Viel braucht es nicht für Antons Auftritt: Ein wenig Körper- und Fuß-Pflege, dazu die Reinigung des Zaumzeugs und fertig ist der Palm-Esel. Auch beim Jesus und beim Jünger, der den Esel begleitet ist es einfach: Ein Bettlaken hat Bärbel Schmitt zum schlichten Umhang für Jesus genäht. Für den Jünger, der den Esel führt, gibt's ein einfaches Gewand aus Tunesien. Fertig sind die Protagonisten der biblischen Geschichte, "schlicht wie in der Bibel", sagt Bärbel Schmitt. Wegen ihrer Bemerkung vor sieben Jahren erlebt Hirschaid immer ganz besondere Palmsonntage, "kindgerechte", das ist der 49-Jährigen wichtig. Und Anton spielt eine tragende Rolle...

Aus "Lumperei" gekauft


Familie Schmitt ist von jeher eine pferdebegeisterte. Kein Wunder, der Bruder von Bärbels Mann Wolfgang, also Onkel Hans (Schmitt) hat in Hirschaid eine ein Reitanlage. Hier gehen die Seigendorfer ein und aus. Der Onkel war es auch, der einem Italiener "aus Lumperei", wie er es nennt, einen Esel abkaufte. Anton. In den verguckten sich Bärbel Schmitts Töchter Pia und Ina, weil er so schön zu reiten war. Sie wollten ihrem Onkel das Tier abkaufen. Doch er schenkte ihnen Anton stattdessen, das war vor zehn Jahren.

Als Bärbel Schmitts älterer Sohn Fritz Kommunion hatte, waren die Eltern zu einem Vorgespräch für den Palmsonntags-Gottesdienst beim damaligen Pfarrer und Dekan August Popp. "Schwere Kost und für Kinder völlig ungeeignet" sei die Leidensgeschichte Jesu, außerdem "viel zu lang und viel zu kompliziert", habe sie damals gesagt, erinnert sich die Seigendorferin. Darauf habe der Pfarrer den Spieß umgedreht und gesagt, sie solle den Gottesdienst mit vorbereiten. Dabei kam man auf eine kindgerechte Gestaltung, also etwas Anschauliches. Da man Esel Anton hatte, war alles Weitere irgendwie naheliegend. Damit hatten Palmenweihe am Rathausplatz und Palmprozession zur Kirche einen echten Esel. Pia machte den Jesus, Ina den Jünger, der den Esel führte. Danach gab's einen Kindergottesdienst im Pfarrheim. Das kam an. So ist Anton für den Palmsonntag fest gebucht, ebenso wie die Kinder der Familie Schmitt. Mittlerweile macht der Jüngste, Hans (13) den Jesus und Pia ist eben der Jünger an seiner Seite. Kommunion- oder Firmkinder reihen sich bei der Prozession als weitere Jünger ein.

Anton ist bekannt


So hat Anton inzwischen Bekanntheitsgrad erlangt. Denn auch beim Faschingsumzug ist er als Reittier oder vor dem Sulky im Einsatz. "Das ist doch der Esel vom Palmsonntag", heiße es da ab und zu, so Pia Schmitt. Auch beim traditionellen Georgi-Ritt auf den Senftenberg findet man den Anton aus Hirschaid. Weil er so verlässlich ist, loben Pia und Bärbel Schmitt das ebenso gutmütige wie belastbare Tier. "Der trägt sogar einen Mann mit 90 Kilo", sagt Pia stolz, "aber nur kurz."

Und wie steht's mit der sprichwörtlichen Sturheit der Esel? Keine Spur. Dafür beherrscht er das für Esel typische "Iaahh, iahh" nicht, erholt nur tief Luft, mehr tut sich nicht. Antons Freundin, Eseldame Resi ist ihm da ein Stück voraus. Bei ihr höre sich die Lautäußerung immerhin an wie eine quietschende Tür. Apropos Tür: Anton geht bei der Palmprozession immer nur bis zur Kirchentür, "auch wenn Pfarrer August ihn gerne drinnen in der Kirche gehabt hätte", lacht Bärbel Schmitt. Nicht, dass er da mal muss, habe sie gesagt. Ansonsten sei der 15-jährige Esel gut erzogen und brav. Das wird er am Palmsonntag ab 10 Uhr am Rathausplatz wieder unter Beweis stellen.