Es gibt auf dem Jura noch besondere, fast magisch-mystische Orte, die nicht so bekannt sind. Einer davon ist "Maria im Wald", die man am besten von Poxdorf aus erreicht.

Auch oder gerade trotz Corona zelebrierte Pfarrer i.R. Markus Brendel aus Hollfeld dort den 30. Waldgottesdienst vor dem Waldkreuz in unmittelbarer Nähe der Kapelle "Maria im Wald". Sie wird auch Reuth-Kapelle genannt, da sie in der so von den Einheimischen genannten Flur steht.

Termin war nicht öffentlich bekannt

Der gebürtige Memmelsdorfer Fritz Schwengler, der in Kotzendorf eine Gärtnerei betreibt, hat sich auf dem Jura nieder gelassen und vor 30 Jahren in seinem Waldstück, das etwa zwei Kilometer nördlich von Poxdorf liegt, ein Kreuz errichtet. Am Platz davor wurde schon damals bei der Kreuzweihe eine Heilige Messe gefeiert. Seitdem ist es dem Fritz, wie er von allen nur genannt wird, immer wieder gelungen, am Pfingstmontag oder seit einigen Jahren am Sonntag nach Maria Himmelfahrt einen Pfarrer zu finden, der hier Gottesdienst hält. Von Pfarrer Markus Brendel, der früher Pfarrer in Scheßlitz war und seinen Ruhestand nun in Hollfeld verbringt, hat er seit einigen Jahren die Zusage für die Messfeier. Dieses Jahr wurde der Termin wegen Corona nicht öffentlich bekannt gemacht und nur rund 70 Gläubige erfuhren auf Umwegen den Tag.

Auf Privatgrund

Die Gläubigen des Jura hadern schon öfter mit ihrer Geistlichkeit, die nach ihrer Meinung die Coronaregeln zu strikt auslegt, sodass beispielsweise erst jüngst auch ein Kirchweihgottesdienst bei schönstem Wetter nicht einmal im Freien gehalten wurde. Da dieser Gottesdienst jedoch auf Privatgrund stattfand, kann der Domberg im Nachhinein eventuell nur grollen und der Geistliche wird den Rüffel schon ertragen. Die Coronabestimmungen wurden dennoch eingehalten.

Nachdem Toni Heinert, der auch als Mesner Dienst tat, das Glöcklein der Kapelle geläutet hatte, stimmte die Blaskapelle Steinfeld das Lied "Erde singe, dass es klinge" an und alle sangen mit Inbrunst mit.

Pfarrer Brendel sagte anfangs, dass heute noch einmal auf Maria geschaut werden solle, da sie im Leben Jesu eine besondere Stellung eingenommen habe. In seiner Predigt ging er dann auf die Überlieferung ein, dass die Apostel beim Besuch des Grabes Mariens dieses leer fanden, aber gefüllt mit Blumen.

Zeichen des Lebens

"Die Blumen sind ein Zeichen des Lebens und der Freude", stellte der Geistliche fest und forderte die Zuhörer auf: "Es ist unser Auftrag, mit der Schöpfung so umzugehen, dass auch nachfolgende Generationen noch von ihr leben können!" Wie wichtig diese Mahnung ist, konnte man an den Waldschäden unmittelbar neben dem Altar sehen, wo Bäume schon zum Teil abgeholzt waren oder andere noch dürr dastanden. Die Gläubigen tröstete Brendel mit den Worten: "So wie Jesus auf Maria geschaut hat, vergisst und verlässt er auch uns nicht. Wir sollten deshalb manchmal in unserem Alltag auf das Schöne und Gute schauen."

Zum Schluss forderte der Prediger die Zuhörer auf: "Wir sollen aber auch alles tun, damit es uns gut geht, denn das ist auch im Sinne Gottes."

Nach dem Gottesdienst spielten die Alphornbläser "Fränkische Schweiz" noch einige ruhige besinnliche Lieder, die weit durch Wald und Flur klangen.

Es musizierten Josef Bickel (Geisdorf), Arno Schlee (Steinfeld) und der Hausherr Fritz Schwengler (Kotzendorf). Alle Anwesenden dankten dem Pfarrer und der Familie Schwengler, dass sie ihnen diese berührende und beeindruckende Stunde bei "Maria im Wald" ermöglichten. Einige sangen gegen Abend zusammen mit dem Pfarrer noch in und vor der Kapelle einige Marienlieder und beteten den Engel des Herrn, bevor sie sich frohgemut auf den Heimweg machten.