Eineinhalb Stunden hat er in dieser Nacht geschlafen, und den kompletten Tag danach war er auch auf den Beinen: Rudolf Reuss, Präsident der Vormals Priviligierten Schützengesellschaft 1306 Bamberg - kurz SG 1306. "Das ist eine riesen Geschichte, die mit extremer Aufregung verbunden ist", sagt der Oberschützenmeister.

Als er am Mittwochnacht gegen 24 Uhr ins Bett gegangen ist, hat er noch in den sternenklaren Himmel und in Richtung Schießstand geschaut. Reuss wohnt direkt auf dem Gelände in der Kunigundenruh. Das Areal mit rund 4,5 Hektar gehört dem Schützenverein, inklusive des alten Forsthauses. Die Wirtschaft darin ist verpachtet.
In Gefahr waren das Anwesen und die darin schlafenden Menschen laut Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann nicht, da das Gasthaus weit genug vom Schießstand entfernt liegt. Doch was ist passiert? Gegen 1.15 Uhr wurde Rudolf Reuss von dem Mieter in der Wohnung über ihm geweckt - in dem Haus leben etwa zehn Menschen. Der Nachbar hatte bereits die Feuerwehr alarmiert, weil ein Kugelfang am Schießstand in Brand geratenwar.

Stefanie Püttner vom Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth erläuterte gestern: "Es gibt Hinweise, dass durch den Schießbetrieb am Abend ein Geschoss unter den Holzboden im Bereich des Kugelfangs geraten ist." Die Brandfahnder vor Ort hätten ermittelt, dass sich zunächst ein Schwelbrand entfacht hatte, der später die Rückwand des Schießstandes entzündete.

Laut Kreisbrandrat Ziegmann war die Feuerwehr mit etwa 70 Leuten schnell vor Ort. Im Einsatz war die Löschgruppe 1 der Stadt Bamberg, die Wehren aus Pödeldorf, Naisa, Litzendorf und später zu den Aufräumarbeiten die Kräfte aus Melkendorf und Schammelsdorf.

Die Feuerwehr musste eine rund 150 Meter lange Schlauchleitung um das Wohngebäude herum zum Löschbehälter legen. "Die Löscharbeiten waren langwierig, um etwa 1.30 Uhr ist es losgegangen und um 9 Uhr sind die letzten Wehren abgerückt", erklärt der Kreisbrandrat. Das habe an der sehr verwinkelten Bauweise des Kugelfangs gelegen, in dem Stahl- und Holzplatten so angeordnet seien, dass keine Kugeln der Schützen zurückprallen können - ein guter Ort für Glutnester.


Hoher Sachschaden

Die SG 1306 jedenfalls muss vorerst ohne ihren 100-Meter-Schießstand auskommen, der Schießbetrieb geht laut Reuss aber immerhin an den anderen Ständen weiter. Die große Frage für den Verein ist nun: Zahlt die Versicherung? Die Polizei schätzt den Schaden auf mehrere 10 000 Euro, der Vereinspräsident konkretisiert auf "über 70 000 Euro". Seilzüge, Schlitten, Betondecke, Mauer, Stahlfang und einiges mehr sind hinüber. Seit 1981 ist der Oberschützenmeister Vereinsmitglied, gebrannt habe es auf dem Gelände in dieser Zeit noch nie.

Bei dem Feuer in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war zunächst nicht auszuschließen, dass jemand den Brand gelegt haben könnte. Es kursierten Gerüchte, die den Verdacht auf rechte Gruppierungen lenkten. Denn: Es hatte in der Vergangenheit Überlegungen gegeben, Asylbewerber in die Zimmer im Forsthaus einzuquartieren.
Doch Rudolf Reuss klärt auf: "Es handelt sich um Appartements, die von Dauermietern bewohnt sind - in einem unbefristeten Mietverhältnis." Auch Litzendorfs Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) betont, dass es sich bei dem Brand um einen Unfall handle, der nicht im Zusammenhang mit der Asylbewerber-Diskussion stehe.
Die Frage nach der Unterbringung von Flüchtlingen in der Kunigundenruh war aufgekommen, weil die Gemeinde nach Unterkünften habe suchen müssen - und unter anderem auf die "Fremdenzimmer" im Forsthaus gekommen war. "Es hat sich dann aber herausgestellt, dass alle vermietet sind." Der Bürgermeister jedenfalls ist froh, dass die Feuerwehr "so gut gelöscht hat" und sich die Flammen nicht ausbreiten konnten.

Mit der Verwüstung muss sich nun der Schützenverein auseinander setzen. Rudolf Reuss ist am Rotieren. Die geplante Jägerprüfung muss schon mal woanders stattfinden.