2017 bescherte Bamberg einen zweifelhaften Rekord: Die Stadt an der Regnitz führt die Bayern-Statistik bei der Kriminalitätsbelastung an. Doch was ist mit der Aufklärungsquote?Bamberg Es sind keine guten Zahlen. Sie zeigen, dass die Kriminalität in Bamberg seit 2015 rasant angestiegen ist. Sie sind aber auch erklärungsbedürftig. Das weiß die Bamberger Polizei, das wissen die Mitglieder des Sicherheitsbeirats. Zwei Mal im Jahr befasst sich dieses Gremium mit der Sicherheitslage in der Stadt. Um diese ist es so schlecht bestellt wie nie - das könnte man meinen, wenn man solche Zahlen liest. So wurden der Polizeistatistik zufolge im zurückliegenden Jahr knapp 7500 Straftaten in Bamberg registriert. Zum dritten Mal seit 2015 gab es eine Steigerung. Was für ein Sprengstoff in dieser Zahl steckt, zeigt der bayernweite Vergleich, für den die Sicherheitsbehörden die Zahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hochrechnen.

Aus dieser Formel ergibt sich die so genannte Häufigkeitsziffer für Straftaten. Sie lag 2017 in Bamberg bei 9807. Wer die Häufigkeitsziffern verschiedener Gebietskörperschaften in Bayern nebeneinander stellt, wird erstaunt feststellen, dass das von Großstädtern gerne als beschauliche Kleinstadt bezeichnete Bamberg bei der Kriminalitätsbelastung 2017 einen einsamen Spitzenplatz in Bayern einnimmt. Mit 9807 rechnerischen Straftaten lag Bamberg um über 1000 vor der zwei platzierten Stadt Regensburg mit 8617. Auch Nürnberg mit 8394 Straftaten hat Bamberg weit hinter sich gelassen, ganz zu schweigen von München, das mit 6201 Straftaten pro 100 000 Einwohnern im unteren Drittel liegt.


Keiner muss Angst haben

Trotz dieser Zahlen ist Thomas Schreiber, Chef der Polizei Bamberg-Stadt, weit davon entfernt, Bamberg als unsicheres Pflaster zu charakterisieren. "Ein normaler Bamberger muss in Bamberg nirgendwo und vor niemandem Angst haben", sagt Schreiber. Denn was die Statistik nicht zeigt: Die meisten Fälle von Kriminalität spielen sich außerhalb der Sphäre ab, in der sich die meisten Bürger bewegen. Positiv schlägt hier eher folgender Umstand zu Buche: In Bamberg schrumpfte die Zahl der Wohnungseinbrüche 2017 auf nur noch 19; gleichzeitig kletterte für alle Straftaten die Aufklärungsquote auf 70 Prozent.

Natürlich hat die gestiegene Kriminalität auch mit der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) zu tun. Das Flüchtlingslager hat die Polizei mit 700 Einsätzen auf Trab gehalten. Dort wurden auch 141 Rohheitsdelikte registriert. Doch im Vergleich relativiert sich das wieder. 16 000 Einsätze, mehr als je zuvor, nennt die Bamberger Polizei für das Gesamtjahr 2017 und 1173 Rohheitsdelikte. Die Zahl der Körperverletzungen kletterte ebenso wie die der gefährlichen Körperverletzungen. Noch einmal angestiegen auf 747 ist auch die Zahl der Ladendiebstähle. Bei rund der Hälfte der Fälle sind Zuwanderer die Tatverdächtigen.

Die hohe Kriminalitätsbelastung Bambergs hat auch Ralf Dischinger überrascht. "Doch darf man Bamberg deshalb als die Bronx Bayerns bezeichnen?" Dischinger, der für die Grünen im Sicherheitsbeirat sitzt, glaubt, dass Bamberg nach wie vor sicher ist. Seine Erklärung für das schlechte Abschneiden: "Der Freistaat ist mitverantwortlich für einen Teil der Kriminalität. Wer Menschen verschiedenster Nationen und Mentalitäten auf engem Raum ohne Rückzugsmöglichkeiten nur mit Sachleistungen versorgt, braucht sich nicht wundern, wenn Konflikte entstehen."

Besorgniserregend nennt Heinz Kuntke (SPD) die Zahlen. Gleichzeitig warnt er davor, die Kriminalität in Bamberg ausschließlich an der AEO festzumachen. Schwere Kriminalität, Raubüberfälle und Vergewaltigungen gebe es nur selten.


Noch immer fehlen Polizisten

Christian Lange (CSU) fordert, den Freistaat dazu auf, sein Versprechen einzulösen und die noch fehlenden sechs Polizeistellen zu besetzen. Mehr Polizei stärke das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung. Die Zahlen machen aus Sicht von Lange zudem deutlich, dass "die Verkehrspolizeiinspektion in Bamberg gehalten werden muss".

Spannend ist die Frage, wie sich die Kriminalitätsrate in Bamberg künftig entwickelt. Wird sie auch 2018 steigen? Norbert Tscherner (BBB) glaubt nicht, dass es eine schnelle Entlastung gibt. "Bamberg ist ein Magnet. Viele Menschen - das bedeutet immer auch mehr Kriminalität", fasst Tscherner die Erkenntnisse aus dem Sicherheitsbeirat zusammen. Die schlechten Zahlen Bambergs sind für ihn allerdings auch die Quittung für die falsche Weichenstellung 2015. Damals habe die Stadtratmehrheit die Flynnsiedlung nur allzu gerne aufgegeben. Die Risiken einer Großunterkunft seien unterschätzt worden, die Interessen der Bevölkerung ignoriert worden.