Kardinal Walter Brandmüller ist am Sonntag feierlich in den Dom seiner Heimatdiözese eingezogen und hat dort erstmals als Kardinal Gottesdienst gefeiert. Der 82 Jahre alte Geistliche war vor genau drei Monaten von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt worden. Das Erzbistum bereitete ihm einen festlichen Empfang. Brandmüller, der dem Domkapitel des Petersdoms in Rom angehört, lebt seit zwölf Jahren im Vatikan; zuvor lehrte er Kirchengeschichte in Dillin gen und Augsburg.

Den Gottesdienst im Bamberger Dom feierten zahlreiche hohe Geistliche aus Bayern mit, darunter der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx. Auch der emeritierte Augsburger Bischof Walter Mixa gehörte zu den Gästen. Es war sein erster größerer Auftritt nach seinem Rücktritt im Frühjahr 2010.
Vor mehreren Hundert Gläubigen beklagte Kardinal Brandmüller in seiner Predigt, dass der Mensch inzwischen lebe, "als ob es Gott nicht gäbe. Gottvergessenheit hat sich über Stadt und Land ausgebreitet, wie eine dunkle Smog-Wolke, die den Ausblick auf den strahlenden Himmel über ihr versperrt."

Er ermunterte die Gläubigen "die Welt der Übernatur neu zu entdecken, wenn wir Zukunft und Hoffnung haben wollen". Denn, diese untere Erdenwelt sei vergänglich. Der 82-Jährige betonte zudem in seiner Predigt die Würde des Menschen. Der Mensch sei mehr als ein "nackter Affe", dem eine "Laune der Evolution" das Fell ausgezogen habe. Kardinal Brandmüller zitierte in seiner Rede Papst Leo den Großen: "Christ, erkenne deine Würde. Du bist der göttlichen Natur teilhaft geworden." Das Christsein, so Kardinal Brandmüller, bestehe nicht aus einem von außen aufgezwungenen Katalog von Geboten und Verboten.

Das Christentum sei seit über 2000 Jahren eine Erfolgsgeschichte, sagte der gebürtige Ansbacher bereits am Sonntagvormittag. "Es gibt keinen Grund sich ins Mauseloch zurückzuziehen." Für Minderwertigkeitskomplexe bestehe kein Anlass, sagte Kardinal Brandmüller.

Walter Kardinal Brandmüller bedankte sich bei Erzbischof Ludwig Schick für die Einladung. Hier im Bamberger Dom sei er 1953 zum Priester geweiht worden, an Bamberg habe er viele schöne Erinnerungen. Er erinnere sich auch sonst gerne an die Zeit in Bamberg. Hier sei er 1948 ins Priesterseminar eingetreten und er habe auch eine schöne Zeit als Kaplan in der Bamberger Pfarrei St. Martin erleben dürfen.

Erzbischof Schick rief in seiner Begrüßung die Gläubigen dazu auf, den Kernsatz des Tagesevangeliums: "Seid heilig" zu beherzigen. Denn wer zu Jesus Christus gehöre und heilig lebe, empfange die Fülle des Lebens, sagte der Bamberger Erzbischof.
Im Anschluss lud Erzbischof Schick die Gottesdienstbesucher zu einer Begegnung mit Walter Kardinal Brandmüller ins Diözesanmuseums ein. dpa/bbk