Wie das Erzbistum Bamberg mitteilt, ist ein mehr als 800 Jahre altes Textilfragment aus dem Grabgewand (Dalmatik) des einstigen Bamberger Bischofs Otto II. wieder in die Domstadt zurückgeholt worden. Für das Diözesanmuseum Bamberg sei das ein "historischer Glücksfall, mit dem ein verschollenes Stück mittelalterlicher Geschichte heimgekehrt ist".
In der Meldung ist wörtlich von einem "sensationellen Textilfund" die Rede. Carola Marie Schmidt, Leiterin des Diözesanmuseums Bamberg, und Textilrestauratorin Sibylle Ruß schildern die abenteuerliche Geschichte und Reise des Objekts.
Erzbistum Bamberg: Freude über historischen Fund - "unglaublich, aber wahr"
Alles begann demnach mit einem Anruf der Äbtissin des Klosters Wienhausen (Celle) bei der Leiterin des Diözesanmuseums in Bamberg, Carola Marie Schmidt, im vergangenen Sommer 2025. Der Archivar des Klosters habe zuvor beim Aufräumen eine Schachtel mit Seidengewebe gefunden. "Sie berichtete mir im Telefonat von einem Fragment eines Seidengewebes mit einer Notiz, dass es aus Bamberg komme", erinnert sich Schmidt. "Kunsthistoriker der Klosterkammer in Hannover konnten kurz darauf die große Bedeutung des Fragments einschätzen, weil es nur extrem wenige Textilien überhaupt mit diesem Muster gibt - und die sind publiziert und bekannt", ergänzt Textilrestauratorin Sibylle Ruß.
Nachdem Fotos des Textils hin- und hergeschickt und die Muster des Fragments mit denen der Dalmatik verglichen worden seien, habe eine Reise zum Kloster schließlich auch die letzten Unsicherheiten ausgeräumt. "Es war klar, dass beides exakt zusammenpasst", heißt es vonseiten des Erzbistums. "Unglaublich, aber wahr", sind sich Schmidt und Ruß einig. Wie aber kam das Seidengewebe aus Ottos Grabgewand ins Kloster Wienhausen?
Nach Angaben des Erzbistums Bamberg ging das Stück des Grabgewands von Otto II. während Restaurierungsarbeiten Ende der 1930er-Jahre in privaten Besitz über. Demnach war das liturgische Gewand von Bischof Otto II. nach der Öffnung seines Grabes im Jahr 1933 zu Restaurationszwecken nach München ins bayerische Landesamt gebracht worden. Anschließend sei es 1943 zurück nach Bamberg gebracht worden. Seither habe jedoch eine große Lücke von etwa 40 × 60 Zentimetern in der 800 Jahre alten Dalmatik geklafft. Es habe jedoch niemand gewusst, dass diese erst in der Münchner Zeit entstanden war.
800 Jahre altes Stück Seidengewebe aus Bamberg schlummerte in Kloster-Archiv
"Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir alles kennen, was erhalten werden konnte", erläutert Sibylle Ruß. Erst durch den Fund im Kloster Wienhausen sei den Frauen klar geworden, dass aus dem nahezu vollständig erhaltenen Gewand ein beträchtliches Stück entnommen wurde und in den privaten Besitz einer Frau in Krefeld gelangte. "Sie war eine textilkundige Frau, die wertvolle Stoffe und Gewebe sammelte", so die Bamberger Restauratorin.
Deshalb habe sie das Stück Seidengewebe bis zu ihrem Lebensende sorgfältig aufbewahrt, bevor sie es an eine ebenfalls textilkundige Freundin weitergab. Diese habe das Stück schließlich dem nahe gelegenen Kloster Wienhausen zur Aufbewahrung geschenkt. Dort, zwischen den mittelalterlichen Wänden und Gängen des Klosters, habe es zuletzt bis zu seiner Wiederentdeckung im Archiv geschlummert. Wie das Erzbistum Bamberg mitteilt, wird das nun zurückgekehrte Textilfragment schon bald auch für die Öffentlichkeit im Diözesanmuseum zu bestaunen sein.
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