne vor sich hin. Auch in die Mittelgrundstraße, eine Stichstraße, kommt er nicht. Rettungsfahrzeuge bestimmen die Szene. Der Familie, die in wenigen Minuten ihre gesamte Habe und ihr Heim verloren hat, soll es gut gehen. Körperlich, wie die Sanitäter auf Nachfrage erklären. Von den leichten Rauchgasverletzungen abgesehen.

Laut Kreisbrandinspektor (KBI) Friedrich Riemer sind 150 Rettungskräfte von 13 Feuerwehren nach der Alarmierung in den Priesendorfer Gemeindeteil gekommen. Riemer leitet den Einsatz. Unaufgeregt, routiniert, effizient. Für die Polizeiinspektion Bamberg-Land ist Markus Wirth das Pendent, also Einsatzleiter. Es handle sich hier um den ersten großen Wohnhausbrand heuer im Landkreis, resümiert Wirth. Der Notruf ging um 11.45 Uhr in der Integrierten Leitstelle ein.

Da hat Melanie Wrobel noch geschlafen. "Nachtschicht", lautet ihre Erklärung. Doch von Sirenen wurde sie jäh aus dem Schlaf gerissen. Sie ist raus auf den Balkon und sah "riesige Rauschwaden". Die hat ihre Schwester Stefanie Nickel ebenfalls erblickt. Aber außerhalb des Orts und von der Straße aus. Weil sie ihre kleine Tochter Hanna von der Schule holte und auf dem Weg zu den Eltern war. Die wohnen in der Mittelgrundstraße, wo es innerhalb von kürzester Zeit von Einsatzfahrzeugen und Feuerwehrleuten wimmelt.

Besonders gefragt: Atemschutzgeräteträger. Jeweils in Zweier-Trupps gehen die im Hausinneren gegen Feuer und Glutnester vor. Für Brisanz sorgt das, was sich im Umfeld der Werkstatt befindet: Gasflaschen fürs Schweißen, Öltank, Batterien und zudem auch noch ein Holzlager in einem weiteren Nebengebäude. Ob das Wohnhaus nach dem Brand noch bewohnbar sein wird? Das möchte an der Stelle erst mal niemand beantworten.

Wie es im Polizeibericht später heißen wird, ist der Brand möglicherweise in der ans Haus angebauten Werkstatt ausgebrochen. Hier habe ein 46-jähriger Bewohner zu dieser Zeit Reparaturarbeiten an einem Fahrzeug ausgeführt. Dieses wurde ebenso zerstört wie weitere Gerätschaften. Der 46-Jährige und ein 72-Jähriger erlitten leichte Rauchvergiftungen, sie mussten medizinisch behandelt werden.

Als die Wehren anrückten, stand das Wohnhaus in Vollbrand. Flammen schlugen aus dem Dach, berichten Einsatzkräfte. Zu den genauen Brandursachen jedenfalls ist der Kriminaldauerdienst der Kriminalpolizei vor Ort, um Ermittlungen durchführen.

In der Zwischenzeit haben sich zu den zahlreichen Einsatzkräften immer mehr besorgte Einwohner des rund 280 Seelen zählenden Orts gesellt. So wie Melanie Wrobel und ihre Schwester. Sie fühlen mit der betroffenen Familie. Bürgermeisterin Maria Beck hat sich ebenfalls vor Ort informiert, ihr Mitgefühl ausgedrückt, sie will versuchen zu helfen. "Wir sind froh, dass wir so gute Feuerwehrleute haben." Die sind noch lange beschäftigt.