Es kommt im oft mühsamen Geschäft der Kommunalpolitik nicht allzu oft vor, dass ein Ratsgremium, wie neulich erst der Gemeinderat von Stegaurach, beinahe nur Erfolgsmeldungen auf Tisch gelegt bekommt. Wenn dann noch Räte Blumen für die Kämmerin oder die Jugendsozialarbeiterin fordern, glaubt man sich als Beobachter der öffentlichen Ratssitzung vielleicht sogar in einer verkehrten Welt.

Aufschwung bei der Jugendarbeit

Da erklärten Verwaltungsspitze und Gemeinderat übereinstimmend, dass sich die Vortragenden in dieser Sitzung allesamt höchste Anerkennung und Blumen verdient hätten, zunächst Dominique Willemsen vom Verein Innovative Sozialarbeit Bamberg, die über die Jugendarbeit von Januar 2019 bis März 2020 in Stegaurach vortrug.

Eindrucksvoll sei das Ergebnis, schallte es ihr dann auch aus dem Ratsgremium entgegen, nachdem Willemsen von der ehrenamtlichen Beteiligung vieler Jugendlicher im Rahmen der kommunalen Jugendarbeit berichtet hatte.

Nachlesen, sagte Bürgermeister Thilo Wagner, könne man den von Willemsen initiierten Aufschwung bei der Offenen Jugendarbeit auch im elektronischen Ratsinformationssystem. Die Blumen werden aber wohl nicht nur virtuell nachgereicht.

Effektive Biodiversitätsstrategie

Lorbeeren hat sich auch Siegfried Weid von der Regierung von Oberfranken verdient. Er berichtete von der Biodiversitätsstrategie der Gemeinde Stegaurach, die im Gemeindegebiet eine ganze Reihe hochwertigster und biotopkartierter Lebensräume mit einer außergewöhnlichen Anzahl von heute seltenen oder gar vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten besitzt.

Vor dem Hintergrund von Klimawandel und eines Artensterbens von ungeheurem Ausmaß wirken die Bemühungen kommunaler Agenda-21-Arbeitskreise manchmal vielleicht sogar verzweifelt. In Stegaurach fassten sich Ratsgremium, Verwaltungsspitze und die Ehrenamtlichen der unterschiedlichsten Umwelt- und Naturschutzverbände nun aber ein Herz, so dass der Rat bei nur einer Gegenstimme den Beschluss fasste, beim Bayerischen Naturschutzfonds einen Förderantrag für einen Projektmanager in Sachen Biodiversität zu stellen. Drei Jahre könne man auf die finanzielle Unterstützung des Naturschutzfonds für diese Maßnahme rechnen, sagte Weid. Etwa ein Viertel der Fördersumme, die für das Projektmanagement, Flächenankäufe, die Öffentlichkeitsarbeit und die Erfolgskontrolle mit 150 000 Euro veranschlagt sei, müsse die Kommune selbst aufbringen.

Fachstelle für Biodiversität

Der Gemeinderat schien sich sofort bewusst, in welch privilegierter Lage man sich als Auracher befindet, wenn man - wie die Gemeinde Stegaurach - Zentrum eines atemberaubend schönen Naturraums sein darf. Und damit dies im Sinne von Umwelt- und Naturschutz und Heimatpflege nachhaltig so bleibt, wird sich Stegaurach bemühen, nach Ablauf des Pilotprojektes Biodiversität eine Fachstelle für Biodiversität und Nachhaltigkeit bereitzustellen.

Zufriedenstellende Finanzen

Dass das trotz vorbildlich geordneter Haushaltszahlen für Stegaurach nicht leicht sein wird, konnte man an den Ausführungen von Gemeindekämmerin Heike Wächtler ablesen. Sie legte bis ins Detail dar, wo die Kommune ihr Geld herbekommt und wohin es abfließt. Anschaulich wie nie zuvor habe sie die insgesamt doch recht zufriedenstellende finanzielle Lage der Gemeinde präsentiert und erläutert, meinte das angesichts von nackten Zahlen erstaunlich begeisterte Ratsgremium quer durch alle Fraktionen. Versteht sich, dass der Ruf nach Blumen auch für Wächtler laut wurde.

Vandalen am Werk

Dennoch, die öffentliche Sitzung endete dann doch mit einem sehr unschönen Ereignis: Vandalismus gegen die Unterauracher Kapelle war zu beklagen. Den durch Schmierereien und die Entwendung und Beschädigung von Ausstattungsteilen entstanden Schaden schätzen Experten auf mindestens 10 000 Euro. Die Gemeinde hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 200 Euro ausgelobt.

Schlimmer sei es für das beliebte Kapellenkleinod dann aber doch noch gekommen, erläuterte Bürgermeister Wagner, weil sich nahe dem Gebäude auch noch ein Wasserrohrbruch ereignet habe. Viele freiwillige Helfer hätten aber den größten Schaden vermeiden geholfen und gezeigt, dass man in Stegaurach im positivsten Sinne zusammenhalte.