Seit dem das Fahrverbot am Würgauer Berg in Kraft getreten ist, hat die Polizei an den Wochenenden und Feiertagen bereits 20 Motorradfahrer mit jeweils 15 Euro verwarnt - so viele Biker waren dort laut dem zuständigen Polizeihauptkommissar Peter Krauß von der Inspektion Bamberg-Land unerlaubterweise unterwegs.

"Das ist ein Unfallschwerpunkt, der bekämpft werden muss", sagt Krauß. Auf der Strecke sind in den vergangenen Jahren viele schwere Unfälle mit Motorradfahrern passiert. Zur Entschärfung war das Verbot Mitte Oktober eingeführt worden eingeführt worden.

Doch beinahe wäre die Streckensperrung bereits kurz nach ihrer Einführung wieder kassiert worden: So hat ein namentlich nicht bekannter Motorradfahrer aus Bamberg eine Klage vor dem Verwaltungsgericht in Bayreuth gegen das Fahrverbot angestrebt. Bei dem Mann soll es sich explizit um keinen Raser handeln, vielmehr um einen Motorradfahrer, der gerade die vernünftigen Biker durch dieses generelle Verbot benachteiligt sieht.


Landratsamt bestärkt

In der Hauptsache geht der Kläger gegen die verkehrsrechtliche Anordnung des Landratsamtes Bamberg vor. Daneben hat das Gericht in einem Eilverfahren entscheiden müssen, ob das Verbot bis zur Entscheidung ausgesetzt wird. Dieser Antrag wurde laut Auskunft des Verwaltungsgerichts auf Nachfrage unserer Zeitung nun in dieser Woche entschieden. Ergebnis: Der Eilantrag wurde vom Gericht abgelehnt. Der entsprechende Beschluss ist beim Landratsamt am Donnerstag eingegangen.

Dort sieht man sich bestärkt. Das Amt rechnet damit, dass mit dem Beschluss auch das noch länger andauernde Hauptklageverfahren gegen das Fahrverbot aller Voraussicht nach ohne Erfolg bleiben wird. "Wir haben uns in der verkehrsrechtlichen Begründung viel Mühe gegeben", erklärt Helmut Hartwich, Leiter des Fachbereichs Straßenverkehr.

Er macht den Unterschied zu anderen Streckensperrungen deutlich: "Soweit ein Gericht ein Fahrverbot für Motorradfahrer aufgehoben hatte, waren zuvor nicht derart umfangreiche Maßnahmen wie am Würgauer Berg ergriffen worden."

Hartwich verweist darauf, dass am Würgauer Berg in den vergangenen Jahren viel passiert sei, um die Situation zu entschärfen. So sind neben regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei, verkehrsrechtliche und bauliche Veränderungen an der Strecke vorgenommen worden, die allerdings nicht den gewünschten Effekt erzielt hätten: "Mildere Mittel" als das Fahrverbot seien somit am Würgauer Berg nicht in Sicht. Das habe das Verwaltungsgericht bestätigt. Somit habe sich die vom Landratsamt probeweise angeordnete und bis zum 31. Dezember befristete Sperrung für Motorräder an Wochenenden und Feiertagen als verhältnismäßig erwiesen.


Noch Beschwerde möglich

Der Würgauer Berg wird seit Einführung der bayerischen Unfallkommission im Jahr 2000 als "Super-Dauerbrenner" eingestuft. So wird eine Strecke bezeichnet, auf der sich innerhalb von drei Jahren drei oder mehr Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten ereignet haben.
Allein in den vergangenen drei Jahren sind am Würgauer Berg laut Statistik der Polizei Bamberg-Land 16 Unfälle mit Motorradfahrern passiert, neun Beteiligte wurden dabei schwer verletzt, ein Mensch kam ums Leben. Die Unfälle haben sich laut Hartwich zum größten Teil an Wochenenden und Feiertagen ereignet. Mit der probeweisen Sperrung soll nur während dieser Zeit festgestellt werden, ob dadurch die Unfälle zurück gehen und welche Auswirkungen die Sperrung auf Ausweichstrecken hat.

Die Saison dauert noch nicht lange, da zeichnet sich in den Zahlen der Polizei bereits ein Effekt ab: So sei in diesem Jahr noch kein Unfall am Würgauer Berg gemeldet worden, im gleichen Zeitraum hatte die Inspektion im vergangenen Jahr bereits zwei Schwerverletzte, 2014 sogar schon vier Schwerverletzte durch Unfälle registriert.

Die Polizei will neben Geschwindigkeitskontrollen unter der Woche nun weiterhin das Fahrverbot überwachen. Das ist allerdings noch nicht ganz sicher: Der Kläger kann innerhalb von zwei Wochen gegen den Beschluss im Eilverfahren Beschwerde einlegen.


Unfälle am Würgauer Berg mit Motorradfahrern

2007 13 Unfälle mit 1 Toten, 5 Schwer- und 4 Leichtverletzten

2008 5 Unfälle mit 4 Schwer- und 1 Leichtverletzten

2009 4 Unfälle mit 2 Schwer- und 2 Leichtverletzten

2010 2 Unfälle mit 1 Toten und 1 Leichtverletzten

2011 4 Unfälle mit 2 Schwer- und 2 Leichtverletzten

2012 4 Unfälle mit 1 Schwer- und 1 Leichtverletzten

2013 9 Unfälle mit 4 Schwer- und 8 Leichtverletzten

2014 11 Unfälle mit 5 Schwer- und 8 Leichtverletzten

2015 3 Unfälle mit 1 Leichtverletztem und 1 Toten

2016
3 Unfälle mit 2 Schwerverletzten und 1 Leichtverletzten

2017 10 Unfälle mit 7 Schwer- und 2 Leichtverletzten