Baunach hat in diesem Jahr ein weiteres Wahrzeichen bekommen - das Bürgerhaus. Aus der traditionellen Lechner-Bräu ist mithilfe des Städtebaues ein prägnanter Bau der Postmoderne geworden, der auch für Traditionalisten zumindest akzeptabel sein dürfte. Das neue Bürgerhaus ist damit auch Stein gewordenes Symbol für das, was Baunach ausmacht: Geschichte wird nach Kräften bewahrt und zugleich stellen die Baunacher die Weichen so, dass man auch künftig gut und gerne in der Kleinstadt leben kann.

Lauter, Baunach und Main

Vieles ist hier im Fluss, auch wörtlich: Über Baunach fließen Lauter, Baunach in den Main. Als Drei-Flüsse-Stadt befindet sich Baunach in bester Gesellschaft und in einer Reihe mit bekannten Städten wie Augsburg, Passau, Coburg und Pforzheim. Gewässer bescherten Baunach nicht nur die Verewigung im Stadtwappen und Fischreichtum, sondern auch Hochwasser. Dagegen hat man im vergangenen Jahrhundert Sicherungsmaßnahmen (Dämme und Hochwasserfreilegung) gesetzt. "Unsere Dämme halten," zeigt sich Stadtoberhaupt Ekkehard Hojer zuversichtlich.

Zuversichtlich ist der Bürgermeister auch, was die Ortsumgehung betrifft. Die Bundesstraße 279 spült täglich 13 324 Fahrzeuge (davon 1090 Güterverkehr und davon wiederum 694 aus der Kategorie Schwerlastverkehr) durch die Stadt. Ein Bypass, also eine Umgehung soll die Hauptschlagader des Ortes entlasten, 2014 die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan erfolgen. "Mit beiden Varianten," ergänzt Hojer. Also die von der Stadt favorisierte und deutlich günstigere im Osten (für geschätzte 28 Millionen Euro), die auch das Gewerbegebiet anbinden würde, allerdings durch FFH-Gebiet führt.

Das Straßenbauamt wiederum spricht sich für die teurere (mit 45,1 Millionen Euro veranschlagte) im Westen aus. Zumindest ist die Sache im Fluss, signalisiert der Bürgermeister. Ein echter Baunacher übrigens und ein Bürgermeister-Enkel: Exakt 50 Jahre nachdem sein Großvater (1952) Rathaus-Chef wurde, nahm der Enkel auf dem Chefsessel Platz. Der hatte beim Großvater aber vis a vis gestanden: In der alten Schule, einem von Balthasar Neumann und Dientzenhofer-Sohn Julius 1744 errichteten Gebäude. Seit die Verwaltung 1982 umzog, beheimatet dieser schmucke Bau das Heimatmuseum. Bei Baunachs über 1200 Jahre alter (Ersterwähnung 802), bewegter Geschichte durchaus angebracht.

Das Stadtrecht hat Baunach nicht erst seit 1954, sondern bereits im 14. Jahrhundert erhalten, ehe man es Anfang des 19. Jahrhunderts wieder einbüßte. Baunach, "Tor zum Naturpark Haßberge", gehörte bis 1972 nach Unterfranken und zum Landkreis Ebern, ehe man in den Landkreis Bamberg "wechselte". Im Zuge der Gemeindegebietsreform 1978 wuchs Baunach auch um sieben weitere Gemeindeteile (die bis dahin meist selbständig waren). Baunach formierte aber auch mit den Partner-Gemeinden Reckendorf, Gerach und Lauter eine Verwaltungsgemeinschaft (VG). Von Anfang an war Baunach VG-Sitz.

Auch schulisch ist Baunach mit seiner Verbandsschule ein Zentrum, in dem folgerichtig auch die M-Klassen sind. In Zukunft dürfte die thermische Sanierung des gewaltigen Schulkomplexes anstehen. Zu diesem gehört übrigens auch ein eigenes Hallenbad. Womit wir wieder beim Wasser sind.

Tor wartet auf Restaurierung

In Sachen Hochwasserschutz hat die Stadt ebenso frühzeitig Weichenstellungen vorgenommen wie bei der Versorgung mit Trinkwasser aus eigenen Brunnen oder der Abwasserentsorgung in der städtischen Kläranlage. Flurbereinigung und Dorferneuerung in den außerhalb gelegenen Stadtteilen und Städtebauförderungsmaßnahmen in der Stadt selbst haben Baunach ebenso ein attraktives wie funktionales Äußeres beschert. Dem Städtebau verdankt Baunach auch den Brunnen, auf dem der Stadt-"Heilige", also der selige Überkum Gestalt angenommen hat. Die "Hölzernen Männer", ein weiteres Wahrzeichen, früheres Eingangstor am Kastenhof, wartet auf seine Restaurierung.

Ansonsten hat die bedeutende Magdalenen-Kapelle nicht zuletzt auf Betreiben des Fördervereins und auf besondere Initiative des heutigen Altbürgermeisters Georg Wild hin eine solche erfahren.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bescherte dem einst landwirtschaftlich geprägten Ort einen immensen Bevölkerungszuwachs wovon die insgesamt 22 hauptsächlich in den 60ern und 70ern entstandenen Baugebiete zeugen. Gewachsen sind auch die Gewerbe-Strukturen, die für ein solides Polster im Stadtsäckel sorgen. Erst vor wenigen Jahren wurde im Osten der Stadt ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen. Dies profitiert natürlich von der günstigen Verkehrsanbindung. Ein weiterer Vorteil Baunachs besteht natürlich in der Anbindung an das Schienennetz, obwohl das Bahnhofsgebäude seine eigentliche Funktion eingebüßt und zum Geheimtipp für Gourmets geworden ist.

Üppig ist das Angebot, das die Vereine in den verschiedensten Bereichen anbieten und für das der Ortskulturring eine ausgezeichnete Koordinationsstelle darstellt. Zur Kultur gesellt sich freilich die Lage in reizvoller Landschaft, die unter anderem durch ein dichtes Wanderwegenetz erlebbar wird. "Baunach verfügt über eine ausgesprochen hohe Lebensqualität", freut sich Bürgermeister Hojer. Damit meint er unter anderem das ganz eigene Flair in der historischen Altstadt, und dort wiederum setzt das Bürgerhaus einen neuen Akzent.