Es ist eine Sackgasse hoch droben im Berggebiet, die eine Woche nach dem umstrittenen Bayerlein-Beschluss im Stadtrat das Potenzial für die nächste NS-Kunst-Debatte birgt. Der rund 100 Meter lange Fritz-Bayerlein-Weg zweigt kurz vor der Aral-Tankstelle von der Würzburger Straße ab. Eine Handvoll Anwohner leben hier in schöner Berglage, die allerdings nach einer Persönlichkeit mit zweifelhafter Vorgeschichte benannt ist. Bayerlein war von Hitler persönlich 1939 zum Professor ernannt worden, und er gab sich mit menschenverachtenden Äußerungen noch zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Antisemit und Nazi zu erkennen.

Doch Bayerlein (1872 bis 1955) war auch ein erfolgreicher Maler, dessen Landschafts- und Bambergszenerien heute noch beliebt sind. Viele schätzen gerade seinen "harmlosen und unschuldigen" Stil, was sich auch im Preis ausdrückt. 2014 wurde ein verhältnismäßig kleines Bild von den Domtürmen über der Bamberger Dächerlandschaft in einem hiesigen Auktionshaus zum "Rekordpreis" von über 20 000 Euro versteigert.

Den deutlich größeren Bamberg-Porträts im Sitzungssaal und zwei weiteren Bildern im Trausaal des Rathauses hat die Fan-Gemeinde aber nichts genutzt. Kaum eine Woche, nachdem die Grün-Rote Mehrheit im Stadtrat ihre Verbannung aus dem Rathaus beschlossen hat, müssen sich Landschaftsgemälde gewissermaßen mit einem Platz am Rande der ehemaligen Rathaus-Infothek begnügen. Am heutigen Donnerstag wird eine Restauratorin dort die Abgehängten für die Zwischenlagerung im Depot vorbereiten. Möglichst bald sollen ein Symposium und eine Ausstellung zur Auseinandersetzung mit Bayerlein und seiner Kunst stattfinden. Doch steht derzeit "die Finanzierung noch in den Sternen", sagt Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar.

Kein Ende des Streits

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass die vorläufige Einlagerung von Bildern einer idyllischen Kulturlandschaft das Ende des Bayerlein-Streits bedeutet. Schon gibt es Überlegungen aus der Politik, nach den Bildern im Sitzungssaal beim Fritz-Bayerlein-Weg nachlegen zu wollen. Auch die Kulturreferentin geht davon aus, dass der Name Bayerlein auf einem Straßenschild zumindest eine Kommentierung benötigt, wenn nicht gar eine Umbenennung der richtige Weg sei: "Die Gemeindeordnung schreibt vor, dass für Straßennamen verdiente Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft gesucht werden sollen. Sie müssen auch auf einen eventuellen NS-Hintergrund geprüft werden."

Neu ist die Kritik an dem Straßennamen nach einem Künstler mit NS-Vergangenheit nicht. Seit 1992 hat die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes wiederholt die Umbenennung gefordert. 1995 machte der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Starke (SPD) einen solchen Namenswechsel zu seinem Anliegen. Sein Antrag wurde von der CSU-Mehrheit überstimmt. Nicht viel besser erging es 2018 dem Stadtrat der Bamberger Linken, Heinrich Schwimmbeck. Sein Vorschlag: Der Fritz-Bayerlein-Weg soll nach dem Bamberger Widerstandskämpfer Josef-Prenner benannt werden. Prenner ist als Mitglied der SPD und der Gruppe "Rote Kämpfer" gefoltert, zu Zuchthaus verurteilt und 1944 in das KZ Buchenwald verschleppt worden.

Alte Debatte, neue Mehrheiten

2020 herrscht im Bamberger Rathaus eine Grün-Rote Fraktionsgemeinschaft. Nun fehlt nicht viel, und die "Entnazifizierung" greift auch auf den Bayerlein-Weg über. Allerdings ist es nicht einfach damit getan, das Straßenschild abzumontieren und ein neues anzubringen. "Einen Weg umzubenennen, ist keine Kleinigkeit", weiß Siebenhaar. "Experten, aber auch Anwohner müssen gehört werden, Grundbucheinträge geändert werden."

Die CSU hat vor einer Woche für die Trennung von Kunstwerken und Person und gegen die Verbannung der Bayerlein-Bilder aus dem Rathaus plädiert. Wie wird sich die Fraktion verhalten, wenn es um den 50 Jahre alten Fritz-Bayerlein-Weg geht? Stadtrat Franz-Wilhelm Heller signalisiert auf Nachfrage, dass anders als beim Umgang mit den Bildern nun auch ein moralisches Urteil eine Rolle spielen könnte: "Wenn eine Straße nach einer Person benannt wird, geht es immer auch um eine Ehrung. Deshalb wäre in einem solchen Fall auch das Verhalten Bayerleins zu beurteilen."