"Wir haben starke ländliche Räume in Oberfranken: Oberleiterbach ist ein Paradebeispiel dafür": Anton Hepple, der Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Oberfranken, geriet bei seiner Laudatio anlässlich der Segnung des Heizhauses des Nahwärmenetzes immer wieder ins Schwärmen.

Der Festredner zeigte sich fasziniert vom Millionen-Euro-Projekt Dorfheizung, das durch Bürgerwillen entstand, zu großen Teilen von Bürgern finanziert und von Bürgerhand getragen wird - und bei dem aus regenerativen Rohstoffen aus der Region Strom und Wärme werden. Die "Energie, Hartnäckigkeit und das große Engagement" des 279-Einwohner-Dorfes im Markt Zapfendorf sei über die Maßen bewundernswert, fand der Fachmann.


Herausforderung angenommen

"Vielfach werden Individualismus und rücksichtslose Selbstverwirklichung beklagt. Das Nahwärmenetz in Oberleiterbach ist ein Gegenentwurf, ein Beispiel, dass Gemeinschaften leben und Gemeinschaft funktionieren kann", stellte Hepple heraus. "Oberleiterbach hat mit diesem Projekt die Herausforderung der Energiewende angenommen - mit Tatkraft vor Ort und im Ort. Sie liefern einen beispielgebenden Beitrag zur Lösung des globalen Systems, mag der Beitrag, in dieser Dimension betrachtet, auch noch so klein sein. Wenn alle Städte und Dörfer Ähnliches leisten würden, müssten wir uns diesbezüglich keine Sorgen machen."


70 000 Liter Heizöl gespart

55 Prozent der Haushalte in Oberleiterbach sind an das knapp zwei Kilometer lange Nahwärmenetz angeschlossen. Der Wärmebedarf lag im vergangenen Jahr bei 850 000 Kilowattstunden, pro Jahr werden durch die Dorfheizung 70 000 Liter Heizöl und 10 000 Kilogramm Erdgas eingespart. Die Biomasse stammt dabei aus der unmittelbaren Umgebung.

"Oberleiterbach ist eines von derzeit bundesweit 142 Energiedörfern. Sie haben sich den Titel Bioenergiedorf wahrlich verdient", bekräftigte der Amtsleiter. Nicht umsonst trägt der Ort den selbstgewählten Slogan "Wo Zukunft schon heute ist".

Die Feierstunde stand im Zeichen des Jubiläumsjahrs "100 Jahre Bayern". "Mit diesem Projekt zeigen wir Oberleiterbacher, dass wir an unserer Geschichte selbst schreiben und gemeinsam den Blick in die Zukunft richten", sagte Harald Hümmer, Vorstandssprecher der Energiegenossenschaft Oberleiterbach (EGO), voller Stolz. Er stellte bei seinem Rückblick heraus, dass der Erfolg viele Väter (und Mütter) gehabt hatte und hat.


Skeptiker und Unkenrufe

Bereits im Jahr 2009 sei die visionäre Idee der Dorfheizung entstanden. Trotz aller Unwägbarkeiten und Rückschläge habe es immer Triebfedern gegeben, die das Vorhaben Nahwärmenetz gegen Skeptiker und Unkenrufe verteidigten und unbeirrt voranbrachten. Im Rahmen der Dorferneuerung sei die dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand dann errichtet worden, tatkräftig unterstützt vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken. Dreh- und Angelpunkt ist dabei eine privat betriebene Biogasanlage am Ortsrand Richtung Kleukheim, die aus regenerativen Energiequellen aus der Region Strom und Wärme gewinnt und letztere ins Dorf leitet. Mit dem Heizhaus der Energiegenossen und dessen 550-Kilowatt-Leistung werden Spitzenlasten (beispielsweise im Winter) abgefedert oder Wartungszeiträume überbrückt.

"Bis heute wurden 1,3 Millionen Euro für dieses bürgerschaftliche Projekt aufgewandt", stellte Hümmer heraus. Im Jahr 2016 wurde dem Ort der Bürgerenergiepreis für Oberfranken verliehen. Auch zur Goldmedaille auf Oberfrankenebene im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" trug das beispielgebende Projekt maßgeblich bei. "Wir sind stolz, einen aktiven Beitrag zum Naturschutz zu leisten, mit einer autarken Wertschöpfungskette die Region zu stärken und zugleich ein Stückchen unabhängiger zu sein von fossilen Energien", so Hümmer. "Das geht aber nur, weil wir alle an einem Strang ziehen."

Pfarrer Kurian Chackupurackal segnete nach einem Freiluftgottesdienst das Heizhaus. Er zog am Dreifaltigkeitssonntag den Vergleich zwischen dem dreieinigen Gott und der Heizzentrale: Man sehe nicht, was im (sonst verschlossenen Heizhaus) geschehe, dennoch empfingen alle im Dorf die Wärme in ihren Häusern. Gott wiederum sei für die Augen des Menschen nicht sichtbar, seine Barmherzigkeit aber jederzeit spürbar. "Die Dorfheizung ist ein Vorbild für den gesamten Freistaat und darüber hinaus", betonte der Geistliche.


Mais und Gülle

Die Rother Blasmusik umrahmte die Feierstunde, in die auch ein Tag der offenen Tür an der Biogasanlage integriert war. Dort erklärte Veronika Schmuck den Interessenten, wie aus Mais, Gülle und anderen nachwachsenden Rohstoffen beziehungsweise Substraten dank Millionen von Bakterien Strom und Wärme werden. Darüber hinaus konnten sich die Besucher auf Roll-Up-Plakaten über das dörfliche Engagement, die Dorfheizung und die Dorferneuerung informieren.