Am verregneten gestrigen Montag wären wohl nur die Hartgesottensten zum Schwimmen in die Michelinstraße gekommen. Die Stadt Hallstadt hätte also sicher nicht viele Gäste gehabt. Hätte! Denn eigentlich hätte die Schwimmsaison in Abstimmung mit den Bamberger Freibädern in der vergangenen Woche beginnen sollen. Doch seit dem großen Wasserschaden in der Nacht vom 2. auf 3. Juni musste in Hallstadt alles abgeblasen, das eingefüllte Wasser abgelassen werden. Dennoch sollen in Hallstadt Schwimmfans in jedem Fall heuer noch auf ihre Kosten kommen. Gerade auch weil benachbarte Bäder geschlossen bleiben.

Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU) sagt, die Tendenz im Stadtrat sei ganz klar - das Bad öffnen! Das habe auch ganz wesentlich soziale und gesellschaftliche Komponenten: Im Corona-Jahr reduzieren sich die Freizeitmöglichkeiten doch recht erheblich. So will die Stadt Hallstadt, die sich das leisten kann, diese Möglichkeit bieten, stellt Söder fest. Freilich hat er vollstes Verständnis für andere Kommunen, die ihre Bäder aus Kostengründen geschlossen lassen.

Für ihr Freibad nimmt die Stadt Hallstadt jährlich an die eine Million Euro an Defizit in Kauf. Was sich am Ende dieser Saison noch deutlich erhöhen wird. Nicht nur wegen des Corona-bedingten Mehraufwands. Denn während sich bislang an Spitzentagen 4500 bis 5000 Gäste durch die Drehkreuze drängten, dürfen es nach aktuellem Corona-Vorgaben-Stand nun maximal 1500 sein. Und dies aufgeteilt in drei "Schichten" zu je maximal 500 Personen.

Auf Nachfrage macht Söder deutlich, dass in Hallstadt auch in dieser Saison drei Euro Eintritt fällig sind, man sich damit weiterhin deutlich am unteren Ende der Preise befinde.

Für drei Euro Eintritt hat man dann jeweils insgesamt drei Stunden, sich in den Becken und auf den Leigenwiesen zu vergnügen. Dazwischen wird jeweils eine Stunde lang das gereinigt und desinfiziert, was Corona-bedingt für die Sicherheit erforderlich ist. Das ist Teil des Konzeptes, wie es für die Bäder der Stadt Bamberg entwickelt wurde und an das sich die Stadt Hallstadt gerne anlehnt.

Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg, stellt klar, "wir unterstützen die Kollegen wie es nur geht." Man habe sich nicht nur bei den Terminen abgestimmt.

Wie auf Nachfrage bei der Bamberger Stadträtin und Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Gaustadter Freibads zu erfahren war, läuft es mit dem Betriebs- und Hygienekonzept im Gaustadter Bad hervorragend. Die Gäste hätten sich bislang sehr diszipliniert gezeigt. "In Gaustadt klappt es super", zeigt sich Reinfelder erfreut.

"Wir hatten jedenfalls ein Konzept für die in der Eröffnungswoche geltenden Vorgaben", stellt Söder auch mit Verweis auf den Leiter des Hallstadter Freibads, Detlef Friedrich, fest. An Feinheiten, wie etwa der Markierung der Gehwege wäre noch zu arbeiten gewesen. "Aber wir waren schon ziemlich weit", so Söder. Markierungen sind noch aufzubringen, weitere kleinere Details des Konzepts umzusetzen.

Freilich ist man sich bei der Stadtverwaltung dessen bewusst, dass sich Vorgaben praktisch von einen Tag auf den anderen Tag ändern können, je nach der aktuellen Entwicklung. Allerdings geben Söder wie auch Giersberg zu bedenken, dass Bäder immer eine gewisse Vorlaufzeit benötigen, um neue Vorgaben umsetzen zu können.

In Hallstadt arbeiten jedenfalls Fachfirmen seit dem Schadensereignis Tag und Nacht daran, dass es in Sachen Saisoneröffnung vorangeht.

Das Malheur war bei der Befüllung der Becken passiert. Da bei der aus dem Jahr 1979 stammenden Schwimmstätte mit relativ geringem Druck Becken befüllt werden, läuft dieser Vorgang auch in der Nacht. Da hat sich im Technikraum die Schelle eines Schlauches gelöst und für die fatale Überschwemmung gesorgt. Pumpe und Schaltschränke waren betroffen. Sie müssen ausgebaut, zerlegt, getrocknet, repariert und wieder eingebaut werden.

"Wir wollen das Bad so bald wie möglich aufmachen", steht für Söder fest. Daran ist auch Ingrid und Gerhard Helmreich gelegen, die seit zehn Jahren hier den Kiosk betreiben. Allein in die Vorbereitungen fließt immer viel Geld. "Dann kam heuer Corona," sagt die 61-Jährige und nichts war mehr planbar. Zum Glück geht ihr Mann zusätzlich auf die Arbeit, sonst wüsste man nicht, wie die Ausfälle zu bewältigen sind. Mit Zustimmung der Stadt ist wenigstens der Verkauf und Gastrobetrieb am Kiosk, angelaufen: sieben Tage die Woche von 11 bis 19 Uhr. An den Wochenenden bietet man einen fränkischen Mittagstisch. Über einen separaten Eingang gelangt man zum Kiosk, der auch Speisen zum Mitnehmen anbietet. "Man muss sich was einfallen lassen", sagt die Kioskdame.

Das will auch die Stadtverwaltung für die Badegäste, die sich den Besuch nicht übers Internet verschaffen können. "Wir werden einen Service bieten", so Söder. Helmreichs nicken zufrieden und hoffen, dass Söders Namensvetter in München vielleicht noch weitere Lockerungen für Freibäder verkündet, die ihnen mehr Kundschaft bescheren. Freilich, an so einem verregneten Tag wie gestern hätte das auch nicht mehr Besucher angelockt, trösten sie sich.