In dieser Weise ist das künftige Mahnmal einzigartig: Es verknüpft politischen, militärischen und kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. "Bamberg wurde bisher im Gegensatz zu Berlin und München unterbewertet als Stätte des Widerstandes", meint Nikolai Czugunow-Schmitt, einer der Initiatoren dieses Widerstands-Mahnmals, das voraussichtlich 2015 im Harmoniegarten zwischen Schönleins-Platz und E.T.A.-Hoffmann-Theater aufgestellt wird.

Czugunow-Schmitt gehört zur Willy Aron-Gesellschaft Bamberg, die Trägerin des gesamten Vorhabens ist. Vor Journalisten stellte die Gesellschaft am Freitag im Atelier des Bildhauers Albert Ultsch das Modell des "Mahnmals für Widerstand und Zivilcourage" vor. Drei Porträtbüsten auf Stelen bilden symbolhaft und nicht fotografisch die Bamberger Widerständler ab: den jüdischen Sozialisten und Rechtsreferendar Willy Aron, der im Konzentrationslager Dachau bereits 1933 bestialisch zu Tode geprügelt wurde, den damaligen Rechtsanwalt und Vorstand katholische Vereine, Hans Wölfel, der als Regimekritiker denunziert und am 3. Juli 1944 hingerichtet wurde sowie den Offizier der Wehrmacht, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der mit dem persönlichen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 der Unmenschlichkeit ein Ende setzen wollte und noch in der darauffolgenden Nacht im Innenhof des Bendlerblockes in Berlin durch Erschießen zu Tode kam.

"Bamberg bleibt bunt"

Die Initiatoren machen klar, dass es mit dem Denkmal nicht um "Heldenverehrung" geht, sondern die Möglichkeit bietet, über die Zeit des Nationalsozialismus in der Region nachzudenken: "Was konnten Menschen tun, wenn es darum ging, sich für Menschlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen, Zivilcourage zu zeigen?" Aron, Stauffenberg und Wölfel seien Stellvertreter für alle Bamberger Bürger und Bürgerinnen, die Widerstand geleistet und vorgelebt haben.

Für Bürgermeister Christian Lange (CSU), der in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) an dem Pressetermin teilnahm, ist das Mahnmal dazu geeignet, "die Erinnerungskultur zu pflegen und zugleich ein Signal gegen Neonazis zu setzen". Das Mahnmal stehe für ein friedliches und menschliches Miteinander in einem demokratischen Rechtsstaat. "Bamberg bleibt bunt", ergänzt der Bürgermeister, der die Unterstützung der Stadt für dieses Mahnmal unterstrich. Der Stadtrat habe bereits 2013 einstimmig sein Votum für ein solches Denkmal abgegeben. Im Februar 2014 sei auch die Baugenehmigung erteilt worden.

Problematische Standortsuche

Der Weg dorthin war allerdings schwierig. Zum einen rieben sich Kritiker an der Person Stauffenbergs als "Militarist", die nicht mit Willy Aron und Hans Wölfel zusammen geehrt werden könne. Zum anderen erwies sich die Suche nach einem geeigneten Standort für das Mahnmal als problematisch. Der ursprünglich anvisierte Platz vor dem Gebäude An der Universität 5 stieß nach anfänglicher Zusage bei der Universität letztendlich auf Ablehnung.

Der Harmoniegarten als endgültiges Domizil im öffentlichen Raum und überhaupt die gesamte künstlerische Gestaltung findet jetzt auch uneingeschränkt Zustimmung der Familie Stauffenberg, wie Czugunow-Schmitt erklärt. Das fertige Mahnmal wird aus den drei Bronzebüsten auf etwa 1,60 Meter hohen Stelen aus Cortenstahl bestehen, die in einem Halbkreis zu einer Baumscheibe mit Sitzgruppen angeordnet werden. Als Rückwand dient jeder Plastik eine weitere Stele. Ähnlich der bekannten "Stolpersteine" werden Messingtafeln mit den Lebensdaten der drei Persönlichkeiten angebracht. Alles wird auf braunen Porphyr-Steinplatten stehen, die Farbe der Nationalsozialisten, aus dem die drei Protagonisten heraustraten. Zwei leere braune Platten sollen als deutlicher Hinweis darauf gelten, "dass es heute immer noch Menschen gibt, die dem nationalsozialistischen Gedankengut anhängen", erläutert Bildhauer Ultsch seine Arbeit.

140 000 Euro Gesamtkosten

Dem Architekten Heinz Rosenberg, der für den Umgriff des Mahnmals und dessen Gestaltung verantwortlich zeichnet, ist es wichtig, dass die drei Büsten samt Stelen "gleichwertig aufgestellt werden".

Die Kosten des Gesamtwerkes belaufen sich auf 140 000 Euro. Öffentliche Zuschussgeber und Spenden sollen diesen Betrag aufbringen. Ein Bamberger Bürger, der nicht genannt werden möchte, trug allein 50 000 Euro bei.