Das E.T.A-Hoffmann-Theater wird bis 2025 von Sibylle Broll-Pape geleitet. Das entschied der Stadtrat am Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung mit einer klaren Mehrheit von 30 Stimmen. Die Vertragsverlängerung war mehrfach vorberaten. Zuletzt hatte sich der Kultursenat dafür ausgesprochen, einem Wunsch der Intendantin folgend die zweite Amtszeit mit zweijährigem Vorlauf von 2020 bis August 2025 festzuschreiben.

Dennoch ließen es sich die Kritiker Broll-Papes nicht nehmen, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Schon am Vortag hatte Dieter Weinsheimer im Finanzsenat das vorbehaltlose Ja zur Intendantin gegeißelt: "Ich habe noch nie so viele Protestbriefe erhalten", berichtete der Vorsitzende der BA-Fraktion. Sorgen macht Weinsheimer die "nicht verstummende Kritik" gegenüber der Leiterin des Theaters und mehr noch der Rückgang der Abozahlen in Höhe von 200. Verbilligte Studentenkarten seien wirtschaftlich kein Ersatz.

Freilich: Zweifel an der Amtsführung der 61-Jährigen Theaterchefin hatte OB Andreas Starke (SPD) bereits am Vortag zerstreut, als es ebenfalls im Finanzsenat um die Kosten der budgetierten Einrichtungen der Stadt ging. Dabei wurde deutlich, dass das Bamberger Theater zu den wenigen Einrichtungen zählt, die 2017 das Budget unterschritten haben und dadurch auf einen Übertrag von 60 000 Euro hoffen dürfen. "Diese Zahl ist mehr als eine Fußnote", sagte der OB. Das Ergebnis zeige die "gesunde und vernünftige wirtschaftliche Führung" des Theaters. Ausdrücklich warnte Starke den Stadtrat davor, Fragen des Geschmacks zur Grundlage seiner Entscheidung zu machen.

Doch natürlich trafen die Stadträte ihre Entscheidung auch aus persönlicher Betroffenheit. "Wir lehnen die Fortführung der Intendanz geschlossen ab", sagte BBB-Stadtrat Norbert Tscherner vor der Sitzung. Von "tollen Leistungen" der Intendantin sprach dagegen Helmut Müller (CSU). Broll-Pape habe gut gewirtschaftet, ein neuer Intendanzwechsel werde nur zu einem erneuten Kahlschlag beim Personal der Schauspieler führen.

Licht und Schatten sehen die Grünen in der Amtsführung Broll-Papes: "Das Programm finden wir gut", sagte Ursula Sowa. Aber der Umgang mit dem Personal sei ebenso zu hinterfragen, wie etwa der rigorose Platzverweis für die Sommeroper.

Sibylle Broll-Pape nahm die Entscheidung mit Freude auf. "Ich freue mich sehr, dass ich gemeinsam mit meinem Team den eingeschlagenen Weg weiter gestalten kann. Wir haben noch viele Ideen und freuen uns auf weitere abwechslungsreiche, unterhaltsame und berührende Momente mit unserem Publikum", wird Broll-Pape in einer Mitteilung der Stadt Bamberg zitiert.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke begrüßte das Votum des Stadtrats. "Frau Broll-Pape hat das Theater zu einer erfolgreichen und bundesweit relevanten Kulturinstitution gemacht, auf die wir in Bamberg stolz sein können", sagte Bambergs Stadtoberhaupt nach der Wahl.

Kommentar des Autors

Ein Blankoscheck für sieben Jahre?

Der Stadtrat hat sich für eine Vertragsverlängerung von Sibylle Broll-Pape ausgesprochen. Dass das Ergebnis mit 30 Stimmen am Ende sehr klar ausfiel, überrascht nicht.

Die hartnäckigen Kritiker der umstrittenen Intendantin konnten nicht auf schlagende Argumente verweisen: Gründe, die eine Trennung nach der ersten Amtszeit gerechtfertigt hätten.

Die wirtschaftlichen Zahlen des Theaters sind allen Unkenrufen zum Trotz nicht schlecht, zumindest derzeit.

Gewiss: Das Programm polarisiert ebenso wie seine Macherin, doch in den Auslastungszahlen ist kein Absturz zu erkennen.

Streiten lässt sich über die Frage, ob die jetzt siebenjährige Festlegung auf Broll-Pape die Position Bambergs nicht ohne Not geschwächt hat. Denkbar wäre auch eine kürzere zweite Amtszeit oder eine Ausschreibung gewesen, um den Markt zu testen und Wettbewerb zuzulassen.

So wie es jetzt aussieht, hat sich die Intendantin im Poker mit den Stadträten in allen Punkten durchgesetzt. Ein Blankoscheck darf der Beschluss dennoch nicht sein. Die immer wieder zu hörende Kritik aus dem Publikum muss ernst genommen werden, ebenso der Verlust von 200 Abonnenten. Doch es bleiben Zweifel, ob es dazu kommt.