Bei aller Bodenständigkeit in Franken wie in Tirol: Beide Völkchen sind durchaus zu Innovationen fähig, mit denen sie technisch an die Weltspitze gelangen können. So geschehen jetzt im neuen Beton-Fertigteilwerk der Firma Kaspar Röckelein in Ebing. Dort installierte der Maschinen- und Anlagenbauer "progress" aus Brixen die nach Aussage der Beteiligten modernste "Filigran-Deckenplattenfertigungsanlage" weltweit. Gestern wurde das Ereignis von Mitarbeitern und Ehrengästen gebührend gefeiert.

Im Beisein von Seniorchef Kaspar Röckelein, der es sich auch im Alter von 93 Jahren nicht nehmen ließ, an diesem "Quantensprung" seines Unternehmens teil zu nehmen, hieß Geschäftsführer Manfred Röckelein die Gäste willkommen. Immerhin war mit Andreas Kern von Heidelberger Zement der Vertreter eines Dax-notierter Konzerns darunter. Auf einer Teilfläche des Betriebes von 2,4 Hektar entstanden in den vergangenen beiden Jahren drei Mischanlagen, Zementsilos sowie eine Fertigungsstraße für fünf bis zwölf Zentimeter starke Deckenplatten. Ein "Sammelsurium von Schnittstellen", so der Sohn des Firmengründers, sorge für einen reibungslosen Ablauf der computergesteuerten Fertigungsstraße.
Glanzstück der Anlage sei die Anlieferung und Maßfertigung von Gitterträgern "just in time", wie Wolfgang Röckelein wissen ließ. "Wir haben hier innovative Maschinen entwickelt für ein innovatives Unternehmen", merkte dazu der Geschäftsführer des Tiroler Unternehmens, Albert Blasbichler, an. Röckelein sei die erste Firma, die vom weltweit führenden Unternehmen eine solche Anlage erhalten habe. Zur Feier des Tages gab Blasbichler eine respektable Flasche Blauburgunder drein.

Mit der neuen Anlage können pro Schicht, also in acht Stunden, etwa 1200 Quadratmeter Deckenplatten gefertigt werden, wie Werkleiter Hans Hofmann und Matthias Siegelin dazu ausführten. Die Produkte werden hauptsächlich in einem Radius von etwa 300 Kilometer in Nordbayern vertrieben. Pro Schicht werden dabei 80 Kubikmeter Beton verarbeitet, davon sind etwa 30 Tonnen Zement und 150 Tonnen Sand. Der Kies wird vor Ort in firmeneigenen Gruben mit Sandbaggern gefördert und hat eine sehr gute Qualität. Mit der neuen Anlage sind bisher etwa zehn neue Arbeitsplätze entstanden, insgesamt sind in der Ebinger Niederlassung des Unternehmens rund 50 Personen tätig. Neben dem Stammsitz in Wachenroth gibt es außerdem noch Dependancen in Altendorf und Osterfeld bei Leipzig.

Rund 15 Millionen Euro habe man für die neue Fertigungsanlage in Ebing investiert, ließ das Unternehmen wissen. Damit sei man nicht nur technisch auf dem modernsten Stand, sondern biete auch optimale Sicherheit für die Mitarbeiter. Die Stäube von Zement und Eisen würden abgesaugt, das Waschwasser für die Anlagen aufbereitet und bleibe im Kreislauf. In der 120 mal 40 Meter großen und 15 Meter hohen Halle ist eine zweite Produktionsstraße für Pflastersteine vorgesehen.

An Landrat Günther Denzler ging ein Dank Röckeleins für die Schaffung der nötigen Infrastuktur ("Als wir hier anfingen, gab es nur einen Feldweg. Jetzt haben wir die Autobahn"). Auch der Landkreischef freute sich über das modernste Betonwerk in Europa und darüber, dass "eine Familie mit Grundsätzen" dem Landkreis Bamberg treu bleibe.

Der Rattelsdorfer Bürgermeister Bruno Kellner staunte nach eigenem Bekunden ebenfalls über die Dimensionen des Unternehmens, dankte aber auch für die Unterstützung der örtlichen Vereine. Man wünsche der Firma deshalb die Erfolge, die sie brauche.

Im Wohnzimmer angefangen


Gewürdigt wurde von Wolfgang Röckelein aber auch eine "außergewöhnliche Leistung". Auf den Tag genau seit 50 Jahren war gestern Georg Dennert im Unternehmen tätig. "Im Wohnzimmer von Kaspar Röckelein" habe er als Auszubildender am 1. September 1962 seine Laufbahn begonnen, für 92 D-Mark im ersten Lehrjahr, erinnerte sich der Jubilar. Weil das ein Samstag war, musste er erst Montag antreten. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde das Betonwerk Ebing gegründet.

Heute, so der Jubilar, sei die Firma "auf dem richtigen Weg". Weil man die Top-Leute habe, die man brauche, sei ihm um die Zukunft nicht bange. Georg Dennerts Dank galt seiner Ehefrau Gertrud, die ihm "immer den Rücken freigehalten" habe .

Eine Flasche Wein von 1962, ein FT von seinem ersten Arbeitstag und ein kleiner "Triumpfbogen" mit Attributen aus seiner Arbeitswelt waren die Geschenke des Unternehmens an den Jubilar.
Kirchlich geweiht wurde die neue Werkhalle von Pfarrer Reinhold Braun und Monsignore Edgar Hagel. Die Ebinger Blaskapelle umrahmte die Feier und das anschließende gesellige Beisammensein musikalisch.

Von Hans W. Penning