Kleine Kinder werden vor laufender Kamera missbraucht. Namenloses Leid und unaussprechliche Szenen, die dann noch in einer dunklen Ecke des Internets unter Gleichgesinnten ausgetauscht werden. Es ist wahrlich nichts für schwache Nerven, was sich die Staatsanwälte der "Arbeitsgruppe Kinderpornografie" in der Zentralstelle Cybercrime regelmäßig anschauen müssen.

Sie ordnen ein, identifizieren Täter und erheben am Ende Anklage an vielen bayerischen Gerichten. Denn die Bamberger Zentralstelle ist eine bayernweite Besonderheit, die 2015 mit zwei Staatsanwälten ihren Anfang nahm. Daraus sind mittlerweile 14 geworden - Tendenz steigend. Technisch unterstützt werden sie von drei sogenannten IT-Forensikern.

Einer davon ist Johannes Pollach. Er hilft den Staatsanwälten nicht nur dabei, manche Online-Barriere zu überbrücken, sondern er entlarvt zum Beispiel auch vermeintliche Uralt-Handys, in die aber zwei SIM-Karten passen. "Aber auch wir müssen natürlich ins Darknet, um uns ein Bild zu machen", sagt Lukas Knorr. Der Leitende Oberstaatsanwalt war von Anfang an dabei und leitet bis heute die Zentralstelle. Die Kriminalität im Internet floriert, im vergangenen Jahr haben die Bamberger Cyber-Ermittler Verfahren gegen 6144 Tatverdächtige eröffnet, etwa ein Drittel davon entfiel auf Sexualdelikte gegen Kinder. "Wir achten aber darauf, dass kein Kollege sich nur mit Kinderpornografie befassen muss", sagt Knorr.

Daneben geht es den Ermittlern um die vielen Varianten des Online-Betrugs, sie werden bei Ermittlungen nach Hackerangriffen eingesetzt, wenn es um Erpressersoftware, um Drogengeschäfte oder um Waffenschiebereien im Darknet geht. Erst im April konnten bei einer internationalen Aktion gegen organisierten Anlagebetrug neun mutmaßliche Täter in Bulgarien und Serbien festgenommen werden, Tausende Anleger aus ganz Europa waren um mehr als 100 Millionen Euro betrogen worden.

"Wir können uns natürlich nicht um jeden Ebay-Betrug kümmern, sondern nur um schwerwiegende Straftaten mit vielen Geschädigten, um technisch interessante oder um außergewöhnlich komplexe Ermittlungen", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Goger, der Pressesprecher der Zentralstelle. Deren Ermittler sind darin geübt, Zusammenhänge zu erkennen - und Fehler zu suchen. "Die passieren irgendwann auch dem sorgfältigsten Täter", weiß Knorr.

Die 2017 bezogenen neuen Diensträume sind modern, aber (abgesehen von der Lagarde-Großbaustelle vor der Haustür) unspektakulär. Neue Büroräume mit Rechnern und Schreibtischen, wie sie auch in vielen anderen Bamberger Firmen und Behörden aussehen würden. Der Unterschied besteht in dem, was hier über die Bildschirme flackert. Erst vor kurzem war die Zentralstelle in einem großen Missbrauchsprozess gegen einen Logopäden vor dem Würzburger Landgericht vertreten. Der Angeklagte hatte sich des schweren sexuellen Missbrauchs an sieben behinderten Jungen schuldig gemacht, die bei ihm in Behandlung waren. Dafür wurde er zu elf Jahren und vier Monaten Haft sowie zu einem lebenslangen Berufsverbot verurteilt.

Bevor es überhaupt zum Prozess kam, standen umfassende Ermittlungen der Zentralstelle Cybercrime. Die sind meist nur über internationale Zusammenarbeit möglich.

So kam der Hinweis auf den Würzburger Logopäden von einem amerikanischen Internet-Provider. Besonders wenn es wie in diesem Fall Anhaltspunkte dafür gibt, dass aktuell noch Kinder missbraucht werden, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. So saß im Würzburger Fall der Angeklagte schon wenige Tagen, nachdem die Zentralstelle Cybercrime informiert worden war, in Untersuchungs-Haft.