• Musikhaus Thomann aus Burgebrach: Branchengigant muss hohe Strafe zahlen
  • Bundeskartellamt: Über 20 Millionen Euro Bußgeld gegen Händler und Hersteller verhängt
  • Zum Nachteil der Kunden: Thomann hat laut Behörde über Jahre illegale Preisabsprachen getroffen
  • Kartellamtspräsident findet klare Worte: Verstöße werden "nicht toleriert"

Fränkisches Musikhaus Thomann zu hoher Strafe verdonnert - illegale Preisabsprachen mit Händlern und Herstellern: Der Musikinstrumente-Händler Thomann aus Burgebrach (Landkreis Bamberg) ist einer der weltweit größten Player der Branche und nach eigenen Angaben "Europas größtes Musikhaus". Das Bundeskartellamt hat Thomann und weitere Händler und Hersteller im Musikbereich zu einer Strafe von rund 21 Millionen Euro verdonnert. Der Grund: Thomann hat nach Angaben der Behörde über Jahre illegale Preisabsprachen mit anderen Händlern getroffen - und sich von Herstellern Mindestverkaufspreise für Instrumente und Zubehör diktieren lassen. 

Burgebrach: Musikhaus Thomann in Branchenskandal verwickelt - Millionenstrafe 

Das Verfahren wurde laut des Fallberichts bereits 2018 mit einer Durchsuchung eingeleitet, nachdem das Bundeskartellamt "Hinweise aus dem Markt" erhalten hatte. Neben Thomann waren laut der Behörde die Hersteller Yamaha, Roland und Fender in die verbotenen Aktivitäten verwickelt, außerdem der Händler Music Store aus Köln. 

Dabei geht es sowohl um Absprachen über "Preiserhöhungen einzelner Produkte" als auch um sogenannte "vertikale Preisbindung", also Absprachen zwischen Händlern und Herstellern. "Hersteller und Händler von Musikinstrumenten haben über Jahre hinweg systematisch darauf hingewirkt, den Preiswettbewerb gegenüber den Endverbrauchern einzuschränken", wird Bundeskartellamtspräsident Andreas Mundt in einer Pressemitteilung zitiert. 

Das Bundeskartellamt habe deshalb "Geldbußen in Höhe von insgesamt rund 21 Mio. Euro gegen die Unternehmen sowie deren verantwortlich handelnde Mitarbeiter verhängt". Die Hersteller hätten Thomann "dazu angehalten, festgesetzte Mindestverkaufspreise nicht zu unterschreiten, was diese in vielen Fällen auch taten" - zum Nachteil der Kundschaft des oberfränkischen Händlers. 

Thomann ließ sich "Mindestpreise" diktieren: Gitarren und Lautsprecher betroffen

So hätten etwa Vertreter von Yamaha "systematisch Mindestpreise kommuniziert" und deren Einhaltung sogar mit einer "Price-Tracking-Software" verfolgt. In sogenannten Preisrunden seien Thomann "Deadlines" vorgegeben worden, zu denen "die Preise marktweit wieder angehoben werden sollten", heißt es in dem Bericht. In vereinzelten Fällen seien sogar Sanktionen wie Lieferstopp, Konditionenkürzung oder Vertragsbeendigung gegen die Händler verhängt worden, so die Behörde weiter.

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Auch gegenüber dem japanischen Hersteller Roland hätte Thomann zugestimmt, "bestimmte Mindestverkaufspreise nicht zu unterschreiten", ebenso wie gegenüber dem Gitarrenproduzenten Fender aus den USA. Außerdem, so das Bundeskartellamt hätten "Thomann und Music Store durch Beschwerden bei Yamaha, Roland und Fender die Einhaltung von Mindestpreisen durch andere Musikinstrumentenfachhändler gefordert". 

Music Store und Thomann haben sich gleichzeitig "zwischen dem 21. Dezember 2014 und dem 27. April 2018 in dreizehn Fällen Absprachen über Preiserhöhungen für einzelne Musikinstrumente bzw. ergänzende Produkte getroffen, die jedoch zumeist nur kurzzeitig zu Preisveränderungen führten", schreibt das Kartellamt. Betroffen sind laut einer Liste im Fallbericht unter anderem Lautsprecher, Gitarren und Schlagzeugzubehör. 

Klartext im Fall Thomann: "Verstöße werden nicht toleriert"

"Das Bundeskartellamt sendet mit den verhängten Bußgeldern nicht nur an die betroffenen Unternehmen, sondern auch an die gesamte Musikinstrumente-Branche das klare Signal, dass Verstöße gegen das Verbot der Preisbindung und von Preisabsprachen nicht toleriert werden", so Präsident Mundt in der Mitteilung. 

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Thomann aus Burgebrach habe "bei der Aufklärung der Absprachen mit dem Bundeskartellamt umfassend kooperiert", heißt es weiter - im Gegensatz zu Music Store, das nur im Verfahren wegen "vertikaler Preisbindung", also der Absprachen zwischen Händlern und Herstellern, getan habe. Somit seien die Bußgeldbescheide rechtskräftig und das "Verfahren im Wege der einvernehmlichen Verfahrensbeendigung" abgeschlossen. 

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