Im gesegneten Alter von 98 und 95 Jahren begingen Kurt und Maximiliane Hänel aus Stegaurach ihren 75. Hochzeitstag bei immer noch guter Gesundheit. Auch wenn die Jubilare kein Aufhebens davon machen wollen, verdient ein so seltenes Jubiläum wie eine "Kronjuwelenhochzeit" eine besondere Würdigung. Und zu diesem ganz besonderen und seltenen Tag durfte von offizieller Seite Stegaurachs Erster Bürgermeister Thilo Wagner sowie stellvertretender Landrat Johann Pfister gratulieren.

75 gemeinsame Ehejahre stellen eine Rekordmarke dar. Apropos Kronjuwelen - selbst die Queen haben sie um fünf Jahre übertroffen. Dabei dauert das soziale Engagement der Jubilare der Familie und den Mitmenschen gegenüber bis heute an.

Maxi, wie Kurt seine Frau liebevoll nennt, war das älteste von insgesamt zehn Kindern. Schon in jungen Jahren ließen sie immerwährende Fürsorge und Pflichterfüllung ihrer Familie gegenüber eigene Interessen zurückstellen.


In Frankreich kennengelernt

Wie alle jungen Mädchen zu der damaligen Zeit, musste Maxi zunächst einen Pflichtarbeitsdienst leisten, diesen unter Schwerstarbeit in den Weinbergen bei Marktbreit. Danach wurde sie als Wehrmachtsnachrichtenhelferin des Luftgaukommandos nach Rouen, Frankreich, geschickt. Hier begegnete sie ihrem Kurt, der dort als Offizier und Adjutant stationiert war. Trotz jener schrecklichen Kriegszeiten und der damaligen allgemeinen Unsicherheit gaben sie sich 1943 im Dom zu Bamberg das Ja-Wort, ein Lebensbund, der beiden vieles abverlangen würde. Unmittelbar nach der Hochzeit wurde Kurt wieder zu seiner Truppe zurückbefohlen.

Kurz nach der Geburt der Tochter Claudia geriet er mit der Kapitulation in Kurland für fast fünf Jahre in russische Kriegsgefangenschaft. Allein dieser Umstand hätte das Ende ihrer Ehe bedeuten können.


Ein geschätzter Fachmann

Ohne größeren physischen Schaden genommen zu haben, fand der Spätheimkehrer Kurt später als studierter Architekt in Stegaurach eine Anstellung im Architekturbüro des bekannten Brauereiplaners Toni Gaißmaier und damit gleichermaßen Arbeit und Berufung. Über sechs Jahrzehnte lang stand er den Mitarbeitern fachlich vor und war vielen Brauereien im In- und Ausland ein geschätzter und angesehener Berater. Als Dipl.-Ing. Helmut Gaißmaier das Planungsbüro des Vaters übernahm, stellte Kurt Hänel auch ihm seine architektonisch-fachliche Kompetenz zur Verfügung. Und das sage und schreibe bis zu seinem 90. Lebensjahr!


"Krieg und Frieden"

Dies alles war nur möglich, weil seine Ehefrau Maxi ihm immer den Rücken frei hielt und ihm in jeder Beziehung verlässlich zur Seite stand: kompetent, vermittelnd und humorvoll.

75 Jahre währt nun, was beide stets augenzwinkernd "Krieg und Frieden" nennen. Tatsächlich jedoch steht es für Pflichtbewusstsein, Toleranz und tiefe Verbundenheit.