Das Erzbistum Bamberg muss sich seit Jahren mit Missbrauch im eigenen Verantwortungsbereich auseinandersetzen. 2022 hatten gleich mehrere Fälle und der Umgang hiermit innerhalb der Kirche für Empörung gesorgt. Nun gibt es wieder "neue Erkenntnisse", wie mitgeteilt wird. Dabei gehe es um einen im Jahr 2000 verstorbenen Priester, der nach Missbrauchsvorwürfen 1976 nicht angezeigt, sondern ins Ausland versetzt wurde.

"Archivdokumenten zufolge waren kirchlichen Stellen die Vorwürfe dabei bekannt", erklärt das Erzbistum. Die genauen Abläufe und Verantwortlichkeiten seien auch Gegenstand der "noch laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen", deren Ergebnisse man im Frühjahr 2027 vorstellen möchte. 

"Behörden nicht eingeschaltet": Erzbistum wusste von sexuellen Missbrauchsvorwürfen 

Der Beschuldigte war laut Erzbistum von 1970 bis zu seiner Versetzung nach Namibia 1976 Direktor eines Bamberger Internats, zuvor war er Sekretär des damaligen Erzbischofs Josef Schneider. Einem Schriftverkehr zufolge soll sowohl die damalige Bamberger Bistumsleitung als auch das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz sowie das Apostolische Vikariat Windhoek bei der Versetzung Kenntnis von den Vorwürfen gehabt haben. 1986 wurde der Priester demnach als Seelsorger für die deutschsprachige Gemeinde nach Mailand versetzt.

"Die staatlichen Behörden wurden offenbar nicht eingeschaltet", erläutert das Erzbistum. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde der Priester den vorliegenden Unterlagen zufolge nicht mehr als Seelsorger eingesetzt, bevor er im Jahr 2000 starb. Aus den Akten seien die Namen von fünf betroffenen Schülern des Bamberger Internats bekannt. Weitere Missbrauchstaten im Ausland seien nicht aktenkundig. Bereits 2011 sei in lokalen Medien über den Fall berichtet worden.

Die Auswertung von Archivdokumenten aufgrund einer aktuellen Medienanfrage "führte zu den neuen Einsichten", so das Erzbistum. Man erhoffe sich von der Studie, die von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission 2024 in Auftrag gegeben wurde, "weitere Erkenntnisse", heißt es. Die Versetzung von Missbrauchstätern ins Ausland hatte aus Sicht der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch System. Dort ist die Rede von "geradezu mafiöse Strukturen in der Kirche, wenn es darum ging, Täter vor den Konsequenzen ihrer Verbrechen zu schützen". 

"Bedauern ausdrücklich": Erzbischof äußert sich zu Umgang mit Missbrauch in Bamberg

So soll das Erzbistum Bamberg unter anderem einem Priester, gegen den Missbrauchsvorwürfe erhoben worden waren, geholfen haben, in Bolivien als Missionar zu arbeiten. 2022 verhängte das Erzbistum auf Druck von Bürgern ein Predigt-Verbot gegen einen Aushilfspfarrer, der vor seinem Ruhestand über Jahre hinweg einen Jugendlichen sexuell missbraucht hatte. "Wir haben im Erzbistum den Anspruch, die Vergangenheit offen und transparent aufzuarbeiten", wird Erzbischof Herwig Gössl zitiert.

Dazu gehöre auch, Erkenntnisse nicht zurückzuhalten, sondern sie öffentlich zu machen. "Ohne den Ergebnissen der unabhängigen Aufarbeitung vorgreifen zu wollen, machen die bisher bekannten Vorgänge ein Fehlverhalten kirchlicher Verantwortungsträger beim Umgang mit Missbrauchsvorwürfen deutlich", so Gössl. Dem Schutz von Kindern und Jugendlichen sei nicht ausreichend Rechnung getragen worden, während der Schutz von Tätern Vorrang hatte. "Wir bedauern dieses institutionelle Versagen ausdrücklich und versichern, dass dieses Vorgehen heute völlig undenkbar ist", so der Erzbischof weiter.

Bevor heute eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger ins Ausland geschickt werde, müsse die betreffende Person neben einer Selbstverpflichtungserklärung ein aktuelles "erweitertes Führungszeugnis" vorlegen, das über das normale Führungszeugnis hinausgehe und detailliert Straftaten aufliste. Außerdem müsse die Teilnahme an einer Präventionsschulung nachgewiesen werden und von einem kirchlichen Vorgesetzten eine ausführliche Unbedenklichkeitserklärung unterzeichnet werden, so der Leiter des Auslandssekretariats der Deutschen Bischofskonferenz.

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