"Das Besprochene nehme ich ins Grab", sagte Mohamed Hédi Addala in seinem letzten FT-Interview über seine verantwortungsvolle Arbeit als Vorsitzender des Migranten- und Integrationsbeirats der Stadt Bamberg (MIB). Was er diskret und verschwiegen für unzählige Menschen unterschiedlicher Nationen bewirkt hat, ruht nun mit ihm - und wirkt dennoch in den Herzen und Köpfen weiter: Am vergangenen Freitag verstarb Mohamed Hédi Addala nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren.

Der gebürtige Tunesier ohne deutsche Staatsangehörigkeit, der seit 1975 in Bamberg wohnte, hinterlässt seine Ehefrau Elisabeth und seine beiden Söhne Youssef und Michael. Sein Tod berührt zutiefst die Familie, aber auch alle, die ihn kannten und schätzten: als Brückenbauer zwischen den Migranten, der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit, als Förderer des Dialogs zwischen den Nationen und Religionen in der Stadt, als verlässlicher Freund und warmherziger Gesprächspartner. "Er war wie ein Vater für mich, wir sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen. Er wird mir sehr fehlen", sagt sein Mitstreiter im MIB, Florim Gashi.

Brückenbauer zwischen Migranten, Stadt und Öffentlichkeit

"Ohne Mohamed Hédi Addala wäre die erfolgreiche Integration in Bamberg nicht möglich gewesen", betont Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Viele Bürger, die aus anderen Nationen nach Bamberg gekommen seien und hier eine neue Heimat gefunden hätten, seien von ihm persönlich unterstützt worden. Sein langjähriger Vorsitz des Migranten- und Integrationsbeirats "war geprägt von hohem Engagement, großer Leidenschaft und enormen Fleiß", so der OB. "Addala war Kopf und Motor dieses Gremiums." Im Namen der Bürger der Stadt Bamberg, aber auch persönlich dankte Starke "für sein segensreiches Wirken zum Wohle der Stadt Bamberg".

"Erschüttert und sehr betroffen über den Tod von Mohamed Hédi Addala" würdigt Erzbischof Ludwig Schick den Verstorbenen, der "ein so positiver Mensch gewesen ist, dem der interreligiöse und interkulturelle Dialog in unserer Stadt Bamberg und darüber hinaus ein Herzensanliegen waren. Sein Tod ist ein großer Verlust für uns alle", erklärt der Erzbischof. Addala habe viel für "unser gutes Zusammenleben" getan: "Dafür spreche ich ihm große Anerkennung und Wertschätzung aus. Wir alle schulden ihm Dankbarkeit. Ich werde ihn auch persönlich vermissen. Seine freundliche Liebenswürdigkeit war stets wohltuend", sagt Schick. Der größte Dank, den "wir ihm erweisen können, besteht darin, seine Arbeit für Integration und interkulturellen Dialog in Bamberg fortzusetzen. Das würde ihn ehren und freuen", so der Erzbischof, der im Gebet an den Verstorbenen denke, und den Angehörigen Trost und Kraft erbitte.

"Großartige Persönlichkeit"

Hans-Martin Lechner, Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirks Bamberg, nennt Mohamed Hédi Addala eine "großartige Persönlichkeit, die sich überzeugend für Menschlichkeit und Frieden engagierte bei immer wertschätzender Würdigung unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägungen". So habe Addala wichtige und konstruktive Akzente für ein gelingendes Miteinander in der bunten Vielfalt unserer Stadt gesetzt, betont der Dekan: "Sein von spürbarer Liebe zum Menschen geprägtes Wirken wird bleiben und schließt jeden Rassismus aus. Ich fühle mich Herrn Addala von Herzen verbunden", sagt Lechner. Sein tiefes Mitgefühl gehöre "seiner verehrten Gattin und der ganzen Familie".

Im vergangenen Herbst konnte Mohamed Hédi Addala noch das 25-jährige Jubiläum des MIB gestalten. Dem Beirat gehörte er seit der ersten Stunde an: zunächst ab 1994 als stellvertretender Vorsitzender, seit 2000 ununterbrochen bis zuletzt als Erster Vorsitzender. Der MIB vertritt derzeit 15 600 Bürger, Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund aus insgesamt 133 Ländern. Dies entspricht 20,26 Prozent der Bamberger Gesamtbevölkerung.

"Wir haben immer etwas getan, dass das Leben miteinander und nicht gegeneinander klappt", schrieb Mohamed Hédi Addala dem nunmehr 22 köpfigen MIB eine entscheidende Rolle zu. Interkulturelle Wochen, "Radeln gegen Rassismus", Präsenz im "Zelt der Religionen", regelmäßige Sprechstunden, Problemlösung wie Aufenthaltserlaubnis, Arbeitssuche, Kinderbetreuung oder Wohnungsmangel, Sprachunterricht, Gleichberechtigung von Mann und Frau: Den ehrenamtlich zu bewältigende Aufgabenberg erklomm Mohamed Hédi Addala oft ohne Steigeisen, dafür mit Geduld, Ausdauer, Sachkenntnis und Durchsetzungsvermögen.

Es war sein Wunsch, dass er auf dem Bamberger Hauptfriedhof beigesetzt wird, und seine Freunde Florim Gashi sowie Mehmet Cetindere, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, ihn auf muslimische Weise Richtung Mekka beerdigen. Dies geschieht nach dem Totengebet in der Selimiye-Moschee an der Coburger Straße am kommenden Freitag. Oberbürgermeister Starke und Vertreter der Kirchen werden dabei sein.