Ideen kommen meist urplötzlich und an unterschiedlichsten Orten. Wolfgang Klemenz kam seine Geschäftsidee in Indien. Der 25-Jährige war im Verlauf seines Betriebswirtschaftsstudiums auch ein Semester in Indien unterwegs. Für den Oberfranken, einen gebürtigen Kulmbacher, dabei besonders auffällig: Nirgendwo bekam er ein deutsches Bier zu trinken. Die Inder, keine geborenen Bierexperten, begnügten sich mit dem Angebot einiger niederländischer Global Player in Sachen Bier. Fränkisches Bier in Indien - das wär's. Das war vor über einem Jahr. Inzwischen ist der Jungkaufmann schon einige Schritte weiter. Der Idee folgte ein Marketingkonzept, ein entsprechender Internetauftritt und ein fränkischer Kooperationspartner in Hallerndorf.

Bierregion Oberfranken

Für die Vermarktung in Indien wirbt der junge Franke insbesondere mit der Bierregion Oberfranken. "A genuine Franconian ,Kellerbier‘ from the beer region number one worldwide in and around bamberg", lässt Klemenz auf den Etiketten der Bierflaschen wissen. Der Inder wird's verstehen, einen anderen Markt als den asiatischen will der junge Franke, der in Delhi mit einem früheren Kommilitonen kooperiert, zunächst nicht erschließen. Wer nun denkt, der junge Mann wolle ein preisgünstiges Produkt auf den Markt werfen, liegt völlig daneben. Christian Klemenz schielt auf eine Nische, will mit einem hundertprozentigen Premiumprodukt auf dem rasch wachsenden indischen Markt punkten. Das Bier wird in 0,33-Liter-Flaschen abgefüllt, Klarglas, das mit einem Speziallack behandelt dennoch vor UV-Strahlung schützt.

St. Erhard heißt der Stoff, der mit einem Spezialmalz der Firma Weyermann und Hopfen aus dem Bodenseegebiet einen würzigen fränkischen Landbiergeschmack ergibt. 35 Hektoliter des Gerstensaftes hat Klemenz bereits per Schiff auf den Weg gebracht. Bei 135 Prozent Einfuhrzoll und entsprechenden Transportkosten kann der Gerstensaft kein Schnäppchen sein. Der Endverbraucher in indischen Hotelbars muss für die Flasche bis zu sieben Euro berappen. Das Geschäft geht immerhin so gut, dass der Jungunternehmer davon leben kann. Er denkt schon darüber nach, weiter zu expandieren, Richtung China. Anfragen aus Deutschland gebe es auch schon. Aber da muss sich der junge Mann beim Preis noch was einfallen lassen.