Seit fast 100 Jahren drehen Menschen ihre Bahnen in den Becken des Wassersport-Vereins (WSV) Neptun. Idyllisch gelegen in Bughof scheint sich nicht viel verändert zu haben. Die Anlagen kamen allerdings etwas in die Jahre. Besonders der Gasbrenner, welcher die Außenbecken des Vereins auf Temperatur bringt, hat schon fast ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel. Gleichzeitig steigen die Energiekosten weiter an.

Neue Heizung soll Energie sparen

Zeit, sich an die Sanierung der Anlagen zu machen. Das visionäre Ziel: Die Heizung so zu modernisieren, dass sie -neutral läuft, indem die Energie mittels Solaranlagen selbst produziert wird. 60 Tonnen und 25 000 Euro Heizkosten kann der Verein mit den Maßnahmen einsparen. 250 000 Euro sind für die neue Heizung eingeplant. Die Stadt Bamberg hatte schon früh zugesagt, das Geld vorzufinanzieren. Der Vorstand war bereits seit 2018 auf der Suche nach einem geeigneten Pumpenmodell und entsprechenden Firmen für den Umbau.

Anfang Februar tauchte dann eine Überraschung für den Verein mit seinen 2300 Mitgliedern auf: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz hatte sich im Haushaltsausschuss für die Erneuerung der Anlagen eingesetzt und das Projekt in einem Topf für Sanierungsmaßnahmen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur verankert. Als sich herausstellte, dass Fördergelder von 2,25 Millionen Euro in Haus standen, staunte nicht nur der erste Vorstand Horst Schubert nicht schlecht.

Wunschzettel gewachsen

In der Zwischenzeit ist der Wunschzettel des Vereins ordentlich gewachsen: Zu einer modernen Luft-Wärme-Wasserpumpe, die mittels Photovoltaik auf allen drei Dächern der Vereinsgebäude betrieben wird, soll sich noch viel mehr auf dem drei Hektar großen Gelände bewegen: Die alte Sauna sowie der Umkleidebereich wird zum Teil abgerissen und soll einem neuen Multifunktionsraum weichen, mit Sauna, Gymnastikraum und Reha.

Die Beckenränder und Startblöcke sollen in neuem Glanz erstrahlen und auch die Barrierefreiheit wird ausgebaut. Mit einer hölzernen Tribüne als Liegemöglichkeit und einem Lager- und Schulungsraum für die stark angewachsene Stand-Up-Paddeling-Gruppe des Vereins kommen weitere Baumaßnahmen hinzu. E-Ladesäulen für Fahrräder und Autos dürfen auch nicht fehlen.

Für die stattliche staatliche Förderung, war Gemeinschaftsarbeit vonnöten. Bei der Mitgliederversammlung des Vereins kamen am vergangenen Freitag die Partner dieser Zusammenarbeit zur lockeren Gesprächsrunde zusammen. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals über eine Förderung für einen Verein auf einmal soviel Gutes tun konnten", meint Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Gerade in Zeiten von rückläufigen Steuereinnahmen sei es wichtig diese Fördergelder "an Land zu ziehen." Auch sein Bürgermeisterkollege Christian Lange (CSU) freut sich: In den Vereinen passiere viel für die Jugendarbeit. Die Sanierung könne sicherstellen, dass junge Menschen gerne das Schwimmen lernen, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr sei.

Mit Johannes Kahrs, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Haushaltsausschuss, ist jemand zu Gast, der weiß, wie die Summe tatsächlich zustand kam. Wenn Ende November in der "Nacht der langen Messer" - wie er es nennt - bis morgens um halb vier Uhr "rotes" und "schwarzes" Geld zwischen den GroKo-Parteien verteilt werde, weiß er seinen Parteikollegen Andreas Schwarz hinter sich: "Solange er nicht gegen meine Pläne protestiert, kriegt er, was er will", erzählt der Hamburger mit einem Grinsen.

Innerhalb kürzester Zeit musste dann der Bausenat in Bamberg seine Unterstützung bekunden und entsprechende Anträge stellen. Am Mittwoch wird im Bundestag sozusagen die "Sporttasche" endgültig zugemacht und die Förderung beschlossen. "Geld ist gefährlich", gab Kahrs dem WSV Neptun am Ende noch mit. "Ihr müsst aufpassen, dass der Laden jetzt nicht auseinanderfliegt, weil jeder meint, alle seine Wünsche könnten erfüllt werden." Auch der Vorstand hat das auf dem Schirm: "Viele Ideen sind von Vereinsmitgliedern gekommen. Und wir wollen, dass sich viele Mitglieder auch bei der Umsetzung beteiligen", betont Schubert. Viele Veränderungen stehen am Horizont. SPD-Stadtratsmitglied Heinz Kuntke schwimmt nun seit 40 Jahren beim WSV Neptun und wünscht sich "dass das familiäre Umfeld bleibt, welches den Verein ausmacht."

Nach der Gesprächsrunde legt Kahrs mit etwas Kraftaufwand den Hebel an der betagten Wärmepumpe um. Jetzt können die 2,25 Millionen Euro sicher noch besser fließen.