Merkwürdiger Widerspruch: Vor nicht allzu langer Zeit hat ein Gutachten der Landesgewerbeanstalt die Belastung zahlreicher ehemaliger US-Wohnungen der Pines-Area dargelegt, die nun kostenintensiven Sanierungen entgegensehen. Nun kommt ein 40 Seiten starkes Gutachten aus dem gleichen Haus zu dem Ergebnis, dass von der Raumluft der Häuser in der Flynn-Area keinerlei Gesundheitsgefahr ausgeht.

Die Nachricht, die Sozialreferent Ralf Haupt in die Sitzung des Stadtrates mitbrachte, betrifft aber den knappen Bamberger Wohnungsmarkt nur indirekt, denn es ging um die Aufnahme von Flüchtlingen. Nach den Zahlen des Gutachtens samt einer darauf fußenden Bewertung durch Winfried Strauch vom Gesundheitsamt steht der geplanten Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft in zwei Blöcken des früheren Flynn-Gebiets nun nichts mehr entgegen. Zwei weitere Häuser daneben sollen bis Ende des Jahres zu so genannten Notfallunterkünften umgebaut werden.

Die Flüchtlingszahlen steigen

Neue Wohnungen werden in Bamberg dringend benötigt, wie Richard Reiser vom Sozialamt im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte. Praktisch täglich kommen aus den Krisenherden der Welt Hilfe suchende Menschen nach Bamberg, wo am Mittwoch exakt 516 Flüchtlinge lebten - mehrere Dutzend zusätzlicher minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge nicht eingerechnet.

Reiser schätzt den Zahlen des Bundesamtes für Migration folgend, dass bis zum Jahresende rund 800 Asylsuchende in Bamberg leben werden, weshalb man im Rathaus weiter händeringend nach leer stehenden Wohnungen sucht. Verschärft hat sich die Situation dadurch, dass die Regierung diese Woche den Notfallplan für die unbegleiteten Flüchtlinge ausgerufen hat. Schon in Kürze sind also weitere Menschen in Not zu erwarten, viele von ihnen kommen aus Schwarz-Afrika und sind über das Mittelmeer nach Europa geflohen.

Hohe Kosten für die Unterkünfte

Trotz des akuten Bedarfs verzögert sich die Bereitstellung der ehemaligen US-Wohnungen noch bis Ende des Jahres, weil die Gebäude noch mit Versorgungsleitungen erschlossen werden müssen. Den Aufwand für die Gas-, Wasser-, Strom- und Straßenanschlüsse sowie einen Zaun beziffert die Stadt mit 310 000 Euro, von denen ein Drittel aufs Bamberger Konto gehen. Die Stadt hofft auf eine Erstattung durch den Freistaat.

Auch sonst stellt die große Zahl fliehender Menschen die Stadt vor ungewohnte finanzielle Belastungen, deren Höhe oder Übernahme derzeit noch unklar ist. So berichtete der Bamberger Kämmerer im Finanzsenat, dass sich die Ausgaben für Soziales im laufenden Jahr voraussichtlich um eine halbe Million Euro erhöhen werden, "weil immer mehr Syrer vom Asylbewerberstatus zum Flüchtlingsstatus wechseln", also anerkannt sind.

Die drohende Knappheit der Gelder im umkämpften Sozialetat ist der Grund, weshalb Heinz Kuntke (SPD) "dunkle Wolken am Horizont der Stadt" aufziehen sieht. Es dürfe nicht zu der Situation kommen, dass die Gelder für Familien und andere Leistungsempfänger fehlen oder beschränkt werden, sagte Kuntke in der Sitzung und kritisierte Bund und Länder, die die Kommunen im Regen stehen ließen. "Hier muss massiv entgegengesteuert werden, sonst wächst der Unmut der Bevölkerung."

In die gleiche Kerbe hieb der Sprecher der Freien Wähler, Dieter Weinsheimer. Auch er beschrieb die Gemütslage in großen Teilen der Bevölkerung als weniger duldsam als allgemein dargestellt. Zum "Ernstfall" könnte es nach Weinsheimer kommen, wenn der Flüchtlingsstrom anhalte und die ersten Wohnungen auf dem Konversionsgelände bezogen werden.