Etwas ist faul im Stadtteil Gaustadt. Anwohner rund um die Großbrauerei klagen über "unappetitlichen Geruch", der aus ihren Gullys wabert, bis hin zu "infernalischem Gestank", der sie in den Abend- und Nachtstunden terrorisiert. "Wer da im morgendlichen Stau stand, egal mit welchem fahrbaren Untersatz, hätte wohl lieber eine Kotztüte eingepackt", schreibt eine Leserin.

Auch bei der Stadt Bamberg habe man wegen des "fäkalartig geschwängerten Geruchs" schon vorgesprochen, ein Dutzend Anwohner haben ihre Unterschriften gesammelt. Doch obwohl die Ursache offenbar bekannt sei, könne noch von keiner Lösung des Problems die Rede sein, so ihre Kritik.

Ein feines Näschen für die Probleme der Gaustadter hat als Vorsitzende des Bürgervereins Daniela Reinfelder. Als BuB-Stadträtin hat sie die olfaktorischen Belästigungen auch schon in den städtischen Gremien thematisiert. "Das geht schon eine ganze Weile, etliche Monate. Auch das Umweltamt war schon vor Ort, Prüfungen sind vonstatten gegangen", berichtet Reinfelder, die das Übel auch schon selbst gerochen hat und als "sehr kräftigen Faulgeruch", beschreibt. "Er lässt sich schwer auf einen Begriff bringen. Ausgesprochen unangenehm."

Unangenehm ist freilich das ganze Thema, nichtsdestotrotz hat sich die Stadt der Sache angenommen. "Seit Anfang August werden die eingehenden Beschwerden dokumentiert, vorher kam es vereinzelt zu Anrufen zu diesem Thema. Der aktuelle, unangenehme Geruch unterscheidet sich definitiv von den brauereitypischen Emissionen, die in unterschiedlicher Intensität schon immer wieder vorhanden waren", berichtet Pressesprecher Steffen Schützwohl. "Es handelt sich um eine Geruchsbelästigung, es geht nach unserem Kenntnisstand keine direkte Gesundheitsgefahr aus." Die Ursache liegt laut Umweltamt in der Brauerei.

Bei Kaiserdom reden Georg und Felix Wörner nicht lange um den heißen Brei herum. Ja, bestätigen die Geschäftsführer, für den Gestank war die Brauerei verantwortlich - doch: "Unmittelbar nach Bekanntwerden der Ursache hat die Kaiserdom-Privatbrauerei an der Beseitigung des Problems gearbeitet."

Um die Sache aufzuklären, öffnet Bambergs mit Abstand größte Brauerei sogar ihr Heiligtum - das nagelneue Sudhaus, 2020 in Betrieb genommen. Felix Wörner zeigt die neuen Rohrsysteme und Braukessel, wenn er berichtet, dass sein 140 Mitarbeiter starkes Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren rund 22 Millionen Euro in die Erneuerung und Modernisierung des Brauhauses investiert hat - "eines der modernsten der Welt", wie er sagt.

Zu wenig Wasserverbrauch

Es klingt paradox, aber der Brauerei scheint eben diese Modernität nun einen Streich gespielt zu haben. "Mit dem neuen System schaffen wir es, unseren Energiebedarf um bis zu 60 Prozent zu reduzieren", erklärt der Juniorchef. Eine Ballon-Konstruktion hilft, zurückzugewinnen. Und mit nur 1,3 Litern Brauwasser schaffe es Kaiserdom, einen Liter Bier herzustellen. "Das ist im Vergleich zu den meist üblichen Sudhäusern ein Traumwert", betont Wörner - normalerweise lägen die Werte im Mittel bis zu fünfmal so hoch.

Gut für die Umwelt, gut für nachkommende Generationen - schlecht für den Kanal. Denn hier liegt offenbar die Ursache für das Geruchsproblem: "Eben dieser geringe Verbrauch an Wasser sorgte ironischerweise in der jüngeren Vergangenheit für etwas Unmut", sagt Wörner offen.

Hefereste in den Abwässern der Brauerei konnten im eigenen Kanalsystem und in dem der Stadt durch den extrem verringerten Wasserverbrauch und die ausbleibenden Regenfälle nicht mehr richtig weggespült werden.

Die Stadt bestätigt diese Sichtweise: "Aufgrund der Sudhauserneuerung wird deutlich weniger Wasser verbraucht. Vermutet wird der damit erhöhte Anteil organischer Substanzen im Brauereiabwasser."

Im Untergrund gärte es

Die freigelassenen Mikroorganismen fühlten sich in der warmen Kanalisation offenbar äußerst wohl - und im Gaustadter Untergrund gärte etwas Unangenehmes. "Dadurch kam es an manchen Stellen zur Geruchsbelastung der unmittelbaren Nachbarn", erklärt Wörner - und sagt Sorry: "Für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigt sich die Brauerei in aller Form und Güte und bittet die betroffenen Nachbarn, sich kurz bei der Brauerei zu melden." Man habe eine "entsprechende Entschuldigung" vorbereitet. Der Kolonie an Einzellerpilzen als ungebetene Untermieter hat Kaiserdom den Kampf angesagt. "Es wurden alle Kanäle auf dem Betriebsgelände von einer Spezialfirma intensiv gespült beziehungsweise gereinigt. Der Effekt war sofort spürbar. Bereits zwei Tage später war das Problem gelöst", versichert der Geschäftsführer. "Selbstverständlich gilt es, so eine Situation in Zukunft zu vermeiden. Ein entsprechendes Spülprogramm wurde sofort in den Arbeitsalltag der Brauer integriert."

Die Anwohner hoffen, dass das hilft. Ein Sprichwort lautet: "Was sich soll klären, das muss erst gären."

Daten und Fakten:

Standort Der Arbeitsalltag wird am Standort Gaustadt von rund 100 Mitarbeitern gestemmt.

Zahlen Mit einem jährlichen Bierausstoß von rund 320 000 Hektolitern, zahlreichen Lohnbrau-Kunden aus der Region und einem Jahresumsatz von rund 33 Millionen Euro zählt sich Kaiserdom zu den 75 größten Brauereien Deutschlands.

Exportspezialist Die Biere werden in 65 Ländern quer über den Globus getrunken - der Exportanteil liegt bei fast 70 Prozent. "Unser Steckenpferd ist der Export und es braucht verdammt viel Fleiß und Arbeit, sich auf dem weltweiten Markt so aufzustellen", sagt Juniorchef Felix Wörner. "Wir sind international und national bekannt, aber lokal denken die Leute weniger an uns", sagt der deutschlandweite Vertriebsleiter Detlef Göbel.

Strategie Die Pläne für die Zukunft sind ambitioniert: "Wir wollen die Marke Kaiserdom hier in der Region wieder richtig etablieren", sagt Wörner selbstbewusst - und zieht diese Sicherheit auch aus seiner hoch modernen Anlage. Die bietet gegenüber der Konkurrenz viele Vorteile, etwa bei der Produktion echten alkoholfreien Bieres sowie beim Schonen natürlicher Ressourcen. Der Makel eines zu trockenen Kanals soll weggespült werden.